Ehre den Siegern

1847: Die Medaillen auf den Sonderbundskrieg

Nach den Freischarenzügen von 1844/45 schlossen sich die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis zu einem Schutzbündnis zusammen. Die sieben katholisch-konservativen Stände wappneten sich so gegen eine weitere Bedrohung durch die Radikalen. Dieser Bund, von den anderen Kantonen als Sonderbund bezeichnet, sah auch militärische Optionen vor. Deshalb beschäftigte er ab 1846 die eidgenössische Tagsatzung. Man verlangte seine Auflösung. Alle diesbezüglichen Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Deshalb beschloss die Tagsatzung, natürlich ohne die Zustimmung der sieben Sonderbundskantone, dieses Separatbündnis mit Waffengewalt aufzulösen. Im Spätherbst des Jahres 1847 kam es zum Krieg. Diesem einschneidenden Ereignis wurde mit mehreren Medaillen gedacht.

Gedenkmedaille auf die Beschlüsse der Tagsatzung

Gedenkmedaille auf die Beschlüsse der Tagsatzung. Kupfer, vergoldet, Ø 27,9 mm (Privatsammlung).

Am 20. Juli 1847 beschloss die Tagsatzung die Auflösung des Sonderbunds, in letzter Konsequenz auch mit Waffengewalt, zu vollziehen. Am 16. August folgte der Beschluss zur Revision des Bundesvertrages von 1815. Dieses Ansinnen hatte über lange Jahre schon die liberalen und konservativen Kantone entzweit. Am 3. September wurde schliesslich noch entschieden, die Jesuiten aus der Schweiz auszuweisen. Diese drei Tagsatzungsbeschlüsse führten dann zum Krieg. Zur Erinnerung an diese Beschlüsse wurde eine Medaille geprägt.

Gedenkmedaille auf die Waadtländer Gesandten

Gedenkmedaille auf die Waadtländer Gesandten. Zinn, Ø 27,5 mm (Privatsammlung).

Zur Erinnerung an die beiden Waadtländer Tagsatzungsgesandten Henri Druey und Jules Eytel wurde vom Lausanner Medailleur Jacob Siber eine Medaille geschaffen.

Henry Druey wurde am 12. April 1799 in Faoug als Sohn eines Gastwirts geboren. Er studierte Rechtswissenschaft und war ab 1828 als Anwalt in Moudon und ab 1830 als Waadtländer Appellationsrichter tätig. Im selben Jahr begann er als Grossrat des Kantons Waadt auch seine politische Laufbahn. Bereits 1831 wurde er in den Waadtländer Staatsrat gewählt, welchem er bis 1848 angehörte. Auf Bundesebene vertrat er 1832, 1839–1841 und 1845–1847 als Gesandter seinen Kanton in der Tagsatzung. 1848 wurde er in den ersten Bundesrat gewählt. Er verstarb am 29. März 1855 im Amt.

Jules Eytel wurde am 1. März 1817 in Vevey als Sohn eines Arbeitsinspektors geboren. Er absolvierte ein Rechtsstudium und ging von 1840 bis zu seinem Tod dem Anwaltsberuf nach. Von 1845 bis 1861 war er als Grossrat und 1862/63 als Staatsrat des Kantons Waadt tätig. In der Bundespolitik vertrat Eytel seinen Kanton von 1845 bis 1847 als Tagsatzungsdeputierter. Von 1848 bis 1851, von 1863 bis 1866 sowie von 1870 bis 1873 war er Nationalrat. 1862–1863 sass er im Ständerat. Militärisch brachte er es zum Major im Generalstab. Im Sonderbundskrieg spielte er als Hauptmann einer Waadtländer Scharfschützenkompanie im Gefecht von Bertigny eine massgebende Rolle. An vorderster Front im Einsatz stehend, wies sein Mantel danach zwei Schusslöcher auf. Jules Eytel verstarb am 24. Januar 1873 in Lausanne.

Gedenkmedaille auf die Tagsatzungsgesandten

Gedenkmedaille auf die Tagsatzungsgesandten. Zinn, Ø 27,5 mm (Privatsammlung).

Am 20. Juli 1847 wurde von der Tagsatzung mit einer Mehrheit von 12 2/2 Standesstimmen der Beschluss zur Auflösung des Sonderbunds gefasst. Für die Auflösung stimmten die Gesandten der Kantone Zürich, Bern, Glarus, Solothurn, Schaffhausen, Aargau, St. Gallen, Waadt, Genf, Graubünden, Tessin und Thurgau sowie der beiden Halbkantone Baselland und Appenzell Ausserroden. In den darauffolgenden Monaten folgten noch die Beschlüsse zur Bundesreform und zur Ausweisung der Jesuiten. Im Zusammenhang mit diesen Entscheiden erschien es etwas unangebracht, einzig die beiden Waadtländer Gesandten mit einer Medaille zu ehren (siehe vorhergehende Medaille). Deshalb wurde die ursprüngliche Medaille geringfügig angepasst. Auf der Rückseite war jetzt nicht mehr nur von den Waadtländern Druey und Eytel zu lesen. Nun war die Medaille allen Tagsatzungsgesandten der 12 2/2 Kantone gewidmet.

Spottmedaille auf Ulrich Ochsenbein

Spottmedaille auf Ulrich Ochsenbein. Kupfer, Ø 31 mm (Privatsammlung).

Ulrich Ochsenbein wurde im November 1811 in Schwarzenegg geboren. Sein Vater war als Landwirt, Pferdehändler und Gastwirt tätig. Ochsenbein absolvierte ein Rechtsstudium und führte ab 1835 ein Advokaturbüro in Nidau bei Biel. Als radikaler Berner Politiker und Offizier führte er 1845 den gescheiterten zweiten Freischarenzuges gegen Luzern an. 1845–46 war er Berner Grossrat, 1846–48 Regierungsrat und 1847–48 Vertreter Berns an der Tagsatzung. Bern war im Jahr 1847 turnusgemäss eidgenössischer Vorort. Am 1. Juni 1847 wurde Ulrich Ochsenbein Berner Regierungspräsident. In dieser Eigenschaft war er auch Präsident der Eidgenössischen Tagsatzung und, von Amtes wegen, ebenfalls Präsident des eidgenössischen Kriegsrats.

Unter seinem Präsidium beschloss die Tagsatzung den Krieg gegen den Sonderbund. In diesem kommandierte er die Reservedivision des Tagsatzungsheeres. 1848 wurde Ochsenbein in den Bundesrat gewählt, wo er das Militärdepartement führte. 1854 wurde er jedoch nicht mehr wiedergewählt. Danach lebte er als Gutsbesitzer im Seeland, diente aber 1855 als Brigadegeneral und 1871 als Divisionsgeneral für jeweils kurze Zeit in der französischen Armee. Ulrich Ochsenbein starb am 3. November 1890 in Port bei Biel.

Ochsenbein hatte in der zweiten Jahreshälfte 1847 als Berner Regierungspräsident, als Präsident der Eidgenössischen Tagsatzung und als Präsident des eidgenössischen Kriegsrats, gleichzeitig drei politisch-militärische Schlüsselfunktionen inne. Diese Machtfülle Ochsenbeins behagte nicht allen Zeitgenossen. Dies manifestierte sich in einer auf ihn herausgegebenen Spottmedaille.

Das sich oben auf der Medaillenrückseite befindliche hebräische Wort JEHOVA steht im Alten Testament für den Namen Gottes. Mit dem unten stehenden FRIEDEN AUF ERDEN UND DEM MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN lässt sich der aus dem Lukas-Evangelium 2,14 bekannte Satz «Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen» lesen. Von Friede konnte natürlich nach dem Kriegsbeschluss keine Rede sein. Dass die Bezeichnung «DEM Menschen» statt «den Menschen» gewählt wurde, bedeutet möglicherweise, dass speziell eine Person, nämlich Ochsenbein, an dem Erreichten seinen Wohlgefallen hatte. Das sogenannte Auge Gottes steht somit, wie auch das die Dreifaltigkeit symbolisierende Dreieck und die Lorbeerzweige, für die scheinbar erreichte Allmacht Ochsenbeins.

Genfer Verdienstmedaille mit französischem Text

Genfer Verdienstmedaille mit französischem Text. Silber, Ø 37,4 mm (Privatsammlung).

Im Sommer 1847 beschloss die eidgenössische Tagsatzung, den Sonderbund mit Waffengewalt aufzulösen. Sie mobilisierte dafür 100 000 Mann. Die Sonderbundskantone stellten sich mit 80 000 Mann dagegen. Im November 1847 führte General Guillaume Henri Dufour die eidgenössischen Truppen zu einem schnellen und relativ unblutigen Sieg. Der Medailleur Antoine Bovy prägte daraufhin im Frühjahr 1848 eine Erinnerungsmedaille. Im April desselben Jahres entschied die Genfer Regierung, diese Medaille allen Genfer Teilnehmern an diesem Feldzug zukommen zu lassen. Das Genfer Truppenkontingent im Sonderbundsfeldzug betrug 2284 Mann. Die Medaille wurde zusammen mit einer Dankesurkunde abgegeben.

Bovy nutzte zur Herstellung der Medaille die damals neuste Technik. Er verfügte als Vorlage für die Gravur über eine fotografische Aufnahme Dufours, eine so genannte Daguerreotypie. Diese war im Dezember 1847 in Bern hergestellt worden. Dufour äusserte sich in einem Brief an seine Familie dazu wie folgt: «Voici ces horreurs de daguerréotypes qui m’ont été demandés pour la médaille que Mons. Bovy se propose de faire. […] Les daguerréotypes me donnent 10 à 15 ans de plus. […]»

Genfer Verdienstmedaille mit deutschem Text

Genfer Verdienstmedaille mit fehlerhaftem deutschem Text. Kupfer, Ø 37,1 mm (Privatsammlung).

Die von Bovy hergestellte Medaille existiert auch in einer deutschsprachigen Version. Welches die Beweggründe waren, eine solche Variante herzustellen ist nicht bekannt. Möglicherweise wurde sie zum käuflichen Erwerb durch Soldaten und weitere Interessierte aus deutschsprachigen Kantonen fabriziert. Das ganze schien eine ziemlich übereilte Angelegenheit gewesen zu sein. Eine seriöse Überprüfung des deutschen Textes hat jedenfalls nicht stattgefunden. Denn neben der recht holprigen Inschrift auf der Vorderseite, weist die Medaille auf der Rückseite auch noch den Textfehler BESCHLSHABER statt BEFEHLSHABER auf.

Gedenkmedaille mit den Kapitulationsdaten

Gedenkmedaille mit den Kapitulationsdaten. Zinn, Ø 35,8 mm (Privatsammlung).

Kurz nach dem Krieg wurden noch verschiedene weitere Gedenkmedaillen hergestellt. Eine vom Medailleur Jacob Siber hergestellte Medaille erinnerte an die Schlüsseldaten des Waffengangs.

Gedenkmedaille mit Waffentrophäe

Gedenkmedaille mit Waffentrophäe. Zinn, Ø 41 mm (Privatsammlung).

Dem damaligen Kriegsgebrauch entsprechend, wurden von den Siegern auch Trophäen gesammelt. Dabei handelte sich um allerlei Beutestücke, die als Siegeszeichen verwendet werden konnten. Als wertvollste Trophäen galten Fahnen und Trommeln. Aber auch Waffen und weitere Ausrüstungsgegenstände, welche die gegnerische Partei im Kampf benutzt hatte, wurden mitgenommen. Insbesondere veraltete, nunmehr exotisch anmutende Waffen wie Morgensterne, Kriegssensen, Schwerter und Hellebarden fanden dabei Gefallen bei den Siegern. Damit wollte man denen zuhause zeigen, wie rückständig die Kantone des Sonderbundes seien. Allerdings waren die regulären Truppen des Sonderbundes in genau gleicher Art und Weise bewaffnet und ausgerüstet wie die eidgenössische Armee. Einzig die Masse der aufgebotenen Innerschweizer Landstürmer war mit allem bewaffnet, was sich irgendwie dazu eignete. Eine Medaille zeigt eine solche Trophäensammlung.

Gedenkmedaille auf die siegreichen Eidgenossen

Gedenkmedaille auf die siegreichen Eidgenossen. Silber, Ø 28 mm (Privatsammlung).

Nach der Auflösung des Sonderbunds durch die Tagsatzungsarmee wurde auch im besiegten Luzern eine Medaille auf die siegreichen Eidgenossen geprägt. Als Auftraggeber können wohl dortige liberale Parteigänger angenommen werden.

Uhrenschlüssel mit dem Porträt General Dufours

Uhrenschlüssel mit Hüftbild Dufours. Gold, Ø 27 mm (Privatsammlung).

Nach dem Sonderbundskrieg wurde General Guillaume Henri Dufour überall hoch geachtet. Viele Leute wollten zur Erinnerung sein Porträt besitzen. Zu diesem Zweck wurden auch Medaillen geprägt, die dann zu Uhrenschlüsselchen verarbeitet wurden. Denn die damals gebräuchlichen Taschenuhren mussten noch mit einem solchen aufgezogen werden. Die untere Fassung dieser Medaillen weist eine Bohrung mit Gewinde auf. Dies ermöglichte den Austausch des eisernen Vierkantröhrchens, welches zum Aufziehen der Taschenuhr diente.

Uhrenschlüssel mit Porträt Dufours nach rechts. Silber, Ø 26,7 mm (Privatsammlung).
Uhrenschlüssel mit Porträt Dufours nach links. Zinn, Abguss, Ø 23 mm (Privatsammlung).

Gedenkmedaillon

Gedenkmedaillon auf General Dufour. Bronze, gegossen, einseitig, mit Aufhängeöse, Ø 100,8 mm (Privatsammlung).

Nicht nur kleine Medaillen für Uhrenketten, sondern auch grössere Schaustücke dienten der Verehrung von General Guillaume Henri Dufour. Der taubstumme Genfer Künstler Louis Nicolas Veillard stellte 1848 ein grosses Wachsmedaillon mit dem Porträt des Generals her. In der Presse inserierte er dazu wie folgt: «PORTRAIT DE Son excellence le Général DUFOUR, modelé d’après nature en trois séances Par VEILLARD, sourd-muet, Auteur des portraits, d’aprés nature, de S. M. Louis XVIII, Roi de France; S. M. Charles-Albert, Roi de Sardaigne; S. M. Marie-Christine, Reine douairière de Sardaigne, etc. Se trouve chez l’Auteur, graveur sur pierres fines et métaux, ancien pensionnaire du Gouvernement impérial français, Demeurant place de la Fusterie, No 76, à Genève. Prix: 1 fr. de France». Basierend auf diesem Wachsmedaillon wurden kurz darauf dann auch Medaillons in Bronze und Kupfer gegossen.

Quellen und Literatur

Der Artikel basiert auf einem vom Autor dieses Beitrags herausgegebenen Katalog schweizerischer Militärmedaillen. Darin finden sich auch die detaillierten Quellenangaben.
Ackermann, René: Seinen tapferen Soehnen das dankbare Vaterland, Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Horw 2024.

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