Seinen tapferen Söhnen

1844/45: Die Medaillen auf die beiden Freischarenzüge

Der Streit zwischen konservativen und liberalen Kreisen in der Schweiz wurde gegen Mitte des 19. Jahrhunderts immer hitziger. 1844 übertrug die konservative Regierung in Luzern den Jesuiten die Jugendausbildung. Das erregte Unmut in den liberalen Kreisen des Kantons und der Schweiz. Am 8. Dezember 1844 marschierten etwa 1000 liberale Freischärler gegen Luzern. Zusammen mit den dortigen Radikalen wollten sie die konservative Regierung stürzen. Auf dem Mühleplatz und auf dem Emmenfeld kam es zu kurzen Gefechten. Schliesslich besiegten die Luzerner Regierungstruppen die schlecht organisierten und unzureichend bewaffneten Umstürzler.

«Der erste Angriff der Luzerner-Freischaaren auf dem Mühleplatz in Luzern, gegen die Regierungstruppen den 8. Dec. 1844, Morgens 5 Uhr» (Lithographie, Privatsammlung).

Luzerner Verdienstmedaille von 1844

Luzerner Verdienstmedaille von 1844. Silber, Ø 38 mm (Privatsammlung).

Als Anerkennung für die im Gefecht am Mühleplatz gestandenen, bzw. auf dem Emmenfeld verwundeten Angehörigen der Luzerner Regierungstruppen liess die Luzerner Obrigkeit Medaillen schlagen. Den Auftrag zur Schaffung dieser Medaille erhielt der in Florenz tätige Luzerner Medailleur Johann Baptist Frener. Basierend auf einem Entwurf des Luzerner Malers Johann Schwegler schuf er die Prägestöcke. Derjenige für die Vorderseite zeigte das Bild Mariens als Immaculata. Denn der Überfall hatte am 8. Dezember, dem katholischen Festtag der Unbefleckten Empfängnis stattgefunden. Die Prägung der Medaillen erfolgte bei Bovy in Genf. Auf den Rand der Medaillen wurde noch der Name des Empfängers eingraviert. Am Jahrestag des 1. Freischarenzuges, am 8. Dezember 1845, wurden die Medaillen den Berechtigten auf dem Mühleplatz feierlich überreicht.

Die drei Chefs der an den Gefechten beteiligten Luzerner Regierungstruppen. Oberst Conrad Göldlin, Major Xaver Schmid und Leutnant Bernhard Jenni erhielten je eine vergoldete Medaille. Die 30 Mann der am Mühleplatz eingesetzten Patrouille Leutnant Jennis, sowie 35 beim Gefecht auf dem Emmenfeld gefallene und verwundete Milizen erhielten je eine silberne Medaille.

«Der Anfall der Freischaaren gegen die Regierungstruppen auf dem Emmenfeld am 8. December 1844, Morgens 10 Uhr» (Lithographie, Privatsammlung).

Luzerner Verdienstmedaille von 1845

Luzerner Verdienstmedaille von 1845. Silber, Ø 38 mm (Privatsammlung).

Bereits im Frühjahr 1845 zogen die radikalen Freischärler wiederum gegen Luzern. Diesmal war die Truppe etwa 3500 Mann stark. Den Kern bildeten Luzerner Radikale. Grössere Kontingente kamen aus den Kantonen Bern, Solothurn, Baselland und Aargau. Am 31. März und 1. April kam es zu mehreren Scharmützeln. Dabei wurden die Freischärler durch die Luzerner Regierungstruppen vernichtend geschlagen. Luzern wurde dabei von Truppen aus den verbündeten Innerschweizer Kantonen Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug unterstützt.

Die Luzerner Regierung beehrte die Verwundeten sowie die Erben der Gefallenen oder an ihren Wunden verstorbenen Soldaten mit einer Medaille. Diese wurde zusammen mit einer Urkunde abgegeben. Die Verteilung der Medaillen fand am Jahrestag des 2. Freischarenzuges, am 1. April 1846 statt. Für die Vorderseite der Medaille wurde ein neuer Stempel hergestellt. Für die Rückseite wurde wieder der Stempel der Medaille von 1844 verwendet. Auch diesmal wurde der Name des Empfängers auf dem Rand der Medaille eingraviert.

26 verwundete Soldaten, sowie die Erben von 11 gefallenen und 1 vermissten Wehrmann erhielten silberne Medaillen. Luzern zählte 9 Tote, 19 Verwundete und 1 Vermissten, Uri 1 Toten und 1 Verwundeten, Obwalden 2 Verwundete, Nidwalden 2 Verwundete und Zug 1 Toten und 2 Verwundete.

Ausserdem erhielten vier Luzerner Offiziere noch je eine goldene Medaille. Es waren dies Hauptmann Ludwig Pfyffer von Heidegg in sizilianischen, Hauptmann Xaver Leopold Meyer von Schauensee in römischen, sowie Leutnant Theoring von Sonnenberg und Leutnant Alfred von Sonnenberg in neapolitanischen Diensten. Die beiden letztgenannten waren Söhne des Oberkommandanten der Luzerner Truppen, General Ludwig von Sonnenberg. Die vier Offiziere standen eigentlich in ausländischen Diensten, kehrten aber nach Luzern zurück und hatten «…während längerer Zeit ohne irgend eine Entschädigung oder einigen Sold zu beziehen, freiwillig so wesentliche Dienste dem Generalstab geleistet».

«Der Angriff von den Regierungstruppen auf der Sentematt, gegen die Freischaaren, am 1. April 1845, Morgens 5 Uhr» (Lithographie, Privatsammlung).

Urner Verdienstmedaille

Urner Verdienstmedaille. Silber, Ø 30 mm (Privatsammlung).

Der Kanton Uri unterstützte die verbündete Luzerner Regierung in deren Kampf gegen die Freischaren. Ein vier Kompanien starkes Kontingent wurde nach Luzern entsandt. Nach der Rückkehr der Truppen, beabsichtigte die Urner Regierung ihre Wehrmänner gebührend zu ehren. Am 15. Mai 1845 beschloss der Landrat den Teilnehmern des Feldzugs eine Ehrenmedaille zu überreichen. Die Medaillen wurden in der Münchner Münzstätte geprägt.

Am 12. Oktober 1845 wurden die Medaillen den beteiligten Wehrmännern ausgehändigt. Dazu zogen die Truppen in voller Montur vor das Rathaus in Altdorf. Es wurde ein Karree gebildet und nach einer Ansprache überreichte Landeshauptmann Schmid den 20 Offizieren vergoldete Medaillen. Einzig der Kommandant des Kontingents, Major Jauch, erhielt eine Medaille aus massivem Gold. Die Soldaten und Unteroffiziere empfingen ihre silbernen Medaillen aus den Händen der Hauptleute. An die Scharfschützenkompanie Josef Anton Gisler gingen 88, an die Jägerkompanie Peter Josef Zwyssig 83, an die Infanteriekompanie Josef Maria Huser 81, an die Infanteriekompanie Josef Lusser 78 und an den Stab 8 silberne Medaillen.

Obwaldner Verdienstmedaille

Obwaldner Verdienstmedaille. Silber, Ø 33 mm (Privatsammlung).

Auch der Kanton Obwalden unterstützte die Luzerner Regierung mir drei Kompanien. Nach der Rückkehr der Milizen beschloss die Obwaldner Regierung, jedem Teilnehmer am Feldzug eine Ehrenmedaille zu überreichen. Die Medaillen sollten, die Prägekosten mitgerechnet, einen Wert von 13 bis 20 Batzen haben. Für die Soldaten und Unteroffiziere waren silberne und für die Offiziere vergoldete Medaillen vorgesehen. Die Belohnung der Offiziere mit bloss vergoldeten Medaillen erachtete man allerdings als zu gering. Deshalb sollte jedem Offizier noch ein goldener Bruder Klausen-Dukat überreicht werden. Der Kommandant des Kontingents erhielt zwei solche Dukaten.

Landamman Spichtig wurde ersucht die Prägung zu besorgen. Spichtig beauftragte den Wädenswiler Graveur Johann Jakob Brupbacher die Prägestöcke für die Medaillen herzustellen. Am 5. Juli 1845 waren diese bereit. Doch am 31. Juli musste die Obwaldner Regierung zur Kenntnis nehmen, dass keine Münzstätte in der Schweiz in der Lage war die Prägungen vorzunehmen. Nun suchte man Hilfe bei der Münchner Münzstätte. Doch auch dort zeigte man sich ausserstande die Medaillen zu prägen. So wurde beschlossen, etwas besser zur Prägung geeignete Stöcke anfertigen zu lassen.

Ob diesem Ansinnen wirklich Folge geleistet wurde ist nicht bekannt. Auch ist nicht geklärt, wo die Medaillen dann tatsächlich geprägt worden sind. Ebenso wenig weiss man, ob die schlussendlich geprägten Medaillen mit dem ersten oder möglicherweise doch mit einem zweiten Prägestock hergestellt worden sind. Auf jeden Fall war es ein Entwurf Brupbachers der zur Ausführung gelangt ist. Denn die Medaillen sind entsprechend signiert. Am 22. November 1845 wurden die fertigen Medaillen der Obwaldner Regierung präsentiert.

Auf den 29. November 1845 bot man die am Feldzug beteiligten Obwaldner Truppen ins Rathaus nach Sarnen auf. Dort wurden ihnen die Medaillen dann feierlich überreicht. 5 Offiziere des Stabes, 4 Offiziere der Scharfschützenkompanie, 4 Offiziere der Infanteriekompanie Nr. 1 und 4 Offiziere der Infanteriekompanie Nr. 2 erhielten je eine vergoldete Medaille sowie einen Bruder Klausen-Dukat. Unteroffiziere und Mannschaften erhielten silberne Medaillen. 97 Stück gingen an die Scharfschützenkompanie, 122 an die Infanteriekompanie Nr. 1, 130 an die Infanteriekompanie Nr. 2 und 9 oder 10 an den Stab.

«Das Treffen in dem Gütschwald ob Luzern, zwischen den Regierungstruppen, den Mitverbündeten von Ob- und Unterwalden, und den Freischaaren, den 1. April 1845, Morgens nach 5 Uhr» (Lithographie, Privatsammlung).

Nidwaldner Verdienstmedaille

Nidwaldner Verdienstmedaille. Silber, Ø 44 mm (Privatsammlung).

Der Kanton Nidwalden sandte ebenfalls drei Kompanien nach Luzern. Nach der Rückkehr der siegreichen Truppen wollte auch die Nidwaldner Regierung ihre Dankbarkeit bezeugen. Allerdings verzichtete sie darauf, dem Vorbild Uris und Obwaldens zu folgen und alle am Feldzug beteiligten Militärs mit einer Medaille auszuzeichnen. Einzig die Offiziere erhielten eine solche.

Der Landrat von Nidwalden beschloss an seiner Sitzung vom 7. Juli 1845: «1. Jedem Herrn Offizier des Contingents sollen Regierungswegen als Zeichen der Erkenntlichkeit für treue Pflichterfüllung eine silberne Medaille zukommen nebst einem schriftlichen Zeugnisse, das den Dank der Regierung und des Vaterlandes ausspricht, für die rühmliche Haltung in den Tagen des Kampfes am 31. März und 1. April und für die auch später beobachtete Disciplin und bewiesenen Diensteifer. Landschreiber Odermatt soll die nöthige Zahl dieser Medaillen auf dem der Regierung zugehörigen Stempel ausprägen lassen. […] 7. So wie den Herrn Offiziers sollen auch dem Tit. Herrn Landammann und Pannerherr Achermann und Landstatthalter und Lands-Hauptmann Zelger hinsichtlich ihrer mit dem Militair gehabten sehr vielen Mühe ebenfalls jedem eine silberne Medaille zukommen.»

Die Standeskanzlei Nidwalden gelangte sodann brieflich an Markus Ludwig Bovy, «Mechaniker in Genf», und bat ihn zunächst um einen Kostenvoranschlag für 8 bis 10 silberne Medaillen. Die Verhandlungen verliefen zur Zufriedenheit der Nidwaldner Regierung, und so sandte man M. L. Bovy am 14. Juli 1845 per Post den Stempel zur Prägung nach Genf und erteilte den Auftrag für 10 silberne Medaillen und 2 bronzene: «Wir … ersuchen Sie nach der Grösse jener Medaille, die wir ebenfalls in das Kästchen gelegt haben, 10 silberne Medaillen schlagen zu wollen. Im Jahre 1826 hat Herr Münzmeister Fueter in Bern für unsere Regierung auf gleichem Stempel 12 silberne Medaillen geschlagen im Preise: 21 Unzen Silber à Bz. 42 Schw. Fr. = Fr. 88 Bz. 2, Schlaglohn à 5 Bz. = Fr. 6. […] Wenn der Stempel es gestattet, so ersuchen wir Sie, als ein Muster auch 2 Medaillen von gemeinem Metalle (Bronze) schlagen zu wollen.»

Am 6. August 1845 dankt die Nidwaldner Standeskanzlei Herrn Bovy in Genf für das Zurücksenden des Stempels und für die Herstellung der 10 silbernen und der 2 bronzenen Medaillen. In der Staatsrechnung 1845/46 erscheint der Eintrag, dass man an Herrn Bovy in Genf für 10 silberne und 2 bronzene Medaillen sowie 15 Stück Etuis insgesamt 94 Gulden und 14 Schilling bezahlt habe.

Nidwalden entsandte eine Scharfschützen- und zwei Infanteriekompanien nach Luzern. Jede Kompanie verfügte in der Regel über einen Hauptmann, einen Oberleutnant, einen 1. Unterleutnant und einen 2. Unterleutnant, also vier Offiziere. Alle diese Offiziere erhielten je eine silberne Medaille.

Auch später noch zeichnete die Nidwaldner Regierung verdiente Personen mit solchen Medaillen aus. Im Jahr 1898 beispielsweise, wurde Oberst Rudolf Bindschedler, anlässlich seines Rücktritts als Kreisinstruktor, ein Exemplar überreicht.

Gedenkmedaille auf die 25-Jahr-Feier

Gedenkmedaille auf die 25-Jahr-Feier. Messing, versilbert, Ø 25 mm (Privatsammlung).

25 Jahre nach den Ereignissen kamen am 3. April 1870 über eintausend ehemalige Freischärler in Langenthal zusammen. Dort gedachten sie mit einem Fest den Freischarenzügen von 1844 und 1845. Nachdem die Sonderzüge mit den einstigen Freischärlern um 9 Uhr in Langenthal angekommen waren, fand vor dem Bahnhofsrestaurant eine erste Ansprache statt. Danach formierte sich der Festzug. Voran marschierten das Langenthaler Kadettenkorps, die Feldmusik und der Männerchor. Danach kam die von Freischarenfahnen flankierte eidgenössische Fahne. Fünf Söhne gefallener Freischärler folgten mit Trauerflor am Arm. Nach dem Festkomitee und den Gemeindebehörden schlossen sich abteilungsweise die alten Freischärler an. Mehrere Tausend Zuschauer folgten dem von Kanonendonner begleiteten Festzug.

Auf dem grossen Platz vor dem Kaufhaus angelangt, fand eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Freischärler statt. In den darauf folgenden Reden wurden die Ereignisse der Jahre 1844/45 noch einmal in Erinnerung gerufen. Eine eindrückliche Rede gegen das Jesuitentum und den Papst beendete diesen Teil des Festes. Danach begab man sich in die geschmückte Festhütte, wo um 12.30 Uhr das Festbankett mit 1500 Personen begann. Nach den obligaten Trinksprüchen endete der offizielle Teil des Festes. Die Veteranen begaben sich sodann in die umliegenden Gasthäuser oder promenierten durch das Städtchen. Abends fuhr man mit den Zügen wieder heimwärts. Zum Fest wurde eine Erinnerungsmedaille herausgegeben.

Quellen und Literatur

Der Artikel basiert auf einem vom Autor dieses Beitrags herausgegebenen Katalog schweizerischer Militärmedaillen. Darin finden sich auch die detaillierten Quellenangaben.
Ackermann, René: Seinen tapferen Soehnen das dankbare Vaterland, Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Horw 2024.

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