Nicht der Kanzler

1910: Die Hüte des Herrn Friedrich Merz

Ein Tschako, eine Feldmütze und zwei Zylinder. Diese Kopfbedeckungen wurden einst von Friedrich Merz getragen. Allerdings handelte es sich beim Besitzer dieser Hüte nicht etwa um den deutschen Bundeskanzler gleichen Namens.

Die vier im Artikel vorgestellten Kopfbedeckungen von Friedrich Merz (Privatsammlung).

Denn derjenige Herr Merz, der diese Kopfbedeckungen einst getragen hat, war ganz offensichtlich ein Schweizer Offizier. Geboren 1858, gestorben 1919, von Luzern, war aber auch unser Friedrich Merz eine illustre Persönlichkeit. Als eidgenössischer Forstinspektor, Major der Verwaltungstruppen und vor allem als diejenige Person, die die Wiederaufforstung der damals kahlgeschlagenen Tessiner Berghänge in die Wege leitete, ging er in die Geschichte ein.

Das Leben des Friedrich Merz

Um etwas über die Person Friedrich Merz zu erfahren, wirft man am besten einen Blick in die, anlässlich seines Todes erschienenen Nachrufe. Einer dieser Nekrologe ist hier exemplarisch wiedergegeben:

«In Forstinspektor Friedrich Merz, der am 17. Dez. 1919 im Alter von 61 Jahren einem Herzleiden erlag, verlor das Forstwesen einen Mann von seltener Schaffenskraft, Einsicht und Pflichttreue, die Naturforschende Gesellschaft Bern ein arbeitsfreudiges, treues Mitglied.

In Luzern geboren, durchlief er die dortigen Schulen, bezog nachher die technische Hochschule in Zürich und erwarb sich im Jahr 1878 das Diplom der Forstabteilung. Bald nachher begann seine Tätigkeit als Kreisförster des Entlebuchs. Schon die beiden aus dieser Zeit stammenden Arbeiten über die forstlichen und alpwirtschaftlichen Verhältnisse des Entlebuchs sind charakteristisch für sein ganzes späteres Wirken, nämlich die Forstwirtschaft und die Landwirtschaft nicht als Gegensätze zu behandeln. Aus diesem Grunde übernahm er denn auch die Redaktion der Schweiz. Milchzeitung von 1834-1891.

Mit seiner Übersiedlung nach Faido im Jahr 1885 begann sein Lebenswerk als Pionier zur Hebung des vernachlässigten Forst- und Alpwesens des Tessins, zuerst als Kreisförster und von 1889 an als Kantonsförster. Als solcher entwickelte er eine ausserordentlich fruchtbare Tätigkeit: Er schuf mustergültige Lawinenverbauungen und Aufforstungen im Gebirge, regelte die Waldnutzung und suchte nach Kräften die Nebennutzungen durch Weidgang auf den richtigen Boden zu stellen.

Als Sekretär des Landwirtschaftsdepartements erzielte er auch in der Förderung der tessinischen Alp- und Milchwirtschaft grosse Fortschritte. Sein freundlich wohlwollendes und leutseliges Wesen ebnete ihm vielfach die Wege für seine erfolgreiche Wirksamkeit.

Im Jahr 1909 wurde er als eidg. Forstinspektor für die Kantone Graubünden, Uri und Tessin nach Bern gewählt. Auch in seiner neuen Stellung hat Friedrich Merz keine Anstrengung gescheut, und die beschwerlichen Inspektionsreisen im Gebirge mögen wohl zu seinem allzu frühen Ende mit beigetragen haben» (Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern, 1920).

Friedrich Merz, 1858-1919 (Fotografie aus: Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 1920).

Die militärische Karriere des Friedrich Merz

Mit Jahrgang 1858 hat Friedrich Merz wohl im Jahr 1878 oder 1879, nach Beendigung seines Studiums an der Forstschule, die Rekrutenschule besucht. Am Ende der Rekrutenschule erhielt er den Vorschlag zur Offiziersausbildung. Nachdem er die Offiziersbildungsschule der Verwaltungstruppen als Gefreiter absolviert hatte, wurde er am 20. April 1880 zum Leutnant befördert. Zu diesem Zeitpunkt war er in Schüpfheim, im luzernischen Entlebuch, wohnhaft.

Als Leutnant war er in der Verwaltungskompanie 4 eingeteilt. Am 23. Januar 1883 wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 20. August 1886 wurde Merz, inzwischen im Tessin, in Faido wohnhaft, zum Hauptmann ernannt. 1889 wurde als sein Wohnort Bellinzona angegeben. Während all dieser Jahre leistete er stets in der Verwaltungskompanie 4 Dienst. Erst 1892 verliess er diese Einheit und wurde zur Disposition gestellt. 1893 fand man ihn im Etappendienst eingeteilt.

Am 30. Januar 1895 wurde er zum Major befördert. Ab 1896 war er dem Etappenkommando Göschenen als Verwaltungsoffizier zugeteilt, ab 1909 als Quartiermeister. Mit Ende des Jahres 1910, wurde Merz, im Alter von 52 Jahren und mit Wohnort Bern, aus der Wehrpflicht entlassen.

Die Hüte des Friedrich Merz

Bei den erhaltenen Kopfbedeckungen von Friedrich Merz handelt es sich um zwei zivile Zylinder sowie um einen militärischen Tschako und eine Feldmütze. Die letzteren beiden Kopfbedeckungen wurden von Merz als Offizier, genauer gesagt, als Major der Verwaltungstruppen getragen.

Offizierstschako der Verwaltungstruppen, Ordonnanz 1888/98, von Major Friedrich Merz (Privatsammlung).

Der Tschako entspricht der Ordonanz 1888, bzw. 1898. Merz wurde 1895 zum Major befördert. Ob er sich diesen Tschako im Jahr seiner Beförderung zum Stabsoffizier zugelegt hat, oder ob es sich um ein später beschafftes Exemplar handelt, ist nicht bekannt. Stabsoffiziere trugen auf dem Tschako keine Einteilungsnummer und auch kein Waffengattungsabzeichen, sondern ein silbernes, eidgenössisches Kreuz. Als Verwaltungsoffizier trug Merz silberne Gradabzeichen, entsprechend der Farbe der Knöpfe seines Waffenrocks. Der grüne Pompon der Verwaltungstruppen und die seidene eidgenössische Kokarde komplettierten den Tschako.

Offiziersfeldmütze der Verwaltungstruppen, Ordonnanz 1898, von Major Friedrich Merz (Privatsammlung).

Bei der Feldmütze wissen wir, dass Merz sich diese erst nach 1898 zugelegt hat. Denn vor 1898 waren die Feldmützen der Stabsoffiziere, also der Offiziere vom Major aufwärts, mit einem Kopfrand aus schwarzem Samt versehen. Unsere Feldmütze besitzt keine solche untere Einfassung aus Samt, muss also nach 1898 gefertigt worden sein. Sie besteht aus dunkelblauem Tuch und besitzt hellgrüne Vorstösse. Die kleinen Knöpfe des Kinnriemens sind silbern und mit einem eidgenössischen Kreuz im Strahlenstern versehen.

Zwei zivile Zylinder, von Friedrich Merz bei offiziellen Anlässen getragen. Links der «Tessiner Hut», rechts der «Berner Hut» (Privatsammlung).

Bei den beiden zivilen Kopfbedeckungen handelt es sich um Zylinder, wie sie damals von Männern der «besseren Gesellschaft» getragen worden sind. Als Kantonsförster, bzw. eidgenössischer Forstinspektor war Merz Mitglied dieser sozialen Schicht. Der eine, niedrigere Zylinder, trägt den Stempel eines Hutgeschäfts in Bellinzona. Merz war von 1889 bis 1909 im Tessiner Kantonshauptort wohnhaft. Als Tessiner Kantonsförster fühlte er sich wohl verpflichtet, bei seinem Hutkauf einen lokalen Lieferanten zu berücksichtigen. Der zweite Zylinder trägt hingegen den Stempel eines Berner Hutgeschäfts. Er dürfte von Merz somit erst nach seinem 1909/10 erfolgten Umzug nach Bern erworben worden sein. Im Innern dieses Zylinders findet sich in Goldbuchstaben das Monogramm «FM» von Friedrich Merz.

An Friedrich Merz, eidg. Forstinspektor in Bern, adressierte Feldpost-Paketetikette (Privatsammlung).

Eine erhalten gebliebene Post-Paketetikette zeigt die Anschrift «Herrn / Fried. Merz / Eidgen. Forstinspektor / Bern / Hallwylstr 38». Rechts ist der Stempel des Feldpostbüros des Füsilierbataillons 45 ersichtlich. Auf der Rückseite steht «Absender: / R. Boner, Fourier, Bat. 45». Die Etikette fand sich im Innern des Tschakos. Es ist durchaus vorstellbar, dass Merz am Ende einer Dienstleistung beim Etappenkommando Göschenen, ein Paket mit einigen seiner Militäreffekten per Feldpost an seine Wohnadresse in Bern schicken liess. Merz zog erst 1909/10 vom Tessin nach Bern. Ende 1910 wurde er aus der Dienstpflicht entlassen. Die Paketetikette muss somit aus dieser Zeit stammen.

Welche militärischen Kopfbedeckungen trug Friedrich Merz sonst noch?

Als Rekrut trug Merz einen Mannschaftstschako der Ordonnanz 1875, ohne Einteilungsnummer, mit grünem Pompon und eidgenössischer Kokarde. Das Reglement schrieb eigentlich auch noch eine weisse Ganse vor. Doch diese Regelung wurde bei den Verwaltungstruppen, ähnlich wie bei den Sanitätstruppen, nicht umgesetzt.
Die Mannschaftsfeldmütze von Merz besass hellgrüne Vorstösse und eine ebensolche Quaste.

Mannschaftsfeldmütze der Verwaltungstruppen, Ordonnanz 1875. Eine solche Mütze trug Merz in der Rekrutenschule (Privatsammlung).

Als Offiziersschüler trug er die Offiziersfeldmütze der Verwaltungstruppen, jedoch noch ohne Gradabzeichen. Die Mütze bestand aus dunkelblauem Tuch und hatte hellgrüne Vorstösse. Die Knöpfe des Kinnriemens waren silbern und blank.

Als Subalternoffizier und später Hauptmann trug Merz dann weiterhin diese Feldmütze. Nun war sie aber mit den silbernen Abzeichen seines Grades, also zuerst dem einen, schmalen Galon eines Leutnants, dann den zwei Galons eines Oberleutnants und später den drei Galons eines Hauptmanns versehen.

Als Tschako trug er einen Offizierstschako der Ordonnanz 1875. Dieser war mit einem hellgrünen Pompon, einer blechernen, eidgenössischen Kokarde, dem silbernen Gradabzeichen und der silbernen Einheitsnummer «4» geschmückt.

Als Major trug er dann den Tschako und diejenige Feldmütze die oben vorgestellt worden sind.

Offizierstschako der Verwaltungstruppen, Ordonnanz 1875. Dieser Tschako gehörte zwar einem Leutnant der Verwaltungskompanie 4, stammt aber nicht aus dem Besitz von Friedrich Merz (Privatsammlung).
Hauptmann der Verwaltungstruppen, um 1894. So uniformiert tat auch Friedrich Merz zu dieser Zeit Dienst (Abbildung aus: Die schweizerische Armee 1894, Verlag Ch. Eggimann & Cie., Genf 1894).

Schlusswort

Wie in diesem Artikel aufgezeigt, lassen sich mit ein bisschen Fleiss und Ausdauer oft viele Informationen zu einem, auf den ersten Blick wenig spektakulären Objekt in Erfahrung bringen. Sobald man sich dieser Fakten bewusst ist, schaut man den betreffenden Gegenstand sofort mit anderen Augen an. Er steigt in der persönlichen Wertschätzung und kann zu einem besonderen Stück in einer Sammlung werden.

Quellen und Literatur

  • Bekleidungsreglement für die schweizerische Armee, vom 24. Mai 1875.
  • Tenue der Truppen im Instruktionsdienst, vom 4. Juni 1877.
  • Schweizerisches Militärverordnungsblatt, 1878-1907.
  • Etat der Offiziere der Stäbe und der eidg. Truppenkörper, 1878-1892.
  • Etat der Offiziere des schweiz. Bundesheeres, 1893-1912.
  • Die schweizerische Armee 1894, Verlag Ch. Eggimann & Cie., Genf 1894.
  • Reglement über die Bekleidung und Ausrüstung der schweizerischen Armee, vom 11. Januar 1898.
  • Schweizerisches Militäramtsblatt, 1908-1911.
  • Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern, 1920, S. 174-175.
  • Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, Band 71, 1920, S. 55-59.

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