Offiziere und Mannschaften
René Ackermann, veröffentlicht am 11.09.2025
Allgemeines
Der mit dem Bekleidungsreglement von 1852 eingeführte Tschako wurde von Infanterie, Scharfschützen, Artillerie, Genie und Instruktoren getragen.
Er hatte eine konische Form und bestand aus wasserdichtem, schwarzem Filz. Aufgrund seiner Form trug er den Spitznamen «Zigerstock». Der Deckel und dessen Rand, sowie der Schirm bestanden aus schwarzem, gewichstem Rindsleder. Der Deckelrand war 2,7 cm breit. Der Schirm war 6 cm breit und leicht abwärts gesenkt. Die untere Einfassung des Tschakos bestand aus gewichstem Kalbsleder und war 3 cm breit. Die vordere Höhe des Tschakos betrug 16,5 cm, die hintere 21 cm. Der Deckel hatte einen Durchmesser von 14,7 bis 15,9 cm.
Das Innenfutter des Tschakos bestand aus schwarzem Leder und besass 12 cm lange Zacken. Jede Zacke war mit einem kleinen, gefütterten Loch versehen. Darin war eine Schnur zum Zusammenziehen des Futters durchgezogen. Die Kinnriemen waren 2,1 cm breit und innen, oben im Tschako festgenäht. Am linken Riemen befand sich eine schwarze Metallschnalle.
Der auf den Tschako gesteckte Woll-Pompon bestand aus einer Kugel mit Flamme. Der Durchmesser der Kugel betrug 4,8 cm, die Länge der Flamme 6 cm. Die Flamme wurde durch eine gleichfarbige, wollene Schlaufe zusammen gehalten. Die oben am Tschako angebrachte, in den Kantonsfarben bemalte Metallkokarde hatte einen Durchmesser von 5,7 cm. Die Kokarde wurde mit Hilfe eines sich an der Ganse befindlichen Knopfes befestigt. Dieser Knopf konnte durch eine Prägung auf der Ganse angedeutet sein, oder aber als eigentlicher, separater Knopf ausgeführt sein. Das Reglement beschrieb zwar Farbe und Masse der Ganse, aber nicht deren Aussehen. So kamen glänzende, matte, glatte oder geschuppte Exemplare zur Verwendung.
Die Nummer der Einheit oder des Bataillons war direkt oberhalb des Augenschirms angebracht. Neben Pompon, Kokarde und Nummer befand sich auf jedem Tschako noch ein spezifisches Waffengattungsabzeichen. Die Metallfarbe von Ganse, Waffengattungsabzeichen und Nummer entsprach stets der Farbe der Knöpfe auf der Uniform.
Der Tschako der Offiziere entsprach demjenigen der Mannschaft. Er war jedoch von feinerer Qualität und mit Glanzleder ausgestattet. Die metallenen Garnituren auf den Offizierstschakos waren versilbert oder vergoldet. Am Tschako wurden keine Gradabzeichen getragen.
Dem Tschako der Ordonnanz 1852 folgte anfangs der 1860er Jahre das etwas weniger hohe Tschakomodell der Ordonnanz 1861.
Infanterie
Die Waffengattung der Infanterie setzte sich aus Füsilieren und Jägern zusammen und war in Bataillonen organisiert. Jedes Infanteriebataillon bestand aus sechs Kompanien. Einer 1. Jägerkompanie, auch Jäger rechts genannt, einer 2. Jägerkompanie, Jäger links genannt, und vier Füsilierkompanien. Die Füsilierkompanien wurden auch als Zentrumskompanien bezeichnet. Es gab auch einige Halbbataillone und wenige Einzelkompanien. Die Halbbataillone bestanden jeweils aus einer Jägerkompanie und zwei Füsilierkompanien.
Die Tschakos dieser Kompanien unterschieden sich einzig durch ihre verschiedenfarbigen Pompons. Der Stab trug eine weisse Kugel mit weisser Flamme. Die 1. und 2. Jägerkp trugen beide eine grüne Kugel mit roter Flamme. Um sie zu unterscheiden, war die Flamme der 2. Jägerkp mit einer gelben Schlaufe versehen. Die 1. Füsilierkp trug eine weisse Kugel mit roter Flamme, die 2. Füsilierkp eine schwarze Kugel mit roter Flamme, die 3. Füsilierkp eine gelbe Kugel mit roter Flamme und die 4. Füsilierkp eine hellblaue Kugel mit roter Flamme.
Als Besonderheit trugen die beiden Stabsoffiziere des Bataillons, also der Kommandant und sein Stellvertreter, der Major, eine silberne Borde am oberen Rand des Tschakos. Das gab es nur bei der Infanterie. Denn nur diese war in Bataillonen organisiert. «Kommandant» war damals bei der Infanterie nicht nur eine Funktion, sondern auch ein eigene Gradbezeichnung. Sie entsprach derjenigen eines Oberstleutnants.
Als Waffengattungsabzeichen trug die Infanterie bloss einen senkrechten, unten abgerundeten Blechstreifen, die sogenannte Ganse. Diese war oben am Hut angebracht und diente gleichzeitig als Halterung für die Kokarde. Die Ganse war 7,5 cm lang und 2,7 cm breit. Sie bestand aus weissem Metall, konnte also verzinkt, verchromt oder vernickelt sein. Die Nummer des Bataillons bestand aus einem weissen Schild in Form einer halben Sonne.

Auszug: Bat Nr. 1-84, Einzelkp Nr. 1-7 / Reserve: Bat Nr. 85-125, Einzelkp Nr. 8-22. H bedeutet Halbbat, E heisst Einzelkp.
ZH: 3, 5, 9, 11, 29, 34, 48, 64, 85, 86, 87, 88. / BE: 1, 16, 18, 19, 30, 36, 37, 43, 54, 55, 58, 59, 60, 62, 67, 69, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96. / LU: 13, 24, 33, 57, 66, 97, 98. / UR: 75(H), 8(E), 9(E). / SZ: 32, 76(H), 116(H), 10(E), 11(E). / OW: 74(3 Kp), 12(E). / NW: 74(2 Kp), 13(E). / GL: 73, 117(H). / ZG: 77(H), 14(E), 15(E). / FR: 39, 56, 61, 78(H), 99, 118(H). / SO: 44, 72, 79(H), 100. / BS: 80(H), 1(E), 16(E), 17(E). / BL: 27, 81(H), 119(H), 18(E). / SH: 71, 120(H), 2(E), 3(E), 19(E). / AR: 47, 121(H), 4(E), 5(E). / AI: 82(H), 20(E), 21(E). / SG: 21, 28, 31, 52, 63, 68, 101, 102, 103. / GR: 22, 51, 65, 104, 122(H). / AG: 4, 15, 17, 38, 41, 42, 83(H), 105, 106, 107. / TG: 7, 14, 49, 108, 123(H). / TI: 2, 8, 12, 25, 109, 110. / VD: 10, 26, 45, 46, 50, 70, 111, 112, 113. / VS: 35, 40, 53, 114, 124(H). / NE: 6, 23, 115, 6(E). / GE: 20, 84(H), 125(H), 7(E), 22(E).



Dass es sich hierbei um einen Offizierstschako handelt, ist am feineren Filz und den versilberten Garnituren zu erkennen. Bei den zwei roten Schlaufen am Pompon handelt es sich um eine Extravaganz.
Scharfschützen
Die Scharfschützen waren in Einzelkompanien organisiert. Alle Scharfschützen trugen einen grünen Pompon mit grüner Flamme. Als Abzeichen trugen sie eine Ganse aus gelbem Metall. Diese war 6,9 cm lang, 2,7 cm breit. Das Waffengattungsabzeichen bestand aus zwei gelben, gekreuzten Gewehren, sogenannten Stutzern. Die Nummer der Kompanie war mit einzelnen, gelben Ziffern oberhalb des Augenschirms angebracht. Die Grösse dieser Ziffern war nicht definiert, betrug aber etwa 3 cm.

Auszug: Kp Nr. 1-45 / Reserve: Kp Nr. 46-71.
ZH: 2, 21, 23, 35, 46, 47. / BE: 1, 4, 9, 27, 29, 33, 48, 49, 50. / LU: 34, 39, 43, 65, 66. / UR: 6, 67. / SZ: 22, 42, 51. / OW: 24, 68. / NW: 11, 69. / GL: 12, 41, 52. / ZG: 28, 70. / FR: 13, 25, 53. / BL: 19, 71. / AR: 18, 20, 54. / SG: 31, 37, 55. / GR: 16, 36, 56. / AG: 15, 38, 40, 57, 58. / TG: 5, 26, 59. / TI: 44, 45, 60. / VD: 3, 8, 10, 30, 61, 62. / VS: 7, 32, 63. / NE: 14, 17, 64.

Das es sich dabei um einen Offizierstschako handelt, ist bloss an der feineren Qualität des Filzes und den (ehemals) vergoldeten Abzeichen erkennbar. Eigentlich müsste auf dem Tschako auch eine Kompanienummer angebracht sein.
Artillerie
Die Artillerie war in Einzelbatterien und- kompanien organisiert. Alle Artilleristen trugen einen roten Pompon mit roter Flamme. Eine Ausnahme bildeten einzig die Trompeter der Artillerie. Diese trugen statt des Pompons einen hängenden Busch von roten Pferdehaaren. Die Ganse der Artilleristen bestand aus gelbem Metall. Sie war 6,9 cm lang, 2,7 cm breit und mit einer kleinen Granate geschmückt. Das Waffengattungsabzeichen aller Artilleristen bestand aus zwei gelben, gekreuzten Kanonenrohren. Die Nummer der Kompanie war mit einzelnen, gelben Ziffern oberhalb des Augenschirms angebracht. Die Grösse dieser Ziffern war nicht definiert, betrug aber etwa 3 cm.

Das es sich um einen Offizierstschako handelt, ist bloss an der feineren Qualität des Filzes und den vergoldeten Abzeichen erkennbar.
Feldbatterien: Auszug: Bttr Nr. 1-25 / Reserve: Bttr Nr. 41-53:
ZH: 1, 4, 10, 41, 43. / BE: 2, 5, 6, 11, 44, 46. / LU: 12, 42. / FR: 13. / SO: 14, 47. / BL: 7. / BS: 15. / AR: 16. / SG: 8, 17, 48. / AG: 3, 18, 19, 49. / TG: 20. / TI: 21. / VD: 9, 22, 23, 50, 51. / NE: 24, 52. / GE: 25, 53.
Nachfolgend sind die Nummern der weiteren Einheiten der Artillerie und ihre kantonale Zugehörigkeit aufgelistet.
Gebirgsbatterien: Auszug: Bttr Nr. 26, 27 / Reserve: Bttr Nr. 54, 55:
GR: 26, 54. / VS: 27, 55.
Raketenbatterien: Auszug: Bttr Nr. 28-31 / Reserve: Bttr Nr. 56-59:
ZH: 28, 56. / BE: 29, 57. / AG: 30, 58. / GE: 31, 59.
Positionskompanien: Auszug: Kp Nr. 32-34 / Reserve: Kp Nr. 60-69:
ZH: 32, 60. / BE: 33, 61. / FR: 62. / BS: 63. / BL: 64. / AR: 65. / AG: 66. / TG: 67. / TI: 68. / VD: 34, 69.
Parkkompanien: Auszug: Kp Nr. 35-40 / Reserve: Kp Nr. 70-75:
ZH: 35, 70. / BE: 36, 71. / LU: 37, 72. / SG: 38, 73. / AG: 39, 74. / VD: 40, 75.
Genie
Die Genietruppen waren in Einzelkompanien organisiert und teilten sich in Sappeure und Pontoniere. Alle Angehörigen des Genie trugen einen roten Pompon mit schwarzer Flamme. Die Ganse war aus gelbem Metall und 4,8 cm lang und 2,4 cm breit. Bei den Genietruppen wurden zwei verschiedene Waffengattungsabzeichen verwendet. Bei den Sappeuren bestand es aus einem Kürass mit darüber stehendem Helm. Bei den Pontonieren aus einem aufrecht stehenden Anker, mit «Schiffsgerät» und einem Tau.
Das genaue Aussehen dieser Abzeichen war nicht definiert. Zumeist wurden daher Abzeichen verwendet, wie sie bereits bei der französischen Armee in Gebrauch waren. Die Nummer der Kompanie war mit einzelnen, gelben Ziffern oberhalb des Augenschirms angebracht. Die Grösse dieser Ziffern war nicht definiert, betrug aber etwa 3 cm.

Offizierstschakos weisen zuweilen erhebliche Abweichungen von den reglementarischen Bestimmungen auf. Denn eigentlich sollte das Sappeurabzeichen vergoldet sein und der Hut eine Kompanienummer tragen. Das schwarze Filzband am oberen Rand des Tschakos entsprach nicht der Ordonnanz, findet sich aber relativ häufig an Offizierstschakos dieser Zeit.
Sappeurkompanien: Auszug: Kp Nr. 1-6 / Reserve: Kp Nr. 7-12:
ZH: 2, 7. / BE: 4, 5, 8, 9. / AG: 3, 10. / TI: 6, 11. / VD: 1, 12.

Gemäss Reglement müsste auch die Kompanienummer auf dem Tschako angebracht sein (Foto K. C.)
Pontonierkompanien: Auszug: Kp Nr. 1-3/ Reserve: Kp Nr. 4-6:
ZH: 1, 4. / BE: 3, 5. / AG: 2, 6.
Instruktoren
Die Instruktoren trugen einen Tschako, sofern sie nicht beim eidgenössischen Stab eingeteilt waren und einen Zweispitz besassen. Ihr Pompon war scharlachrot mit weisser Flamme. Die Ganse bestand aus gelbem Metall, die Kokarde aus Blech, in den eidgenössischen Farben, also aussen rot, innen weiss, bemalt. Als Abzeichen trugen sie einen Schild von gelbem Metall. Auf diesem war ein weisses, umstrahltes, eidgenössisches Kreuz appliziert. Auf dem Tschako wurde keine Nummer getragen.
Quellen und Literatur
- Reglement über die Bekleidung und Bewaffnung der eidg. Instruktoren, vom 28. November 1851.
- Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres, vom 27.08.1852.
- Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
- Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 12, Bern 1923.
- Burlet, Jürg: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen, 1852-1992, Egg 1992.
- Ackermann, René: Uniformen der Schweizer Armee 1852–1874, Eine Sammlung historischer Fotografien und Vorschriften, Horw 2023.
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