Offiziere und Mannschaften
René Ackermann, veröffentlicht am 16.09.2025
Allgemeines
1852 war die Kavallerie in Einzelkompanien organisiert und bestand aus Dragonern und Guiden. Die Kavallerie trug als einzige Waffengattung einen Helm. Dieser hatte eine glockenförmige Form, verfügte über Augen- und Nackenschirm und bestand aus schwarz lackiertem Leder. Der Augenschirm besass eine messingene Einfassung und war 7,2 cm breit. Der Nackenschirm war 5,1 cm breit. Die untere Rand des Helms war mit einer messingenen Einfassung umgeben. Diese war auf der vorderen Helmhälfte 2,7 cm, auf der hinteren 2,1 cm breit.
Auf beiden Seiten des Helms war vom Sturmbandknopf bis zur Raupe je eine messingene, 7,5 mm breite Spange angebracht. Oben auf dem Helm sass eine keulenförmige, gebogene Raupe. Diese bestand bei Dragonern, Guiden und Trompetern aus verschiedenem Material und wies unterschiedliche Farben auf. Der Helm hatte, ohne Raupe, Augen- und Nackenschirm, eine Höhe von 15 cm.
Vorne auf dem Helm war zentral ein 8,4 cm hoher und 6 cm breiter, ovaler, ziselierter Schild aus Messing angebracht. Auf diesem war ein eidgenössisches Kreuz aus Neusilber appliziert. Die Schuppenbänder aus Messing waren mit Leder unterlegt und wurden mit einer messingenen Schnalle geschlossen. Befestigt wurden sie mit einem runden, blanken, zumeist drei Rillen aufweisendem Sturmbandknopf unterhalb der Spangen.
Unter der linken Spange war eine 4,2 cm messende, runde, metallene Kantonskokarde befestigt. Das Innenfutter des Helms war gezackt. Auf dem Helm waren keine Einteilungsnummern angebracht. 1862 wurden zwar diesbezügliche Versuche angestellt. Eine allgemeine Einführung der Kompanienummer auf dem Helm blieb aber aus.
Die Guiden verabschiedeten sich 1861 vom Helm. Mit dem neuen Bekleidungsreglement erhielten sie den leichteren Tschako. Die Dragoner waren noch bis 1869 mit dem Helm ausgerüstet. Danach erhielten auch sie einen Tschako. Soldaten der Landwehr trugen den imposanten Helm allerdings noch bis in die späten Siebzigerjahre.
Nachfolgend sind die Nummern der einzelnen Einheiten der Kavallerie und ihre kantonale Zugehörigkeit aufgelistet. Wie oben bereits erwähnt, wurde am Helm zwar die Kantonskokarde, jedoch keine Einteilungsnummer getragen.
Dragonerkompanien: Auszug: Kp Nr. 1-22 / Reserve: Kp Nr. 23-35:
ZH: 3, 12, 19, 23. / BE: 2, 10, 11, 13, 21, 22, 24-26. / LU: 20, 27. / FR: 5, 6, 28. / SO: 8, 29. / SH: 1, 30. / SG: 4, 9, 31. / AG: 16, 18, 32. / TG: 14, 33. / VD: 7, 15, 17, 34, 35.
Guidenkompanien: Auszug: Kp Nr. 1-8 / Reserve: Kp Nr. 9-16 (jeweils nur Halbkompanien):
BE: 1, 9 (1/2). / SZ: 2, 10 (1/2). / BS: 3, 11 (1/2). / BL: 4, 12 (1/2). / GR: 5, 13 (1/2). / TI: 8 (1/2), 14 (1/2). / NE: 6, 15 (1/2). / GE: 7, 16 (1/2).
Mannschaftshelme

Der Helm der Dragoner besass eine Raupe aus schwarzem Bärenfell. Er wurde erst 1869 durch den Tschako ersetzt. Soldaten der Landwehr trugen den Helm aber noch weiterhin. 1875 wurden sogenannte Landwehrsterne eingeführt. An diesem Helm sind solche Sternchen montiert. Das bedeutet, dass dieser Helm noch nach 1875 getragen worden ist (Foto S. B.)

Auf dem Helm der Guiden sass eine Raupe aus chromgelb gefärbter, isländischer Schafwolle (Foto S. B.)

Die Trompeter der Kavallerie trugen eine karmoisinrote Raupe. Es war nicht festgelegt, wie diese rote Raupe auszusehen hatte. Dieser Trompeterhelm besitzt eine Raupe aus karmoisinrot gefärbter Schafwolle. Da der Helm Landwehrsterne aufweist, wurde er noch nach 1875 getragen (Foto S. B.)

Auf diesem Trompeterhelm sitzt eine Raupe aus karmoisinrot gefärbtem Plüsch (Foto S. B.)
Offiziershelme
Gemäss Reglement von 1852 entsprach der Helm der Offiziere demjenigen der Mannschaft. Von diesem unterschied er sich nur durch die vergoldeten Garnituren und die etwas grössere Raupe. Am Helm wurden keine Gradabzeichen getragen. Bei heute noch vorhandenen Helmen ist es schwierig, reglementskonforme Offiziershelme von Mannschaftshelmen zu unterscheiden. Zumeist gelingt das nur durch den direkten Vergleich der vergoldeten, oder eben nicht vergoldeten Garnituren.
Anders sieht das bei Offiziershelmen aus, die noch gemäss kantonalen Vorgaben gefertigt worden sind und nach 1852 für ein paar Jahre weiter getragen wurden. Diese weisen oft prächtig dekorierte Garnituren auf.

Dabei handelt es sich ursprünglich um den reich verzierten Helm eines Offiziers der Jäger zu Pferd gemäss der Berner Ordonnanz von 1848. Gemäss dem Reglement von 1852, wiesen die Helme der Offiziere allerdings keine verzierten, sondern bloss vergoldete Garniturteile auf. Aber natürlich wurde dieser 1848er Helm deshalb 1852 nicht ausser Dienst gestellt. Man entfernte bloss das kleine Jagdhorn, das sich ursprünglich in der ovalen Einfassung befand und die Jäger zu Pferd auszeichnete, und ersetzte es durch die Kompanienummer. Ausserdem ergänzte man die seitlichen Spangen, die beim ursprünglichen Berner Modell noch nicht vorhanden waren. Diese nachträglich angebrachten Spangen passen von ihrer Garnitur her nicht mit den übrigen Teilen zusammen (Foto K. C.)

Bei diesem Helm wurde das Jagdhörnchen belassen. Man fügte einzig die neuen seitlichen Spangen hinzu (Foto K. C.)

Auch an diesem Helm aus kantonaler Zeit wurden 1852 nur die Spangen hinzugefügt (Foto K. C.)
Quellen und Literatur
- Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres, vom 27.08.1852.
- Abänderungen zum Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres vom 27. August 1852. Beschluss des Bundesrathes vom 17. Jänner 1861.
- Abänderung des Bekleidungsreglements, vom 15. Januar 1862.
- Beschluss des schweizerischen Bundesrathes betreffend die Kopfbedeckung für die schweizerische Armee, vom 20. Januar 1869.
- Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
- Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 12, Bern 1923.
- Burlet, Jürg: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen, 1852-1992, Egg 1992.
- Ackermann, René: Uniformen der Schweizer Armee 1852–1874, Eine Sammlung historischer Fotografien und Vorschriften, Horw 2023.
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