1914-1918: Mitrailleure
René Ackermann, veröffentlicht am 03.04.2026
Schon kurz nach seiner Erfindung wurde das Maschinengewehr die beherrschende Waffe des Gefechtsfelds. 1894 führte die Schweizer Armee diese neue Waffe ein. Die zur Bedienung des Maschinengewehrs benötigten Soldaten wurden Mitrailleure genannt. Während der Grenzbesetzung von 1914 bis 1918 verfügte die Schweizer Armee über drei Arten von Mitrailleuren, die Infanteriemitrailleure, die Kavalleriemitrailleure und die Festungsmitrailleure. Nachfolgend werden diese Truppen im Bild vorgestellt.
Infanteriemitrailleure
Bei den Infanteriemitrailleuren unterschied man zwischen «Divisionsmitrailleuren» und Regimentsmitrailleuren. Erstere waren der Division direkt unterstellt, letztere «gehörten» den einzelnen Infanterieregimentern.

Die Ansichtskarte trägt den Poststempel «11.3.1914» und den gestempelten Text «Inf. Mitr. Rekr. Schule 3, Chur». Alle Soldaten tragen die Arbeitsbluse Ord. 1898 und sind mit dem Stichbajonett ausgerüstet. Auf den Tschakos tragen sie die Nummern 3 und 5, weisse gekreuzte Gewehre, sowie grüne und grün-weisse Pompons.
«Divisionsmitrailleure»
Jede der sechs Armeedivisionen verfügte über eine direkt unterstellte «Infanterie-Mitrailleurabteilung», nachfolgend, der Verständlichkeit halber, «Divisionsmitrailleure» genannt. Diese trugen die Nummern 1 bis 6. Jede Abteilung bestand aus jeweils drei Kompanien. Entweder waren dies drei fahrende, oder zwei fahrende und eine Gebirgsmitrailleurkompanie. Die Kompanien bezeichnete man als fahrende Mitrailleurkompanien, weil Mannschaft, Maschinengewehre und Munition auf Wagen transportiert wurden.
Bei den Divisionen 1, 3, 5 und 6, die auch über Gebirgstruppen verfügten, war die jeweils dritte Kompanie der Mitrailleurabteilung als Gebirgsmitrailleurkompanie organisiert. Im August 1916 wurden aus diesen «Divisions-» Gebirgsmitrailleurkompanien dann ebenfalls fahrende Kompanien. Denn nun verfügten die Gebirgsregimenter über genügend «regimentseigene» Gebirgsmitrailleurkompanien. Da nun alle Divisionsmitrailleurkompanien fuhren, wurden die Abteilungen nicht mehr als «Infanterie-Mitrailleurabteilungen», sondern als «Fahrende Mitrailleurabteilungen» bezeichnet.
Alle diese Infanteriemitrailleur- und Gebirgsmitrailleureinheiten verfügten über Tragreffe, um Maschinengewehre und Munition durch die Mannschaft tragen zu können, sollten weder Wagen noch Pferde benützt werden können.

Der am Gewehr sitzende Leutnant sowie auch alle Soldaten tragen die dunkelblaue Arbeitsbluse Ord. 1898. Bis zum Wechsel auf die feldgraue Uniform trugen die Infanteriemitrailleure als «erste» Uniform den dunkelblauen Infanterie-Waffenrock Ord. 1898, mit rotem Kragen und Aufschlägen und zwei Reihen blanker, weisser Knöpfe. Als spezielles Mitrailleurabzeichen trugen sie, offiziell nur am Waffenrock, vorne auf den Ärmeln rote, geschweifte, mit drei weissen Knöpfen garnierte Patten.
Die Pomponfarben der «Divisionsmitrailleure» waren grün für die I. Kp, grün-weiss für die II. und orange für die III. Kp. Die abgebildeten Soldaten tragen Tschakos mit der Nummer 6, weissen gekreuzten Gewehren, einer eidgenössischen Kokarde und einem grünen Pompon. Bei diesen Soldaten handelt es sich um Angehörige der I. Kp der «Divisionsmitrailleurabteilung» der 6. Division. Einzig der Korporal im Vordergrund trägt auf dem Tschako die Nummer 74, eine Thurgauer Kokarde und einen grün-weissen Pompon. Bei ihm handelt es sich um einen Angehörigen der II. Kp des Thurgauer Füsilierbataillons 74. Möglicherweise nahm er als Offiziersschüler an diesem Schiessen teil.

Die Fotografie trägt die aufgedruckte Bezeichnung «Grenzbesetzung 1914». Alle Unteroffiziere tragen die dunkelblaue Arbeitsbluse der Ord. 1898. Die Bluse des rechts der Mitte stehenden Fouriers zieren die eigentlich nur für den Waffenrock vorgesehenen, mit drei Knöpfen geschmückten, geschweiften (façonnierten) Ärmelpatten. Der in der Mitte rechts sitzende Korporal trägt am Oberarm ein Büchsenmacherabzeichen. Alle Unteroffiziere tragen entweder einen Säbel oder ein Stichbajonett an ihrer Seite.
Bei den «Divisionsmitrailleuren» waren Offiziere, Feldweibel, Wachtmeister, Fahrerkorporale und Trompeter beritten. Diese Unteroffiziere trugen deshalb den langen Säbel der berittenen Truppen. Der Fourier, die übrigen Korporale und der Büchsenmacher-Unteroffizier waren unberitten. Der Fourier, er verfügte immerhin über ein Fahrrad, war mit dem Säbel der höheren Unteroffiziere der Fusstruppen Ord. 1883 ausgerüstet. Die übrigen unberittenen Unteroffiziere waren mit dem Stichbajonett bewaffnet.

Bei den fahrenden Mitrailleuren der Divisionen wurden Mannschaft, Maschinengewehre und Munition auf Wagen transportiert. Diese Wagen waren mit je vier Pferden bespannt. Sollte das Gelände so beschaffen sein, dass mit den Wagen kein Durchkommen mehr war, konnten die Maschinengewehre und ein Teil der Munition auf die Zugpferde gepackt werden. Zur Bedienung eines Maschinengewehrs bedurfte es 1 Korporal, 3 Schützen, 3 Überzählige bzw. Gehilfen, 1 Büchsenmacher, 2 Fahrer und 4 Zugpferde.

Bei den Gebirgsmitrailleuren wurden Maschinengewehre und Munition auf Saumtiere verladen. Die Mannschaft marschierte. Für den Transport der Reservemunition und des Gepäcks waren einige Fuhrwerke zugeteilt. Zur Bedienung eines Maschinengewehres bedurfte es bei den Gebirgsmitrailleuren 1 Korporal, 3 Schützen, 6 Überzählige bzw. Gehilfen, 1 Büchsenmacher, 3 Saumtierführer und 6 Saumtiere.
Regimentsmitrailleure
In den Divisionen gab es nicht nur «Divisionsmitrailleure», sondern auch Regimentsmitrailleure. Bis Mitte 1916 verfügte jedes der 36 («Feld-» und Gebirgs-) Infanterieregimenter über eine Regimentsmitrailleurkompanie, nummeriert von 1 bis 36. Ab August 1916 wurde die Anzahl der Mitrailleurkompanien pro Regiment auf drei erhöht. Einzig das Regiment 25, verfügte über vier Kompanien. Bei den Gebirgs-Infanterieregimentern waren die Mitrailleure als Gebirgsmitrailleurkompanien organisiert. Die Pomponfarbe der Regimentsmitrailleure war bei der I. Kp rot, der II. Kp rot-weiss, der III. Kp weiss-rot und der IV. weiss. 1918 war dann auch noch jedem Landwehr-Infanterieregiment eine Mitrailleurkompanie zugeteilt. Diese Landwehr-Mitrailleurkompanien trugen die Nummern 37 bis 50.
Die Infanterie-Regimentsmitrailleure marschierten wie die Füsiliere. Die Kompanieausrüstung wurde auf kleinen, einspännigen Wagen von Pferden gezogen. Die Maschinengewehre der einzelnen Mitrailleurgruppen wurden auf Wägelchen transportiert, die von den Mitrailleuren gezogen wurden, oder wurden von den Soldaten selbst getragen.


Jede Mitrailleurgruppe verfügte über ein kleines Wägelchen mit dem sie ihr Maschinengewehr transportierte.



Die Ansichtskarte trägt den Poststempel «29.10.1917». Bei den recht jung aussehenden Soldaten in den mit zwei Knopfreihen versehenen Waffenröcken, handelt es sich um Rekruten. An ihren Feldmützen sind noch keine Kompaniekokarden angebracht. Einzig der Korporal in der Bildmitte, erkennbar an der Arbeitsbluse mit den Gradabzeichen am Ärmel, trägt eine Mützenkokarde. Seine Bluse ist mit den geschweiften (façonnierten) Ärmelpatten versehen.
Dass diese Mitrailleure zum doch schmutzintensiven Parkdienst am Maschinengewehr den Waffenrock tragen mag erstaunen. Im Jahr 1917 waren diese Rekruten allerdings bereits mit der neuen feldgrauen Uniform der Ord. 1914/15 als «erster» Uniform ausgerüstet. Die alten Waffenröcke wurden nun nur noch als Exezier-, bzw. Arbeitskleider verwendet. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass der junge Herr links neben dem sitzenden Mitrailleur, sogar noch einen alten Artilleriewaffenrock mit Umlegekragen der Ord. 1875 trägt.

Die beiden Soldaten tragen die 1914/15, bzw. 1917 eingeführte, neue feldgraue Uniform mit den geschweiften, dunkelgrünen Ärmelpatten. Auf dem Tschako prangt das erst seit 1917 in Gebrauch stehende, spezielle Mitrailleurabzeichen, bestehend aus zwei gelben, gekreuzten Mg 11. Die Nummer 13 weist sie als Angehörige des Berner Infanterieregiments 13 aus.

Als Offiziersanwärter tragen sie die feldgraue Offiziersmütze der Ord. 1915, jedoch noch ohne Gradabzeichen. Der rechts aussen liegende Offiziersaspirant trägt die façonnierten Ärmelpatten der Mitrailleure. Bei ihm handelt es sich wohl um einen «ausgebildeten» Mitrailleur-Korporal, der bereits die Rekrutenschule bei dieser Waffe absolviert hat. Dass Offiziere und Unteroffiziere der Mitrailleure ihre Arbeitsblusen mit façonnierten Ärmelpatten schmückten, schien eine geduldete Extravaganz gewesen zu sein.

Die Ansichtskarte trägt den Poststempel «2.7.1918». Alle Soldaten tragen die Arbeitsbluse der Ord. 1898. Diese wurde während der gesamten Dauer der Grenzbesetzung als Arbeitskleid getragen. Im Gegensatz zum Waffenrock der Ord. 1898 verfügte die Bluse über keine glänzenden Knopfreihen. Sie besass somit einen gewissen Tarneffekt. Der Korporal hinten in der Mitte und derjenige vorne links tragen die neuen Gradabzeichen der Ord. 1914. Ihre Blusen sind mit den geschweiften, knopfgeschmückten Ärmelpatten garniert. Eine Tatsache, die den gewünschten Tarneffekt zumindest teilweise wieder zunichte machte. Auf den Karabinern sind Stichbajonette aufgepflanzt.
Kavalleriemitrailleure
1914 gab es vier Auszugs-Kavalleriemitrailleurkompanien mit den Nummern 1 bis 4 und vier Landwehr-Kavalleriemitrailleurkompanien mit den Nummern 11 bis 14. Im August 1916 wurden alle diese Kompanien in Mitrailleurschwadronen umbenannt. Die Anzahl der Auszugs-Mitrailleurschwadronen wurde auf acht erhöht, entsprechend den acht Kavallerieregimentern. Die vier Landwehrschwadronen wurden zur fahrenden Mitrailleurabteilung 7 zusammengefasst. 1918 war diese Landwehrabteilung jedoch bereits wieder aufgelöst und deren vier Einheiten auf die vier Kavalleriebrigaden verteilt.
Jede Auszug-Kavalleriemitrailleur-Kompanie hatte einen Bestand von 145 Mann, nämlich 7 Offiziere, 22 Unteroffiziere und 116 Soldaten. Sie verfügte über 135 Reit-, 24 Trag- und 20 Zugpferde sowie 7 Fuhrwerke, davon 4 Munitionswagen. Die vier Landwehrkompanien verfügten einzig über Personal und nur wenige Fuhrwerke.

Alle abgebildeten Soldaten tragen die dunkelgrüne Kavallerie-Arbeitsbluse der Ord. 1898 und den Tschako mit dem weissen Pinsel der Kavalleriemitrailleure. Bis zum Wechsel auf die feldgraue Uniform trugen die Kavalleriemitrailleure als «erste» Uniform den dunkelgrünen Kavallerie-Waffenrock der Ord. 1898, mit karmoisinrotem Kragen und Aufschlägen und zwei Reihen blanker, weisser Knöpfe. Als Mitrailleure trugen sie vorne auf den Ärmeln karmoisinrote geschweifte, mit drei weissen Knöpfen garnierte Patten. Die Aufnahme stammt zwar aus dem Jahr 1911/12, ist aber auch noch für die Zeit nach 1914 relevant.

Beim links stehenden Kavalleristen handelt es sich um den die Ausbildung leitenden Leutnant. Die abgebildeten Soldaten tragen keine Säbel. Diese wurden am Sattel der Pferde hängend zurückgelassen. Vorne auf dem Lauf des Maschinengewehrs ist ein Blindschiessapparat angebracht. Auch diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1911/12.


Eigentlich sollten diese Mitrailleure, als Angehörige der Kavallerie, mit gelben Ärmelpatten versehen sein. Tatsächlich scheint es jedoch so, dass die abgebildeten Soldaten dunkle Ärmelpatten tragen. Die erste «feldgraue» Uniformordonnanz von 1914 schrieb für die Kavallerie scharlachrote Patten vor. Bereits im März 1915 wurde die Farbe jedoch auf «zitronengelb» geändert. Möglicherweise tragen diese Soldaten trotzdem noch solche roten Ärmelpatten.
Ein Detail am Rande. Bei den ganz rechts stehenden beiden Soldaten erkennt man jeweils ein hoch am Gurt getragenes Bajonett. In der Vergrösserung betrachtet, sieht man, dass diese Bajonette auf improvisierte Art und Weise durch den Säbeltraghaken gesteckt sind. Ob dies auf offizielle Anordnung erfolgte, oder ob sich die Soldaten damit einfach ein martialischeres Aussehen geben wollten, ist nicht bekannt.
Festungsmitrailleure
Von 1914 bis 1918 gab es drei Festungsmitailleurabteilungen zu jeweils vier Kompanien. Die Abteilungen 1 und 2 mit den Kompanien 1 bis 8 waren am Gotthard, die Abteilung 3 mit den Kompanien 9 bis 12 in St. Maurice stationiert. Bei den Kompanien 4, 8 und 12 handelte es sich um Landwehreinheiten.
Die Kompanien trugen die Nummern 1 bis 12, gelbe gekreuzte Gewehre, eine eidgenössische Kokarde und einen gelben Pompon am Tschako. Die Stabsangehörigen der drei Abteilungen besassen einen gelb-weissen Pompon. Bis zum Wechsel auf die feldgraue Uniform trugen die Festungsmitrailleure als «erste» Uniform einen dunkelblauen Waffenrock mit rotem Kragen und Aufschlägen und zwei Reihen blanker, gelber Knöpfe. Ihr Waffenrock verfügte allerdings nicht über die, sonst für die Mitrailleure typischen, façonnierten Ärmelpatten. Zur Arbeit wurde die dunkelblaue Arbeitsbluse Ord. 1898, mit kleinen roten Kragenpatten getragen.

Die abgebildeten Soldaten sind mit dem Kurzgewehr 1900 bewaffnet. Das Foto dürfte um 1911/12 im Gotthardgebiet entstanden sein. 1914 zeigten die Festungsmitrailleure noch dasselbe Erscheinungsbild.

Die Ansichtskarte trägt den Stempel «Festungs-Mitrailleur-Komp. 8» und ist mit «18.VII.1915» datiert.

Die beiden Schützen tragen helle Überkleider, der überwachende Leutnant die Arbeitsbluse.
Zu guter Letzt …

Man nehme einen Holzpfahl und einen ebensolchen Block, einige hölzerne Stangen sowie ein leeres Holzkistchen, füge alles zusammen, stelle ein paar Soldaten daneben – Fertig ist die Maschinengewehrgruppe.
Quellen und Literatur
- Reglement über die Bekleidung und Ausrüstung der schweizerischen Armee, vom 11. Januar 1898.
- Schweizerisches Militär-Verordnungsblatt, 1898-1907.
- Militäramtsblatt, 1908-1920.
- Egli, Karl, Oberst i Gst: Schweizer Heereskunde, Zürich 1912.
- Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
- Verordnung über die Organisation des Heeres, vom 10. Oktober 1911.
- Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 12, Bern 1923.
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