Mannschaften
René Ackermann, veröffentlicht am 17.09.2025
Allgemeines
1869 wurde ein neues Reglement über die Kopfbedeckungen erlassen. Als zweite Kopfbedeckung waren weiterhin alle Mannschaften mit einer sogenannten «Feldmütze» ausgerüstet. Mit dem 1875 erschienenen neuen Bekleidungsreglement änderten sich an diesen Kopfbedeckungen einzig die Pomponfarben. Die Feldmützen der Ordonnanz 1869/75 wurden erst kurz vor der Jahrhundertwende durch das neue Modell der Ordonnanz 1898 abgelöst.
Bereits 1868 war für Kavallerie und Train ein neue Mütze, eine sogenannte «Stallmütze», eingeführt worden. Dieses Modell wurde dann 1869 für alle Truppen als Feldmütze zur Ordonnanz erklärt. Soldaten und Unteroffiziere trugen nun einen «Schnitz» aus eisengrauem Halbwollentuch. Die Farbe des Vorstosses entsprach derjenigen des Uniformvorstosses. Innen war die Mütze mit Leinen gefüttert. Oben auf der Seite war eine herabhängende Quaste von der Farbe des Tschako-Pompons angebracht. Die Mütze war 14 cm hoch und wies eine obere Länge von 22 cm auf. Mit dem Bekleidungsreglement von 1875 blieb diese Feldmütze unverändert. Nur einzelne Quastenfarben änderten oder kamen neu hinzu.
Nachfolgend sind die Mannschafts-Feldmützen der Ordonnanz 1869 bzw. 1875 der verschiedenen Waffengattungen aufgeführt. Die Farben der Quasten und der Vorstösse blichen mit der Zeit oftmals aus. Die genaue Definition von rot und karmoisinrot, grün, hellgrün und dunkelgrün, blau, hellblau und dunkelblau, oder gelb und orange liegt somit im Auge des Betrachters. Das Reglement schrieb 1875 für die Quaste der 3. und 4. Kompanie eigentlich die gelbe Farbe vor. In der Realität beliess man es allerdings bei der orangen Farbe von 1869.
Ebenso verhält es sich mit der Farbe des Tuches der Feldmütze. Das Reglement nannte 1869 «eisengrau» als Farbe. Diese Farbe entsprach derjenigen des Hosenstoffs der Artillerie und der Kavallerie. Alle übrigen Truppen trugen zu der Zeit blaugraue Hosen. Mit dem Reglement von 1875 wurde weiterhin dieses «eisengrau» als Farbe der Mütze vorgeschrieben. In den darauf folgenden Jahren waren jedoch das Material und die Farbe des Hosenstoffes sämtlicher Truppen verschiedenen Änderungen unterworfen.
Diese Farbanpassungen spiegeln sich auch bei den aus Hosenstoff gefertigten Feldmützen wieder. Es war normal und auch so gewünscht, dass alte Stoffvorräte aufgebraucht wurden. So wurden Mützen sowohl aus eisengrauem, wie auch blaugrauem Stoff hergestellt, und das unbeachtet davon, ob die entsprechenden Vorstösse und Quasten auch zur Stofffarbe passten.

Füsiliere
Zeitraum: 1869-1875.
Vorstoss: rot.
Quaste: 1. Kp, orange / 2. Kp, orange-weiss / 3. Kp, blau / 4. Kp, blau-weiss.

Zeitraum: ab 1875.
Vorstoss: rot.
Quaste: 1. Kp, grün / 2. Kp, grün-weiss / 3. Kp, gelb (orange) / 4. Kp, gelb (orange)-weiss.
Anmerkung: Da 1875 die Farben der Pompons an den Tschakos der Füsiliere änderten, mussten auch die Farben der Quasten an den Feldmützen angepasst werden.

Zeitraum: ab 1898.
Vorstoss: rot.
Quaste: 5. Kp, rot / 6. Kp, rot-weiss.
Anmerkung: Ab 1898 gab es in einigen Füsilierbataillonen noch eine zusätzliche 5. und 6. Kompanie.

Jäger
Zeitraum: 1869-1875.
Vorstoss: rot.
Quaste: 1. Kp (Jäger rechts), hellgrün / 2. Kp (Jäger links), hellgrün-weiss.
Anmerkung: Die Jäger existierten bis 1875. Danach wurden sie zu Füsilieren.

Scharfschützen
Zeitraum: 1869-1875.
Vorstoss: schwarz.
Quaste: dunkelgrün.
Anmerkung: Auch nach der 1871 erfolgten Bildung der Scharfschützenbataillone wurde die dunkelgrüne Quaste für alle Kompanien und auch den Stab des Bataillons beibehalten.

Schützen
Zeitraum: ab 1875.
Vorstoss: schwarz.
Quaste: 1. Kp, grün / 2. Kp, grün-weiss / 3. Kp, gelb (orange) / 4. Kp, gelb (orange)-weiss.
Anmerkung: 1875 wurden die Scharfschützenbataillone zu Schützenbataillonen. Nun trugen deren Kompanien die gleichen Quastenfarben wie die Füsilierkompanien.
Kavallerie
Zeitraum: ab 1869.
Vorstoss: karmoisinrot.
Quaste: karmoisinrot.

Artillerie
Zeitraum: ab 1869.
Vorstoss: rot.
Quaste: rot.
Linientrain
Zeitraum: ab 1875.
Vorstoss: rot.
Quaste: weiss.
Genie
Zeitraum: ab 1869.
Vorstoss: rot.
Quaste: braun, ab 1886 schwarz. Ab 1895 zusätzlich, schwarz-weiss.

Sanität
Zeitraum: ab 1875.
Vorstoss: blau.
Quaste: blau.
Anmerkung: Bis 1875 wurde die Farbe des Vorstosses und der Quaste als kornblumenblau, ab 1875 als hellblau bezeichnet.

Verwaltung
Zeitraum: ab 1875.
Vorstoss: hellgrün.
Quaste: hellgrün.

Radfahrer
Zeitraum: ab 1891.
Vorstoss: karmoisinrot.
Quaste: Armeestab, karmoisinrot / Divisionsstab, karmoisinrot-weiss und weiss-karmoisinrot / Landwehr, weiss.
Quellen und Literatur
- Abänderungen zum Bekleidungsreglement, vom 27. April 1868.
- Beschluss des schweizerischen Bundesrathes betreffend die Kopfbedeckung für die schweizerische Armee, vom 20. Januar 1869.
- Bundesrathsbschluss betreffend Vollziehung des Bundesgesetzes über die Organisation der Scharfschützenbataillone, vom 12. Jenner 1871.
- Bekleidungsreglement für die schweizerische Armee. Beschluss des Bundesrathes vom 24. Mai 1875.
- Änderungen am Bekleidungsreglement (Schwarze Pompons für Genietruppen), vom 10. September 1886.
- Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
- Burlet, Jürg: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen, 1852-1992, Egg 1992.
- Ackermann, René: Uniformen der Schweizer Armee 1852–1874, Eine Sammlung historischer Fotografien und Vorschriften, Horw 2023.
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