Ein Löffel mit Geschichte

1816: Ein Esslöffel von General Bachmann

Im österreichischen Antiquitätenhandel ist ein Esslöffel aufgetaucht, der durch seinen ausgezeichneten Erhaltungszustand und die Qualität des gravierten Wappens besticht. Die Form des Löffels wies auf die Zeit um 1800 hin, aber er war keinem der grossen und bekannten Silberschmiedezentren Europas zuzuordnen. Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit in Internetforen konnte das Rätsel um die Löffel gelöst werden, mit einem durchaus überraschenden Ausgang – der Löffel wurde in Glarus gefertigt und gehörte niemandem anders als Niklaus Franz von Bachmann, dem ersten gesamteidgenössischen General.

Löffel, Vorderseite (Privatsammlung).
Löffel, Rückseite.

Der Löffel

Der Löffel besteht aus massivem Silber, ist 21 cm lang und wiegt 73 Gramm. Das Silber wurde zur Erhöhung der Festigkeit mit Kupfer legiert. Der Silberanteil des Löffels ist zwischen 80 – 90 Prozent. Er ist vom Silberschmied aus einem Stück Silber durch Hämmern in die Löffelform gebracht worden. Es wurden keine Tiefziehpressen oder weitere Maschinen verwendet, alles am Löffel ist Handarbeit.

Die Form des Löffels mit der beidseitig umlaufenden Dekoration heisst „Fadenmuster“, im deutschsprachigen Raum üblicherweise „Augsburger Faden“ genannt, im französischen Sprachraum heisst das Muster „Filet“. Die länglich-ovale Form der Laffe ist typisch für die Zeit um 1800, die Länge und das Gewicht des Löffels sind typisch für die Spätphase des „Ancien Regime“, also von 1780 bis 1800.

Herstellermarke «CAG» für Caspar Anton Gallati. An der unregelmässigen Ausführung ist zu erkennen, dass das umlaufende Muster am Rand (Faden) von Hand gefertigt wurde.

Die Herstellermarke «CAG» steht für Caspar Anton Gallati (1777–1851), Silberschmied in Glarus und Lachen. Das gravierte Wappen ist mit 3 Ordenssternen dekoriert. General Bachmann wurde der letzte dieser Sterne 1816 verliehen. Somit wurde die Gravur zwischen 1816 und General Bachmanns Todesjahr 1831 ausgeführt. Es ist anzunehmen, dass der Löffel zwischen 1816 und 1831 für den prominenten Kunden neu gefertigt wurde.

Interessanterweise war der Stil des Löffels zur Zeit seiner Herstellung bereits veraltet. Zentren der Schweizer Silberproduktion, insbesondere Zürich, produzierten in dieser Zeit, dem frühen Biedermeier, schon eine ganz andere Formsprache. Wir können annehmen, dass der Silberschmied wie auch sein Auftraggeber mit den Löffelformen der Zeit vertraut waren, aber gezielt auf eine Rückbesinnung auf das „Ancien Regime“ setzten.

Das gravierte Wappen.

Das Wappen

Das Wappen der Familie Bachmann ist auf dem Grosskreuz des französischen Ludwigsorden, «Ordre royal et militaire de Saint-Louis» (Königlicher und Militärischer Orden vom hl. Ludwig) aufgelegt. Das Grosskreuz des Ludwigsordens erhielt General Bachmann 1816.

Auf dem Wappen sitzt eine Adelskrone, hier die österreichische Krone für Edle. Mit der Verleihung des Österreichischen-Kaiserlichen Leopold-Ordens 1815 war die Erhebung in den österreichischen Adelsstand verbunden. Umrahmt ist das Wappen von drei Ordensbändern mit den zugehörigen Orden unter dem Wappen. Es sind dies:

Links der Orden der Heiligen Mauritius und Lazarus (italienisch Ordine dei SS. Maurizio e Lazzaro), ein Ritterorden der Herzöge von Savoyen. General Bachmann wurde 1795 Ritter dieses Ordens und erhielt 1815 das Grosskreuz.
In der Mitte der Österreichische-Kaiserliche Leopold-Orden. Das Grosskreuz zu diesem Orden wurde dem General auch 1815 verliehen.
Rechts ist das Kreuz des französischen Ludwigsorden. Niklaus Franz von Bachmann wurde 1778 Ritter dieses Ordens und erhielt, wie oben schon erwähnt, 1816 das Grosskreuz.

Die Gravur ist sehr fein, präzise und ohne Fehler ausgeführt. Sie ist ein Zeugnis für den hohen handwerklichen Standard der Zeit.

General Niklaus Franz von Bachmann

(Auszug aus dem Historischen Lexikon der Schweiz HLS).
Niklaus Franz von Bachmann (* 27. März 1740 in Näfels, † 11. Februar 1831 ebenda) war ein Schweizer Militärführer und erster Oberbefehlshaber der gesamtschweizerischen Armee.

Niklaus Franz von Bachmann in französischer Uniform. Porträt von Felix Maria Diogg 1817 (Wikipedia).

1756 trat er in den französischen Solddienst ein und stieg bis zum Oberst auf. Nach der Entlassung der Schweizer Truppen in Frankreich 1792 trat er in sardisch-piemontesische Dienste und wurde 1794 zum Generalleutnant ernannt. Er kämpfte gegen die Französische Revolution, kehrte danach in die Schweiz zurück und wurde von der Helvetischen Regierung unter Hausarrest gestellt. Später begab er sich in englische Dienste und stellte mit englischen Mitteln sein eigenes Regiment auf, um gegen die Franzosen zu kämpfen.

Im Stecklikrieg befehligte er die altgesinnten Truppen, welche in Bern die Helvetik beendeten. Damit war er 1802 der erste Oberkommandierende einer gesamtschweizerischen Armee. 1815 wählte ihn die Tagsatzung zum eidgenössischen General. Bachmann drang beim Burgunderfeldzug als einziger Schweizer Heerführer der neueren Geschichte mit Einverständnis der Tagsatzung in fremdes Territorium vor.

Zum Abschluss

Der Löffel befindet sich in österreichischem Privatbesitz. Natürlich ist er kein Einzelstück. Es ist davon auszugehen, dass er Teil eines Services von je 12 oder 24 identischen Löffeln und Gabeln war. Es ist zu hoffen, dass noch weitere Besteckteile die Zeit überdauert haben und – wer weiss -, den Weg zu einem Sammler finden.

Literatur

  • Lanz, Hanspeter: Weltliches Silber 2.
  • Internet Silber Forum: 925-1000/Forum.
  • Historisches Lexikon der Schweiz HLS.

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