1766: Das Porträt eines Basler Feldjägers
René Ackermann, veröffentlicht am 05.07.2025
Das sich in einer Schweizer Privatsammlung befindliche Porträt eines Mannes mit grünem Oberkleid, schwarzem Hut, weissem Lederzeug und auffälligem Säbel gab lange Zeit Rätsel auf. Handelt es sich um eine schweizerische oder ausländische Abbildung? Trägt der Dargestellte einen zivilen Rock, die Livree eines Bediensteten oder eine militärische Uniform? Aus welcher Epoche stammt dieses Ölgemälde? Wer wurde da porträtiert? Fragen über Fragen, die lange ihrer Klärung harrten.

Kommissar Zufall
Doch eines Tages trat Kommissar Zufall in Aktion. Beim Durchstöbern der Jahrbücher des Berner Historischen Museums fand sich in demjenigen von 1941 ein Artikel über den Maler Sigmund Barth. Dieser war erst in Bern, ab den 1760er Jahren dann in Basel als Porträtist tätig. Im Artikel war auch das Gemälde eines Mannes in Uniform abgebildet. Dieses Porträt hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit unserem, der Identifikation harrenden Gemälde. Das Bild im Jahrbuch war bezeichnet mit «Johann Georg Krug, Hauptmann der Basler Feldjäger». Eine erste Spur war somit entdeckt, die weitere Recherche nahm ihren Anfang.

Beschreibung des Bildes
Das Gemälde zeigt das Halbfigurporträt eines jüngeren Mannes vor dunkelbraunem Hintergrund. Der Dargestellte schaut den Betrachter im Viertelprofil an. Der Oberkörper ist, unter Einbezug seiner abgewinkelten Arme mit den Händen, bis zur Taille abgebildet. Das Gemälde ist nicht gerahmt und hat eine Höhe von 74,5 cm sowie eine Breite von 60,5 cm.

Der Abgebildete ist von mittlerer Statur, sein ovales, leicht spitzes Gesicht ist etwas füllig. Der Mann weist eine helle Gesichtsfarbe mit leicht geröteten Wangen auf. Er hat leicht mandelförmige braune Augen, geschwungene braune Augenbrauen, eine gerade spitze Nase und einen kleinen Mund mit vollen Lippen. In seinem runden Kinn befindet sich ein kleines Grübchen. Er ist glattrasiert, ein starker Bartwuchs lässt sich anhand der dunklen Stellen an Backen, Kinn und Oberlippe erahnen. Seine, über den Ohren in Locken gelegten, rötlichbraunen Haare sind nach hinten gezogen und am Nacken nicht sichtbar zusammengehalten. An seinen Händen trägt er, soweit ersichtlich, keine Ringe.
Auf dem Kopf trägt er eine Art Jockey-Hut, ähnlich den heutigen Reiterhelmen. Um den schwarzen Hut ist ein aus goldenen Metallfäden gewobenes flaches, etwa 1 cm breites Hutband gelegt. Dessen leicht ausgefranste Enden ragen über die Krempe. Das Band ist vorne am Hut mit einer, mit dreizehn Perlen geschmückten, querovalen Schnalle zusammengehalten. Auf der linken Seite des Hutes ist eine schwarze, buschige, aufrecht stehende Feder angebracht, die den Hut um etwa die Hälfte überragt.
Der Dargestellte trägt einen dunkelgrünen Rock von schlichtem Schnitt. Der relativ kleine Umlegekragen weist spitze Enden auf. Weder an den einfachen Ärmelaufschlägen noch an den übrigen Nähten sind farbige Passepoils sichtbar. Auch besitzen werden Kragen noch Knopflöcher irgendwelchen Litzenbesatz. Nur auf den beiden Schultern ist jeweils eine dünne goldene Achselschnur angebracht.
Die Knöpfe sind goldfarben, rund, am Rand leicht gewellt und mit einem Dekor versehen. Dieses besteht bei jedem Knopf aus einem schwarzen Kreis, auf dem sieben S-förmige, weisse Elemente appliziert sind. Im Zentrum jeden Knopfes befindet sich ausserdem noch eine weisse, kreuzförmige Dekoration. Diese Farbgebung, schwarz und weiss, entspricht derjenigen des Stadt-Basler Wappens. Die neun oder vielleicht auch zehn Knöpfe sind einreihig angeordnet.
Über einer schwarzen Halsbinde ist der weisse Kragen des Hemdes noch sichtbar. Die gerafften weissen Hemdsärmel schauen ein wenig unter den Ärmelaufschlägen hervor. Unter dem Rock sieht man noch ein kleines Stück einer weissen Hose oder Weste hervorschauen.

Von den goldenen Achselschnüren gehalten, ziehen sich zwei breite, weisse Bandeliere kreuzweise über die Brust. Am Band, das von der rechten Schulter zur linken Hüfte führt, ist eine braune lederne Tasche angehängt. Das andere Band weist dort, wo es bei der Taille zusammengehalten wird, eine dekorative, goldfarbene Plakette mit geschwungenen Rändern auf. Im Zentrum der Plakette, sind, umgeben von Rocaillendekor, die Initialen «J.J.F» zu erkennen. Wozu dieses Band diente, ist aus dem Bild nicht ersichtlich. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei aber um ein Karabinerbandelier.
Anzumerken gilt, dass die beschriebenen goldenen Garnituren der Uniform bei der Basler Obrigkeit eigentlich verpönt waren. Denn sie widersprachen den damals geltenden strengen Sittenmandaten. Diese verboten allen übertriebenen Luxus und alles Schmuckwerk an der Kleidung. Bei den Militärs, die von jeher ihre Uniformen und Gradabzeichen mit goldenen oder silbernen Garnituren schmückten, wurde jedoch eine Ausnahme gemacht. So bestand 1765 die Vorschrift: «Den Officieren von unsrer Landmiliz und der bürgerlichen Frey-Compagnie gestatten wir, jedoch nur während ihrer Amtsverrichtungen, auf ihren Uniformen das dazu gehörige Silber oder Gold fernerhin zu tragen».
Um die Taille trägt der Mann einen weissen Gürtel von etwa der Breite der Schulterbandeliere. Der Gürtel besitzt eine einfache viereckige, goldfarbene Schnalle mit einem Dorn. An einem, links neben der Schnalle angebrachten ovalen Ring, hängt ein weisser, schmälerer Riemen mit goldfarbener Schnalle, welcher mit dem oberen Ringband des Säbels verbunden ist.

Der Säbel besitzt ein einfaches goldfarbenes Bügelgefäss. Die bis zur Parierstange reichende Griffkappe ist mit einem wellenförmigen Rand versehen. Die gerade Parierstange in langgestreckter Rautenform weist einen Liniendekor auf und hat ihren Abschluss in einem kleinen runden Knopf. Quer zur Parierstange, also senkrecht zu dieser, ist ein sogenanntes ganzes Mitteleisen angebracht. Der dunkle Griff ist mit einer weitmaschigen Drahtwicklung versehen. Um den Griffbügel ist eng der rote Riemen des Schlagbands gewickelt. Das Mundblech der Scheide ist mit einem beweglichen Ring versehen, an welchem der Tragriemen angebracht ist. Zwischen Griff und Scheide befindet sich eine schmale rote (Leder-)Scheibe.
Wer war der porträtierte Feldjäger?
Bekanntlich hat der Maler Sigmund Barth das Porträt des Feldjägerhauptmanns Krug im Jahr 1766 gemalt. Da der Feldjäger auf unserem Bild eine sehr ähnliche Uniform trägt wie der Hauptmann, darf angenommen werden, dass auch dieses Bild etwa um diese Zeit entstanden ist. Ein Indiz für den Namen des Porträtierten findet sich auf der unten links im Bild zu sehenden goldfarbenen Plakette des Bandeliers. «J.J.F» sind wahrscheinlich die Namens-Initialen des jungen Mannes. Da die Uniform goldene Bänder und Schnüre sowie Perlen aufweist, dürfte es sich bei ihm um einen Kaderangehörigen gehandelt haben.
Aus dem Jahr 1748 ist bekannt, dass der Basler Kriegsrat den Wachtmeistern, Korporalen und Kadetten des Korps «goldene Bördlein» an ihren Uniformen gestattete. Unser Feldjäger gehörte also möglicherweise einer dieser Gradgruppen an. Allerdings nennt die Vorschrift von 1765 nur noch Offiziere, denen das Tragen von goldenen oder silbernen Garnituren gestattet war. Handelt es sich bei unserem Feldjäger gar um einen Offizier? Und wie lautete sein Name? Diese Fragen müssen vorerst offen bleiben. Nachforschungen in den Basler Stadtarchiven könnten vielleicht Licht ins Dunkel bringen.
Die Basler Freikompanie
Eine Eigentümlichkeit des Basler Wehrwesens des 18. Jahrhundert war, dass im damals noch ungeteilten Kanton, die Stadtbürger keinen Wehrdienst zu leisten hatten. So rekrutierte sich die baslerische Miliz ausschliesslich aus Bewohnern der Landschaft. Einzig die Offiziere waren Basler Stadtbürger. Allerdings sprach es sich bei den vom Militärdienst befreiten jungen Städtern doch herum, dass man als Soldat, oder besser noch als Unteroffizier oder Offizier, zuhause oder auch in fremden Diensten ein Auskommen finden konnte.
Nur, ein wenig militärische Erfahrung sollte man dazu schon vorweisen können. Um nun interessierten jungen Männern die Möglichkeit zu bieten, solcherart Kenntnisse zu erwerben, bildete Nicolaus Miville 1741 eine Freikompanie. Deren eigentlicher Hauptzweck sollte allerdings darin bestehen, bei drohender Kriegsgefahr und bei festlichen Anlässen der Vaterstadt nützliche Dienste zu leisten.
Die neu gegründete Freikompanie bestand aus 80 jungen, für den Waffendienst begeisterten Bürgern, welche sich dazu freiwillig zur Verfügung stellten. Sie exerzierten fleissig und führten im Oktober 1741 einen Umzug in der Stadt und ein Schiessen auf der Schützenmatte durch. Miville fungierte dabei als Wachtmeister. Jeder Angehörige der Freikompanie trug in den ersten Jahren des Bestehens der Kompanie noch seine eigene Kleidung. Die Bewaffnung, also Musketen, Spontons, Bajonette, Säbel oder Degen entlehnte man vorerst aus dem Zeughaus.
Bereits 1742 wuchs der Bestand der Kompanie durch eine Anzahl hinzu gekommener Grenadiere. Miville wurde zum Major ernannt. Ein jeder musste sich nun seine Bewaffnung selber anschaffen. Weiterhin wurde aber Zivilkleidung getragen. Nur die neu hinzugekommenen Grenadiere trugen, um sich von den übrigen Truppen zu unterscheiden, bis zum Knie reichende, einheitliche Überstrümpfe. Man zog auf den Münsterplatz und exerzierte dort vor den Häuptern der Stadt. Miville kommandierte das Ganze zu Pferd. Danach zog man auf die Schützenmatte, wo man ein Lager aufschlug. Nachdem in Zelten übernachtet worden war, wurde der Auszug am folgenden Tag mit einem Schiessen abgeschlossen.

1743 nahm Miville eine Leutnantsstelle in einem Schweizer Regiment in spanischen Diensten an. Die Kompanie wurde nun von einem anderen Major geleitet. Sowohl 1743 als auch 1744 unternahm die Kompanie keinen Auszug. Das ganze Unternehmen geriet ins Stocken, die Kompanie war dem Zerfall nah. Doch im Januar 1745 nahm Miville seinen Abschied und kehrte nach Basel zurück. Mit Mivilles Heimkehr kam auch wieder neues Leben in die Freikompanie. Sie wurde nun auch einheitlich eingekleidet. Als Uniform dienten ein grüner Rock mit zurückgeschlagenen Schössen und roten Aufschlägen, eine weisse Weste und schwarze Hosen. Beim Auszug von 1745 wurde wiederum auf der Schützenmatte campiert und der Anlass mit einem Schiessen beendet.
1746 wuchs die Kompanie bereits auf 250 Mann an. Eine stattliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die Stadt Basel zu der Zeit kaum 13 000 Einwohner zählte. Es scheint fast so, als dass der grösste Teil der männlichen Jugend Basels diesem Korps beigetreten war. Neu waren nun auch Artilleristen dabei. Im Juni erfolgte ein dreitägiger Auszug. Man belagerte das Schänzlein bei St. Jakob und campierte dort zwei Nächte. In den folgenden Jahren fand dann jährlich ein Auszug statt. Der Auszug des Jahres 1761 sei dabei einer der schönsten gewesen. Man campierte jenseits der Wiesenbrücke und attackierte sodann die Brücke und eine Redoute.
In diesem Jahr 1761 nahmen auch die Feldjäger zu Pferd ihren Anfang. Ihr Hauptmann war Hans Georg Krug. Jedoch war Miville auch hier der Initiator. Die Feldjäger galten als eine Zierde der Freikompanie.
1763 fand ein dreitägiger Auszug statt. Der Grossteil der Truppen, inklusive der Grenadiere und Jäger, campierte in den Feldern gegen Muttenz. Der kleinere Teil lagerte mit sechs Kanonen auf dem Fröscheneck. Diesen Auszug hielt Miville für den instruktivsten aber auch mühsamsten, den er mit der Kompanie je gemacht habe, denn es wurden viele verschiedene Übungen durchgeführt. 1766 fand wiederum ein Auszug von drei Tagen statt. Man campierte im Wäldchen jenseits der Wiesenbrücke. Nebst einem Feuerwerk, wurden mehrere Attacken durchgeführt. Dieses war der letzte Auszug den Miville mit der Kompanie mitgemacht hat. Er war über 25 Jahre dabei gewesen.
Wie schon in seinen Anfängen, wurde das Korps auch in späteren Jahren noch rege aufgeboten um an festlichen Anlässen mitzuwirken. Sei es, um einen ausländischen Gesandten feierlich zu empfangen, oder um General Bonaparte 1797, bei seiner Reise von Italien nach Rastatt, standesgemäss zu begrüssen. Bei diesem Anlass wurde der General in seiner Kutsche von den berittenen Feldjägern in Empfang genommen, die Artilleristen des Korps schossen Salut, die Infanterie paradierte vor ihm und die Grenadiere bildeten die Ehrenwache vor seiner Unterkunft. Doch auch ernstere Aufgaben übernahm die Kompanie. So bewachte sie in den unruhigen 1790er Jahren regelmässig das Basler Zeughaus.

Die Freikompanie überlebte bis 1803. Sie löste sich erst auf, als durch die Militärorganisation der Mediationsregierung auch für die Stadtbürger die Dienstpflicht eingeführt wurde. In den rund 60 Jahren ihres Bestehens, waren die Uniformen der einzelnen Truppenteile der Freikompanie mehreren, zumeist der militärischen Mode geschuldeten Veränderungen unterworfen. Wie lange die in diesem Artikel beschriebene, wahrscheinlich erste Uniform der berittenen Feldjäger in Gebrauch stand, ist nicht bekannt.
Nicolaus Miville
Nicolaus Miville wurde 1718 in Basel geboren. Als Jüngling arbeitete er in einer Barbierstube und erlernte dort das Handwerk des «Chirurgen». Achtzehnjährig schlug er die militärische Laufbahn ein und diente drei Jahre in einem Schweizer Regiment in königlich neapolitanischen Diensten. Zurück in Basel bildete er 1741, erst 23jährig, die Freikompanie. 1742 wurde er zu deren Major ernannt. Ende desselben Jahres zog es ihn als Leutnant in spanische Dienste. Nach seiner Rückkehr nach Basel im Frühjahr 1745, arbeitete er, nach bestandenem Examen, wiederum als Chirurg.

Neben seiner Tätigkeit in der Freikompanie, stand er auch als Major der Landmiliz im Dienst seiner Heimatstadt. Das Reglement «Kriegs-Übungen für die Land-Miliz Lobl. Standes Basel» von 1763 stammte aus seiner Hand. 1766 beendete er seine Tätigkeit bei der Freikompanie, 1778 musste er aus gesundheitlichen Gründen seine Majorsstelle bei der Landmiliz niederlegen. Nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch im Polizeiwesen diente Miville seiner Vaterstadt. Bereits seit 1748 amtete er, anfangs noch stellvertretend, als Stadtmajor und Chef der Harschierer. In dieser Funktion reformierte und modernisierte er das Basler Polizeiwesen. Nicolaus Miville verstarb 1791.
Literatur
- Ochs, Peter: Geschichte der Stadt und Landschaft Basel, Band 7, Berlin/Leipzig 1797, S. 647.
- Leben des Major Nicolaus Miville, Ein Beitrag zur Kenntnis Baselischer Zustände im vorigen Jahrhundert, in: Basler Taschenbuch auf die Jahre 1854 und 1855, herausgegeben von Dr. Wilhelm Theodor Streuber, Basel 1855, S. 1–60.
- Wieland, Carl: Ueber das baslerische Militärwesen in den letzten Jahrhunderten, in: Basler Jahrbuch 1886, Basel 1886, S. 129–140.
- Jahrbuch des Historischen Museums Bern, XXI. Jahrgang (1941), Bern, 1942, S. 15 und S. 26, dort Nr. 21.
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