1852–1874: Organisation, Bestand, Uniformierung und Bewaffnung der Infanterie
René Ackermann, veröffentlicht am 01.07.2025
Zählte man im Jahr 1870 alle Kompanien von allen Waffengattungen der Schweizer Armee, also von Infanterie, Scharfschützen, Kavallerie, Artillerie und Genie, und zwar von Bundesauszug und Bundesreserve zusammen, kam man auf insgesamt 952,5 Einheiten.
719 davon, also 75,49 % aller Kompanien der Armee, gehörten der Waffengattung Infanterie an. Mit Fug und Recht konnte das Schweizer Heer jener Zeit somit als Infanterie-Streitmacht bezeichnet werden.
Wie war diese Infanterie von 1852 bis 1874 organisiert, welche Bestände wiesen deren Einheiten auf, wie war sie bekleidet und wie bewaffnet? Fragen, die durch die nachfolgenden Zeilen beantwortet werden.

Organisation und personeller Bestand
Gemäss der Militärorganisation vom 8. Mai 1850 setzte sich die Waffengattung der Infanterie aus Füsilieren und Jägern zusammen. Ein Infanteriebataillon bestand aus einem Stab, vier Zentrums- (Füsilier-) und zwei Jägerkompanien. Im Auszug verfügte die Armee im Jahr 1853 über 74 Bataillone, 10 Halbbataillone und 7 Einzelkompanien. Im Jahr 1870 waren es dann 75 Bataillone, 9 Halbbataillone und 6 Einzelkompanien. Die Reserve bestand 1853 aus 31 Bataillonen, 10 Halbbataillonen und 15 Einzelkompanien und 1870 aus 33 Bataillonen, 8 Halbbataillonen und 14 Einzelkompanien. Die Landwehr wies im Jahr 1870 65 Bataillone, 3 Halbbataillone und 12 Einzelkompanien auf.
Mehrere Bataillone unter einem Kommando bildeten eine Infanteriebrigade. Mehrere Infanteriebrigaden unter einem Kommando bildeten eine Division. Einer solchen Division waren noch Spezialwaffen, wie Artillerie, Genie und Kavallerie beigegeben.
Ein Infanterie-Bataillonsstab bestand aus 1 Kommandanten (beritten), 1 Major (beritten), 1 Aidemajor mit Hauptmanns- oder Leutnantsgrad (beritten), 1 Quartiermeister mit Hauptmanns- oder Oberleutnantsgrad (beritten), 1 Fahnenträger mit Leutnants- oder Adjutant Unteroffiziersgrad, 1 Feldprediger mit Hauptmannsrang, 1 Bataillonsarzt mit Hauptmannsrang (beritten), 2 Unterärzten mit I. Unterleutnantsrang, 1 Adjutant Unteroffizier, 1 Stabsfourier, 1 Tambourmajor, 1 Waffenunteroffizier mit Wachtmeistersrang, 1 Wagenmeister mit Wachtmeistersrang, 2 Büchsenmachern mit Wachtmeistersrang, 1 Schneidermeister mit Wachtmeistersrang, 1 Schustermeister mit Wachtmeistersrang und 1 Profos, total 19 Mann.
Eine Füsilierkompanie bestand aus 1 Hauptmann, 1 Oberleutnant, 1 I. Unterleutnant, 1 II. Unterleutnant, 1 Feldweibel, 1 Fourier, 5 Wachtmeistern, 10 Korporalen, 1 Frater, 1 Zimmermann, 3 Tambouren und 80 bis 90 Füsilieren, total 106 bis 116 Mann.
Eine Jägerkompanie bestand aus 1 Hauptmann, 1 Oberleutnant, 1 I. Unterleutnant, 1 II. Unterleutnant, 1 Feldweibel, 1 Fourier, 5 Wachtmeistern, 10 Korporalen, 1 Frater, 1 Zimmermann, 4 Trompetern und 80 bis 90 Jägern, total 107 bis 117 Mann.

Uniformierung
1852 bestand die Uniform der Infanteristen aus einem dunkelblauen Uniformfrack mit schwalbenschwanzförmigen Schössen und dunkelblauen Hosen. Die Farbe des Kragens, der Schossaufschläge und der Vorstösse war scharlachrot. Der Frack war mit Achselklappen versehen. Den Kantonen war es jedoch gestattet, die Infanteristen mit Fransenepauletten auszurüsten. Dazu wurde ein relativ hoher, leicht konischer Tschako getragen. Die Tschakogarnituren und Uniformknöpfe glänzten silbern. Das über die Schulter getragene Lederwerk war weiss gefärbt.
Ab 1861 erfolgte eine umfassende Neuuniformierung der Infanteristen. Der bisherige Tschako wurde gegen ein etwas niedrigeres Modell getauscht. Der Uniformfrack wurde durch einen unten leicht glockenförmigen, dunkelblauen Waffenrock ersetzt. Die neuen Hosen waren von blaugrauer Farbe. Die Patronentasche und das allmählich den Säbel ablösende Bajonett wurden nun an einem geschwärzten Leibgurt getragen. 1869 wurde bei allen Truppen ein niedriger Tschako mit ringsum laufendem Rand eingeführt.
Abbildungen von Angehörigen der Infanterie aus der Zeit von 1852 bis 1874 lassen sich aufgrund ihrer hauptsächlichen Unterscheidungsmerkmale grob in drei Perioden einordnen:
- nach 1852: hoher Tschako, Uniformfrack;
- nach 1861: mittelhoher Tschako, glockenförmiger Waffenrock;
- nach 1869: niedriger Tschako.

Bewaffnung
1852 bestand die Bewaffnung der Infanteristen aus einem Perkussionsgewehr Modell 1842, Kaliber 17,5 mm, mit glattem Lauf. Ab 1856 wurden bei den Jägerkompanien das mit Zügen versehene Jägergewehr, Kaliber 10,5 mm eingeführt. Die Gewehre der Füsiliere wurden ab 1859 nach dem System Prélaz-Burnand mit Zügen versehen. Ab 1863 erhielten die Füsiliere das neue Infanteriegewehr Modell 1863, Kaliber 10,5 mm. 1867 wurden die Gewehre der Füsiliere und Jäger auf Hinterladung nach dem System Milbank-Amsler umgeändert. Ab 1870 wurden alle Infanteristen mit dem Vetterli-Repetiergewehr Modell 1869, Kaliber 10,5 mm, ausgerüstet. Bis 1868 waren in vielen Kantonen die Infanteristen zusätzlich noch mit einem einfachen Briquet-Säbel bewaffnet. Danach diente einzig noch das Bajonett als Seitenwaffe. Die nicht gewehrtragenden Stellen und Grade der Infanterie trugen ab 1869 das Faschinenmesser.
Fotografien von Soldaten aus dieser Epoche können unter der Rubrik «Fokus» betrachtet werden.
Quellen und Literatur
- Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres, vom 27.08.1852.
- Abänderungen zum Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres vom 27. August 1852. Beschluss des Bundesrathes vom 17. Jänner 1861.
- Beschluss des schweizerischen Bundesrathes betreffend die Kopfbedeckung für die schweizerische Armee, vom 20. Januar 1869.
- Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
- Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 12, Bern 1923.
- Burlet, Jürg: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen, 1852-1992, Egg 1992.
- Ackermann, René: Uniformen der Schweizer Armee 1852–1874, Eine Sammlung historischer Fotografien und Vorschriften, Horw 2023.
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