Bundesauszug, Bundesreserve, Landwehr
René Ackermann, Anton Zenhäusern, veröffentlicht am 12.12.2025
Walliser Truppen
1815 trat das Wallis als zwanzigster Kanton dem schweizerischen Staatenbund bei. Gemäss dem Allgemeinen schweizerischen Militärreglement von 1817, hatte der Kanton ein aus Infanterie, Scharfschützen und Train bestehendes, insgesamt 2560 Mann zählendes Truppenkontingent zum schweizerischen Bundesheer zu stellen.
Das Walliser Bundeskontingent teilt sich je zur Hälfte in Auszug und Reserve. Sowohl Bundesauszug wie auch Bundesreserve bestanden 1817 aus je einem Bataillon Infanterie zu sechs Kompanien und drei selbständigen Kompanien. Dazu kamen noch je eine Kompanie Scharfschützen und je ein Traindetachement. Aus den je drei selbständigen Kompanien des Auszugs und der Reserve wurde 1818 ein drittes Infanteriebataillon errichtet.
1819 stellt der Kanton somit drei Infanteriebataillone, zwei Scharfschützenkompanien und zwei Traindetachemente an das schweizerische Bundesheer. Diese Ordnung blieb so bis zum Inkrafttreten der eidgenössischen Militärorganisation im Jahr 1850 bestehen.
Bis 1841 setzten sich diese drei Walliser Infanteriebataillone aus je fünf Füsilier- und einer Jägerkompanie zusammen. Danach aus vier Füsilier- und zwei Jägerkompanien.
Die Walliser Landwehr wurde 1827 organisiert. Sie bestand aus 27 Füsilier-, 10 Jäger-, 6 Scharfschützen-, 1 Train- und 1 Artilleriekompanie sowie einem Stab. Mit diesen Truppen konnten fünf Bataillone gebildet werden.
Kopfbedeckungen
Die Kopfbedeckungen der Walliser Truppen veränderten sich während all der Zeit nur wenig. Der hohe Tschako der kantonalen Ordonnanz von 1819 wurde im Jahr 1827 durch ein etwas niedrigeres Modell abgelöst. Dieses blieb dann bis 1852 in Verwendung. Ab den 1840er Jahren verringerte sich allerdings der Deckeldurchmesser des Tschakos etwas, so dass die Wand des Hutzylinders beinahe senkrecht aufstieg.
Die kugelförmigen Pompons wiesen unterschiedliche, zumeist zweigeteilte Farben auf. Die Walliser Kantonalkokarde besass einen äusseren weissen Rand und ein inneres, rotes Feld. Das metallene Tschakoabzeichen, der Tschakoschild, war bei allen Truppen von der Form her identisch. Es unterschied sich einzig in der Farbe. Diese entsprach der Farbe der Knöpfe des Uniformfracks. Das Tschakoabzeichen von 1819 wies im oberen Teil einen ovalen Wappenschild auf. Das Modell von 1827 zeigte dann einen spitzen Wappenschild. Der Dekor, der zur Befestigung des Sturmbandes dienenden Rondellen, entsprach jeweils dem Dekor der Schösse des Uniformfracks.

Das Wappen im oberen Teil des Tschakoschildes hat eine ovale Form. Das untere Feld ist mit dekorativen Elementen versehen (Foto: A. Z.)

Das Wappen im oberen Teil des Tschakoschildes hat eine spitze Form. Das untere Feld ist leer (Foto: A. Z.)
Die Offiziere trugen die selbe Kopfbedeckung wie die Truppe. Am oberen Rand ihres Tschakos befand sich jedoch ein, der Farbe der Tschakogarnitur bzw. der Uniformknöpfe entsprechendes, silbernes oder goldenes Band. Je nach Grad, war dieses unterschiedlich breit. Beim Oberstleutnant mass es 14 Linien (1 Linie = 3 mm), beim Major 12, beim Hauptmann 10, beim Oberleutnant 8 und beim Unterleutnant 7 Linien (Reglement 1827, Art. 186).
Nachfolgend werden einige dieser Kopfbedeckungen der Walliser Milizen vorgestellt.
Infanterie

Die Tschakogarnituren bestehen aus «weissem» Blech. Die Sturmbandrondellen weisen das Dekor eines fünfzackigen Sterns auf. Der Pompon der Füsiliere diente nur zur Bezeichnung der Waffengattung und nicht etwa zur Unterscheidung der Kompanien. Er ist bei allen Füsilieren, egal welcher Kompanie sie angehören, farblich zweigeteilt, oben rot, unten weiss (Gesetz 1817/19, Art. 90 / Reglement 1827, Art. 179. Foto: A. Z.)

Ein weisser Pompon wurde von den Angehörigen des Bataillonsstabs getragen. Dieser bestand aus neun Offizieren und neun Unteroffizieren bzw. Handwerkern (Reglement 1827, Art. 189. Foto: A. Z.)


Die sich auf der Kantonskokarde befindliche Ganse wird in den Reglementen nie explizit erwähnt. Sie findet sich jedoch bei einigen erhalten gebliebenen Tschakos aus der Zeit (Foto: A. Z.)
Jäger

Die Tschakogarnituren bestehen aus «weissem» Blech. Die Sturmbandrondellen zeigen ein Jagdhorn als Dekor. Der Pompon der Jäger ist rot und grün. Der rote Pompon auf diesem Tschako wurde unpassend ergänzt (Gesetz 1817/19, Art. 90. Foto: A. Z.)

Auch hier müsste der Pompon rot und grün sein (Reglement 1827, Art. 178. Foto: A. Z.)
Scharfschützen

Der Tschako der Scharfschützen besitzt Garnituren aus «gelbem» Messingblech. Die Sturmbandrondellen weisen das Dekor eines Jagdhorns auf. Der Pompon ist der Scharfschützen ist zweifarbig, grün und gelb. Aufgrund der Quellenlage lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, welche Farbe oben und welche unten war (Gesetz 1817/19, Art. 91. Foto: A. Z.)

Train

Der Tschako des Trains besitzt gelbe Garnituren. Auf den Sturmbandrondellen befindet sich ein fünfzackiger Stern. Der Pompon des Trains ist zweifarbig rot-weiss (Gesetz 1817/19, Art. 92. Foto: A. Z.)

Artillerie

Der Tschako der Artillerie besitzt gelbe Garnituren. Die Sturmbandrondellen weisen eine Granate als Dekor auf. Der Pompon der Artillerie ist wie derjenige der Füsiliere zweifarbig rot und weiss (Reglement 1827, Art. 182).
Quellen und Literatur
- Loi sur l’organisation militaire, Sion 1817/19.
- Militärreglement vom 10. Dezember 1827, Sitten 1827.
- Calpini, Jacques: L’organisation des milices valaisannes de 1815 à 1875, Sion 1963.
- Calpini, Jacques: Les milices valaisannes du XVIIIe au XXe siècle, Sion 1974.
- Petitmermet, Roland; Rousselot, Lucien: Schweizer Uniformen, uniformes suisses, 1700-1850, Bern 1976.
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