Mannschaften
René Ackermann, veröffentlicht am 07.11.2025
Mit dem Reglement über die Bekleidung und Ausrüstung der schweizerischen Armee vom 11. Januar 1898, wurde für Unteroffiziere und Soldaten eine neue Feldmütze eingeführt. Diese ersetzte das «Schiffli» der Ordonnanz 1869/75. Die neue Feldmütze hatte nun eine runde Form und besass einen Augenschirm sowie einen Nackenschutz.
Im Reglement wurde diese Feldmütze wie folgt beschrieben: «Schirmmütze mit Nackenschutz, aus Waffenrocktuch; Schützen ausnahmsweise dunkelblau; Schirm aus weichem Lackleder so beschaffen, dass er, ohne Schaden zu nehmen, gefaltet werden kann; Deckelnaht mit Vorstoss; Nackenschutz in Form eines ringsumgehenden doppelten Aufschlages, vornen mit 2 mittelgrossen Knöpfen schliessbar; Kopfrand mit Leinwand gefüttert».
Der ursprünglich vorgesehene Schirm aus weichem Lackleder bewährte sich nicht. In einem Nachdruck des Reglements vom April 1901 wird in einer Fussbemerkung darauf hingewiesen, dass dieser Lackschirm durch die Herausgabe eines neuen kräftigen Modellschirmes abgeändert worden sei. Nun sollte die Mütze auf den flachgelegten Schirm heruntergefaltet verpackt werden. War der Lederschirm verschlissen, wurde er ersetzt. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurden dazu nicht mehr Lederschirme, sondern in der Mützenfarbe gehaltene Tuchschirme verwendet.
Die beiden vorne auf der Mütze angebrachten Knöpfe entsprachen denjenigen der Schulterklappen des Waffenrocks. Die sich darüber befindliche Einteilungskokarde wurde im Reglement folgendermassen beschrieben:«Einteilungskokarde aus Blech, rund, 30 mm im Durchmesser, erhaben gepresst; innere Füllung von 22 mm Durchmesser, in den Farben des Pompons emailliert; mittelst Blechstollen und ledernem Vorstecker dicht unter dem Vorstoss befestigt».
Die Absicht, die innere, farbige Füllung dieser Kokarde zu emaillieren, wurde schon nach kurzer Zeit verworfen. Durch eine Weisung vom 13. Juni 1899 wurde die Emailfüllung durch eine Celluloid-Einlage ersetzt. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurde die Kokarde nicht mehr mit Blechstollen und ledernem Vorstecker, sondern mittels zweier metallener «Umbiegelaschen» an der Mütze befestigt.
Während der ganzen Dauer ihrer Verwendung erfuhren die Feldmützen bezüglich der Farben des Tuches und des Vorstosses, sowie bezüglich der Knöpfe praktisch keine Änderungen. Bei der Neuorganisation des Heeres von 1911 und während des I. Weltkrieges wurden jedoch neue Truppenkörper geschaffen. Das bedingte eine Vermehrung der Pomponfarben auf den Tschakos und somit auch der Einteilungskokarden auf den Feldmützen.
Ab 1914 wurden die farbigen Uniformen der Armee nach und nach durch solche aus feldgrauem Tuch abgelöst. Die farbigen Feldmützen der Ordonnanz 1898 wurden jedoch weiterhin ausgetragen. Praktisch während der ganzen Dauer des I. Weltkrieges und sogar noch einige Jahre danach, blieb sie die gängige Kopfbedeckung der Unteroffiziere und Soldaten.
Nachfolgend sind die Feldmützen der einzelnen Truppengattungen und Einheiten aufgeführt.

Füsiliere
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: weiss, blank.
Kokarde Rand: weiss.
Kokarde Einlage: Stab, weiss / 1. Kp, grün / 2. Kp grün-weiss / 3. Kp orange / 4. Kp orange-weiss / 5. Kp rot / 6. Kp rot-weiss.
Anmerkung: Ab 1917 trugen die Füsiliere am Tschako ein gelbes Waffengattungsabzeichen. Seit 1915 wurde die Armee bereits mit feldgrauen Uniformen, und somit auch Feldmützen, ausgerüstet. Ob die alten, blauen Feldmützen der Füsiliere 1917 noch auf gelbe Knöpfe und Einteilungskokarden umgerüstet worden sind, ist zwar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.
Schützen
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: schwarz.
Knöpfe: gelb, blank.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: Stab, weiss / 1. Kp, grün / 2. Kp grün-weiss / 3. Kp orange / 4. Kp orange-weiss / 5. Kp rot / 6. Kp rot-weiss.
Anmerkung: Die Schützen, die ja einen dunkelgrünen Waffenrock trugen, konnten sich mit dieser dunkelblauen Feldmütze nie anfreunden. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurden ihnen dann Feldmützen in dunkelgrüner Farbe abgegeben.

Divisions-Mitrailleure
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: weiss, blank.
Kokarde Rand: weiss.
Kokarde Einlage: 1. Kp, grün / 2. Kp, grün-weiss / 3. Kp, orange.
Anmerkung: Ab 1912 verfügte jede Division über eine eigene, aus drei Kompanien bestehende Mitrailleurabteilung.

Regiments-Mitrailleure
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: weiss, blank.
Kokarde Rand: weiss.
Kokarde Einlage: 1. Kp, rot / 2. Kp, rot-weiss / 3. Kp, weiss-rot / 4. Kp weiss.
Anmerkung: Ab 1917 verfügte zusätzlich auch noch jedes Infanterieregiment über eine eigene Mitrailleurabteilung. Die einzelnen Kompanien dieser «Regiments-Mitrailleure» unterschieden sich durch die Farben ihrer Mützenkokarden von denjenigen der «Divisions-Mitrailleure».
Ab 1917 trugen die Mitrailleure am Tschako ein neues, gelbes Mitrailleurabzeichen. Seit 1915 wurde die Armee bereits mit feldgrauen Uniformen, und somit auch Feldmützen, ausgerüstet. Ob die alten, blauen Feldmützen der Mitrailleure 1917 noch auf gelbe Knöpfe und Einteilungskokarden umgerüstet worden sind, ist zwar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Radfahrer
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: karmoisinrot.
Knöpfe: gelb, blank.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: Armeestab und Armeekorpsstäbe, karmoisinrot / I., III., IV., VI. Division, karmoisinrot mit weissem Streifen / II., V., VII., VIII. Division, weiss mit karmoisinrotem Streifen / Landwehrbrigaden, weiss.
Anmerkung: Ab einem unbekannten Zeitpunkt, möglicherweise ab 1911, trugen die Radfahrer eine eidgenössische Einteilungskokarde an der Feldmütze. Diese besass einen gelben Rand und eine rote, mit einem weissen Schweizerkreuz versehene Einlage.

Kavallerie
Farbe: dunkelgrün.
Vorstösse: karmoisinrot.
Knöpfe: weiss, blank.
Kokarde Rand: weiss.
Kokarde Einlage: karmoisinrot.
Anmerkung: Zur Kavallerie zählten Dragoner, Guiden und Kavalleriemitrailleure.

Ab einem unbekannten Zeitpunkt, wurden defekte Lederschirme durch solche aus Tuch ersetzt (Foto S. B.)

Artillerie
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, gekreuzte Kanonenrohre.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: scharlachrot.
Anmerkung: Nach der 1911 erfolgten Neuorganisation der Parkartillerie und der Saum- bzw. Transportkolonnen trugen deren Kompanien Einheitskokarden mit Artillerie-untypischen Einlagenfarben: Stab, scharlachrot / 1. Kp, orange / 2. Kp orange-weiss / 3. Kp rot / 4. Kp rot-weiss.

Genie-Sappeure und Mineure
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, gekreuzte Äxte.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: vor 1911: schwarz / 2. Kp der Sappeur-Halbbataillone, schwarz-weiss.
Nach 1911: Stab, schwarz / 1. Kp, grün / 2. Kp grün-weiss / 3. Kp orange / 4. Kp orange-weiss.

Pontoniere und Ballonpioniere
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, Anker.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: vor 1911: schwarz / 2. Kp der Kriegsbrückenabteilungen, schwarz-weiss. Nach 1911: Stab, schwarz / 1. Kp, grün / 2. Kp grün-weiss / 3. Kp orange / 4. Kp orange-weiss.

Genie-Pioniere
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, gekreuzte Äxte.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: schwarz.

Festungs-Kanoniere
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, gekreuzte Kanonenrohre.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: vor 1911: gerade Kp, rot-weiss / ungerade Kp, rot. Nach 1911: alle Kp rot / Stäbe, rot-weiss.

Festungs-Beobachter
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, gekreuzte Kanonenrohre.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: gerade Kp, grün-weiss / ungerade Kp, grün.
Anmerkung: Festungs-Beobachter gab es nur bis 1911.

Festungs-Mitrailleure
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, blank.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: vor 1911: gerade Kp, gelb-weiss / ungerade Kp, gelb. Nach 1911: alle Kp gelb / Stäbe, gelb-weiss.

Festungs-Pioniere und -Scheinwerferpioniere
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, blank.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: Pioniere, grün / Scheinwerferpioniere, grün-weiss.
Anmerkung: Die Festungs-Pioniere und -Scheinwerferpioniere wurden 1911 aufgestellt.

Festungs-Sappeure
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: scharlachrot.
Knöpfe: gelb, gekreuzte Äxte.
Kokarde Rand: gelb.
Kokarde Einlage: schwarz.
Anmerkung: Die Festungs-Sappeure wurden 1911 aufgestellt.

Sanität
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: hellblau.
Knöpfe: weiss, blank.
Kokarde Rand: weiss.
Kokarde Einlage: vor 1911: blau. Nach 1911: Stab und Sanitätszüge, blau / 1. Kp, grün / 2. Kp grün-weiss / 3. Kp orange / 4. Kp orange-weiss / 5. Kp, rot.

Verwaltung/Verpflegung
Farbe: dunkelblau.
Vorstösse: hellgrün.
Knöpfe: weiss, blank.
Kokarde Rand: weiss.
Kokarde Einlage: vor 1911: grün. Nach 1911: Stab und Bäckerkp, grün / 1. Kp, orange / 2. Kp orange-weiss / 3. Kp rot-weiss.
Quellen
- Reglement über die Bekleidung und Ausrüstung der schweizerischen Armee, vom 11. Januar 1898.
- Handbuch über die persönliche Ausrüstung in der Schweiz. Armee, April 1901.
- Verordnung über die Organisation des Heeres, vom 10. Oktober 1911.
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