1712: Die Medaillen auf den zweiten Villmerger Krieg
René Ackermann, veröffentlicht am 29.08.2025
Lange schwelende Religions- und Autonomiezwistigkeiten schürten Unfrieden zwischen den katholischen und reformierten Orten der Eidgenossenschaft. Aus einem Streit über das sankt-gallische Toggenburg entbrannte 1712 ein Krieg. In einem siegreichen Feldzug gegen den Fürstabt von St. Gallen nahmen die Zürcher Truppen Wil ein. Daneben wandten sich die Berner und Zürcher Heere vor allem dem Aargau zu. Denn dort trennten die katholischen Freien Ämter und die Grafschaft Baden die Territorien der beiden führenden reformierten Mächte. Die Zürcher eroberten Kaiserstuhl und anschliessend Klingnau. Den Bernern fielen Mellingen und Bremgarten in die Hände. Am 1. Juni schliesslich kapitulierte auch Baden vor den vereinigten Heeren von Zürich und Bern.
Eine Medaille sorgt für Zoff
Zur Erinnerung an diesen Feldzug liess die Zürcher Regierung eine Gedenkmedaille prägen. Mit der Herstellung wurde der Zürcher Münzmeister Hans Jakob Gessner (* 1677 Zürich, † 1737 Zürich) beauftragt. Die dabei für die Medaille gewählte umlaufende Legende «VNITI CRESCVNT SPLENDORE LEONIBVS VRSI» (Vereint mit den Löwen wächst der Ruhm der Bären) führte allerdings zu einiger Verstimmung zwischen den beiden Siegermächten Bern (die Bären) und Zürich (die Löwen). Denn Bern beanstandete diese Formulierung als für die Berner schimpflich und als grobe Verzerrung der Tatsachen. Bern betrachtete sich nämlich ganz und gar nicht als Juniorpartner, dessen Ruhm erst durch die Zusammenarbeit mit den Zürchern wuchs. In der Folge sind diese Medaillen zurückgezogen worden.

Die eine Seite der Medaille zeigt links einen Löwen mit dem Zürcher Wappenschild und rechts einen Bären mit dem Berner Wappenschild. Beide Wappentiere halten je ein Schwert empor. Darüber befindet sich eine strahlende Sonne. Unten links ist die Signatur des Münzmeisters «HIG» angebracht. Auf der umlaufenden Legende steht «HOC DVCE PVGNAMVS» (Mit diesem Führer kämpfen wir).
Auf der anderen Seite sieht man eine aus Waffen und Fahnen bestehende Trophäe. Diese zeigt im Zentrum einen Halbharnisch mit aufgesetztem, federgeschmücktem Helm. Hinter dem Helm befindet sich ein ovaler Schild, der mit den Fahnen der sechs eroberten Städte Kaiserstuhl, Bremgarten, Wil, Baden, Mellingen und Klingnau besteckt ist. Im unteren Bereich sind Hieb- und Stichwaffen, ein Mörser und ein Kanonenrohr sowie Kugeln angehäuft. Ganz unten findet sich die Jahreszahl «M DCCXII» (1712). Auf der umlaufenden Legende steht das oben beschriebene «VNITI CRESCVNT SPLENDORE LEONIBVS VRSI».
Die Medaille hat einen Durchmesser von 50 mm. Sie wurde in Gold und Silber hergestellt. Als Entstehungszeitpunkt können Juni oder Juli 1712 angesehen werden. Gegen einen späteren Zeitpunkt spricht, dass auf der Medaille die Fahne der am 1. August 1712 eroberten Stadt Rapperswil fehlt. Wäre die Medaille nach diesem Ereignis geprägt worden, wäre diese Trophäe sicherlich auch abgebildet worden.
Vier zusätzliche Medaillen
Im Freiamt hatten Truppenaufgebote aus den katholischen Innerschweizer Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug gegen die Heere der Zürcher und Berner gekämpft. Bei den im Juli 1712 stattgefundenen Friedensverhandlungen, konnten sich die Innerschweizer Regierungen nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Unter dem Druck des Landvolks zog man schliesslich wieder ins Feld. Nach verschiedenen kleineren Einzelgefechten kam es am 25. Juli 1712 zur entscheidenden Schlacht bei Villmergen. Die Innerschweizer Truppenaufgebote wurden dabei von den Bernern vernichtend geschlagen. Wenige Tage danach, am 1. August, eroberten die Zürcher noch die Stadt Rapperswil. Am 11. August 1712 wurde in Aarau Frieden geschlossen.
In der Folge wurden Medaillen hergestellt, die auch noch die Rapperswiler Fahne in der Trophäe abbildeten. Natürlich wurde nun auch noch die bei der vorhergehenden Medaille beanstandete Umschrift geändert. Nun lautete sie «VNITI CRESCVNT SPLENDORE LEONES ET VRSI». Das kann mit «Vereint wächst der Ruhm der Löwen und der Bären» übersetzt werden. Von dieser Medaille existieren noch drei weitere, sehr ähnliche Varianten. Die Rückseiten all dieser Medaillen sind identisch. Die Vorderseiten unterscheiden sich einzig in Details der Waffentrophäe. Weshalb diese Varianten hergestellt worden sind, ist nicht bekannt. Möglicherweise waren Brüche der Prägestempel der Grund.




Dasselbe in Klein
Neben den grossen Medaillen liess die Zürcher Regierung auch noch eine kleinere Version herstellen. Die Vorder- und Rückseitensujets entsprachen denjenigen der grossen Medaille. Die Medaille mit einem Durchmesser von 34 mm wurde in Gold, Silber und Kupfer gefertigt.

Berner Verdienstmedaille
Aufgrund eines Bündnisvertrags wurde Bern bei diesem Feldzug von der Stadt Genf mit Truppen unterstützt. Ein erstes, aus drei Kompanien zu je 100 Mann bestehendes Detachement Genfer Truppen nahm an den Kampfhandlungen aktiv teil. Ein etwas später entsandtes, ebenfalls drei Kompanien starkes zweites Detachement erreichte den Ort des Geschehens erst nach Abschluss der Kämpfe. Auch die mit Bern verburgrechtete Talschaft Moutier-Grandval (Münstertal) entsandte 600 Mann als Unterstützung. Als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit bedachte Bern die Offiziere und Unteroffiziere all dieser Sukkurstruppen mit einer eigenen, durch Justin de Beyer (* 1671 Basel, † 1738 Basel) hergestellten Medaille.
Allerdings sah sich Bern, was die Grösse und das Gewicht der herzustellenden Medaillen betraf, etwas herausgefordert. Denn einige Jahre zuvor, von 1692 bis 1697, standen Berner Truppen zum Grenzschutz in Genf im Einsatz. Die Genfer Regierung belohnte damals die Berner Offiziere und Unteroffiziere ebenfalls mit Medaillen. Nun wollte Bern, was den Wert seiner geplanten Belohnungsmedaillen betraf, auf keinen Fall hinter Genf zurückstehen. Der Sekretär des bernischen Kleinen Rates sandte deshalb Ende 1712 ein Schreiben an einen 1697 in Genf im Einsatz gestanden, hohen Berner Offizier. Darin bat er diesen, der Berner Regierung einige der damals zur Verteilung gelangten Genfer Medaillen, zusammen mit einer genauen Beschreibung derselben, zukommen zu lassen. Die dann von Bern hergestellten und per Kurier nach Genf gesandten bernischen Medaillen erreichten die Rhonestadt im März 1713.
Da die Offiziere und Unteroffiziere des ersten Genfer Detachements an den Kampfhandlungen teilgenommen hatten, erhielten sie höherwertige Medaillen als die Kader des zweiten Detachements. Insgesamt gingen 21 goldene und 24 silberne Medaillen an die Genfer Offiziere und Unteroffiziere. Von den Münstertaler Truppen wurden 200 Mann an der Grenze zum Kanton Freiburg stationiert. Eine Einheit ging nach Villmergen und eine weitere ins Berner Oberland. Wie viele Medaillen an diese Offiziere und Unteroffiziere gingen ist nicht bekannt.

Die Vorderseite der Medaille zeigt einen Obelisken, auf dessen Sockel ein gekröntes Berner Wappen angebracht ist. Den mit Blattranken geschmückten pyramidenförmigen Oberteil zieren zwei gekreuzte Harsthörner. Hinter dem Obelisken befindet sich eine aus Fahnen, Blank- und Stangenwaffen, Kanonenrohren, Lafetten, Kugeln, Trommeln usw. bestehende Trophäe. Im Vordergrund sind die ovalen Wappenschilde der sechs eroberten Orte Kaiserstuhl, Baden, Mellingen, Bremgarten, Klingnau und Rapperswil zu sehen. Links findet sich die Signatur «I. DB. F.» Ganz unten steht auf drei Zeilen «VICTOR. AD BREMOGART. D. XXVI. MAI / AD VILMERG. D. XXV. IVLY. / M.DCC.XII» (Sieg zu Bremgarten den 26. Mai / zu Villmergen den 25. Juli / 1712). Die umlaufende Legende lautet «INDVLGENTIA SVPREMI NVMINIS» (Durch die Gnade des Allerhöchsten).
Auf der Rückseite dominiert ein aufrecht stehender, nach rechts schauender Bär mit Brustpanzerung und umgegürtetem Schweizerdolch. In der rechten Tatze hält er ein mit der Spitze am Boden stehendes Schwert, an dessen Parierstange zwei Lorbeerkränze hängen. Im linken Arm hält er ein mit seiner Öffnung nach unten gerichtetes Füllhorn, aus dessen Innerem Münzen, Blumen usw. fallen. Unten ist die Signatur des Medailleurs «DE BEYER. FEC.» angebracht. Die umlaufende Legende lautet «STRENVIS MILITIBVS» (An die tapferen Soldaten).
Die Medaille weist einen Durchmesser von 56 mm auf. Sie wurde in Gold, in vergoldetem Silber, in Silber und in Kupfer hergestellt.
Die Friedensschlüsse
Durch den Friedensschluss von 1712 in Aarau wurden die Feindseligkeiten zwischen den beiden grossen reformierten Orten und den katholischen Innerschweizern beendet. 1718 folgte dann in Baden auch noch der offizielle Friedensschluss von Zürich und Bern mit dem Fürstabt von St. Gallen. Diesen Ereignissen wurde mit einer, wohl wiederum durch Hans Jakob Gessner hergestellten Medaille gedacht. Die Medaille hat einen Durchmesser von 38 mm. Sie existiert in Gold, vergoldetem Silber, Silber und Kupfer.

Die eine Seite der Medaille zeigt die drei Wappen von Bern, Zürich und der Abtei St. Gallen auf Volutenkartuschen abgebildet. Sie werden durch zwei verschränkte, aus Wolken hervorkommende Hände an Bändern zusammen gehalten. Darunter steht auf vier Zeilen «PAC. BAD. CONCL. ET. SIGN / TIG. ET. BERN. CVM. ABB / S. GALLI. D 15. IVN / 1718» (Frieden zu Baden beschlossen und unterzeichnet / durch Zürich und Bern mit dem Abt / von St. Gallen den 15. Juni / 1718).
Die andere Seite zeigt einen halben Wappenkreis mit den ovalen Wappen der sieben am Krieg beteiligten Orte Unterwalden, Uri, Bern, Zürich, Luzern, Schwyz und Zug. Darunter, im Zentrum der Medaille, sitzt Minerva mit einem Ölzweig in der rechten und einem Palmzweig in der linken Hand. Am Boden verstreut liegen Waffen. Unten steht auf vier Zeilen «PAC. AROV. HELV. CONCL. / ET. SIGN. DD. 18. IUL / 9. ET. 11. AVG. / 1712» (Frieden zu Aarau durch die Eidgenossen beschlossen / und unterzeichnet den 18. Juli / 9. und 11. August / 1712).
Quellen und Literatur
- Haller, Gottlieb Emanuel von: Schweizerisches Münz- und Medaillenkabinett, 1. Teil, Bern 1780.
- Félalime, Robert: La Genève de mes ancêtres, Genève 1979.
- Ackermann, René: Seinen tapferen Soehnen das dankbare Vaterland, Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Horw 2024.
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