1600-1900: Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz
René Ackermann, veröffentlicht am 13.03.2026
Vortrag des Autors, gehalten am 13. März 2026, anlässlich der Generalversammlung des Numismatischen Vereins Zürich.

«Sehr geehrte Damen und Herren
Der Präsident des Numismatischen Vereins Zürich, Herr Ruedi Kunzmann, hat mich eingeladen, an der diesjährigen Generalversammlung einen Vortrag zu halten. Es ehrt mich sehr, vor so einem illustren und fachkundigen Publikum etwas über Schweizer Militärmedaillen erzählen zu dürfen. Ich bin der Autor eines entsprechenden Kataloges. Der Titel dieses Katalogs lautet: ‹Seinen tapferen Söhnen, das dankbare Vaterland; Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz des 17., 18. und 19. Jahrhunderts›.
Herr Kunzmann meinte, für die Ausschreibung der GV und meines daran anschliessenden Vortrags, wäre es besser, einen etwas kürzeren Titel zu verwenden. Darum habe ich, passend zum Thema, eine militärische Titelbezeichnung gewählt. Sie wissen ja, beim Militär werden haufenweise Abkürzungen verwendet.
Also heisst mein Vortrag nun ‹CH Mil Med 17 19›. Doch keine Angst, meine Damen und Herren, das ist auch schon das einzig militärische, das ich heute Abend von mir gebe. Denn schon als ich die Einladung von Herrn Kunzmann annahm, war mir durchaus bewusst, dass Medaillen und das Thema ‹Militär›, wohl nicht alle Leute im Publikum ansprechen dürften. Darum habe ich, um diesen Vortrag vorzubereiten, in den sozialen Medien recherchiert. Ich wollte herausfinden, welche Themen heutzutage wirklich interessieren.
Und deshalb befasse mich im Folgenden mit diesen sieben Bereichen:
– Frisuren;
– Ehe;
– LV, DG, CC & Co.;
– Tierwelt;
– Verhütung;
– Influencerinnen;
– Männer.
Beginnen wir mit dem Thema Frisuren.
Frisuren
Bei diesem Stichwort denkt man automatisch an Frauen. Denn bekanntlich tragen Männer Haare und Frauen Frisuren auf dem Kopf. Hier gilt es allerdings eine Einschränkung zu machen. Da die auf Militärmedaillen abgebildeten Frauen zumeist einen Helm, einen Kranz oder einen Schleier tragen, können keine sehr aussagekräftigen Angaben zu den Frisuren dieser Damen gemacht werden. Deshalb müssen wir uns auf die Haarpracht der Männer konzentrieren. Betrachten wir einmal die auf den Medaillen abgebildeten Männerfrisuren in chronologischer Reihenfolge.

Starten wir mit dem damals für seine Schönheit weitherum berühmten, französischen Diplomaten und ausserdem Befehlshaber der Schweizer Söldner in königlich französischen Diensten, Generaloberst François de Bassompierre. Die Lockenpracht die er da 1633 zeigt war schon eindrücklich. Kein Wunder war er damals der Liebling aller Frauen. Das Onduliereisen hat ihn wahrscheinlich täglich begleitet. 30 Jahre später, sehen wir ein Beispiel aus der Schweiz.

Wir sehen hier General Hans Rudolf Werdmüller. Das ist der, dem Conrad Ferdinand Meyer mit seiner Novelle, ‹Der Schuss von der Kanzel›, ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Auch Werdmüller gab sich ganz offensichtlich Mühe mit seinen Haaren.

Wollte man zu der Zeit nicht den halben Tag mit dem Frisieren beschäftigt sein, blieb nur eins, man legte sich eine entsprechende Perücke zu. Vor allem der französische König Louis XIV, der Sonnenkönig, gab hier den guten Ton vor. In der Schweiz folgte man dessen Beispiel. Was der Zürcher Generalfeldmarschall in österreichischen Diensten, Heinrich Bürkli, übrigens der einzige Schweizer der jemals diesen höchsten aller militärischen Grade erreicht hat, …

… der Berner Oberkommandierende im 2. Villmergerkrieg von 1712 und nachmalige Schultheiss Samuel Frisching, …

… und der Waadtländer Generalleutnant Jean de Sacconay zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf dem Kopf trugen, war damals durchaus ‹state of the art›.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Perücken dann wieder etwas weniger pompös getragen, wie man es deutlich am Beispiel des französischen Königs Louis XV, auf dieser Medaille von 1740 zu den Unruhen im Bistum Basel sehen kann, …

… bis sie dann nach 1789, nach der französischen Revolution, nach und nach verschwunden sind. Perücken und Zöpfe wurden entsorgt bzw. abgeschnitten. Manchmal, Sie wissen es, auch mitsamt den daran hängenden Köpfen. Die natürliche Haarpracht wurde nun wieder gezeigt. Ein schönes Beispiel dieser Übergangszeit bietet General Brune, der 1798 die Schweiz eroberte. Auf dieser Medaille trägt er zwar noch den alten Zopf, zeigt aber bereits auch seine natürliche Sturmfrisur.

Manchmal waren die Männer dann allerdings genötigt, gewisse Fehlstellen durch geschicktes nach vorne Kämmen der Resthaare zu kaschieren. Das tat dem Renommee von General Dufour, dem Sieger des Sonderbundskrieges von 1847, Mitbegründer des Internationalen Roten Kreuzes, und berühmten Kartographen allerdings keinen Abbruch.

Und wenn es oben auf dem Kopf nichts mehr weiter zu optimieren gab, so gab es ja noch den Bart, mit dem man sich brüsten konnte. Der machte auf der Medaille schon was her, dieser Emil Frey, der Basler Teilnehmer am amerikanischen Bürgerkrieg und in der Folge Gefangener von Gettysburg, der zurück in der Schweiz Karriere machte und es bis zum Brigadekommandanten und Bundesrat brachte.

Anhand von Münzen und Medaillen, kann man heute noch die Frisuren- und Barttrends vergangener Zeiten ziemlich klar nachvollziehen. Man stellt so auch fest, dass bezüglich der Haartracht vieles immer mal wieder hervorkommt. General Hans Herzog, der die schweizerische Grenzbesetzung von 1870/71 während des deutsch-französischen Krieges so überaus souverän geleitet hat, würde heutzutage mit seiner Frisur keinerlei Aufsehen erregen. Kommen wir zum nächsten Thema.
Ehe
Meine Damen und Herren, der alte Witz vom Töchterchen das seine Mutter fragt, was denn Ehe heisse, kennt wohl jeder. Die Antwort der Mutter, Ehe sei die Abkürzung für ‹errare human est›, Irren ist menschlich, wollen wir im Folgenden aufnehmen. Wir widmen uns nun einigen Irrtümern und Missgeschicken auf Medaillen.

Dass auch absolute Koryphäen nicht vor Missgeschicken gefeit waren, sehen wir auf dieser Medaille. Bovy, der hochberühmte, hochgelobte Genfer Medailleur Bovy, stellte 1848 diese Medaille auf General Dufour her. General Dufour, der ‹Beschlshaber› der eidgenössischen Truppen im Sonderbundskrieg. Der Text dieser Genfer Medaille wurde vor dem Prägen wahrscheinlich nicht gegengelesen. Ist ja auch verständlich, in Genf gab es ja keine deutschsprechenden Personen, die man hätte um Rat fragen können.

Auch dieser Medaille auf die Internierung der Bourbaki-Armee während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 hätte eine seriöse Überprüfung vor der Prägung nicht geschadet. Der französische Medailleur stellte die Helvetia dar, wie sie dem halbnackten gallischen, französischen Krieger die Hand zur Aufnahme bietet. Aber da die Schweiz so weit weg von Frankreich liegt, so in der Nähe der hinteren Mongolei, kannte der Künstler das Schweizer Wappen augenscheinlich nur so vom Hörensagen. Rot, weiss und ein Kreuz, das wusste er. Was er dann in den Stempel gravierte, entsprach genau diesem Wissen. Leider war es dann aber nicht das Schweizer Wappen, sondern das Wappen der italienischen Stadt Genua, das da so prominent neben der Helvetia zu sehen ist.

Und da gab es auch noch eine Medaille, die beinahe eine Staatsaffäre ausgelöst hat. 1712, im 2. Villmergerkrieg, besiegten bekanntlich die Heere der Zürcher und Berner die Innerschweizer Truppen. Darauf liessen die Zürcher Siegesmedaillen prägen. Auf denen stand in lateinischer Sprache: ‹Vereint mit den Löwen wächst der Ruhm der Bären›. Also, nur wenn sich die Berner, die Bären, mit den Zürchern, den Löwen, zusammentun, sind die Berner erfolgreich.
Ohä!, das kam bei den Bernern nun aber ganz und gar nicht gut an. Diese sahen sich nämlich überhaupt nicht in der Rolle des Juniorpartners der Zürcher. Bern wurde deshalb bei den Zürchern vorstellig und verlangte nachdrücklich eine Änderung des Textes. Den Zürchern blieb nichts anderes übrig, als den Text anzupassen. Auf weiteren Varianten der Medaille, wie wir hier eine sehen, stand dann: ‹Vereint wächst der Ruhm der Löwen und der Bären›. So waren nun beide Siegermächte glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, so ‹lieben› sie sich heute noch.

Nachdem wir nun von ‹Ehe› gesprochen haben, müssen wir natürlich auch von der Treue reden. Frauen legen Wert auf die Treue der Männer. Die Armee, man beachte den weiblichen Artikel ‹die› Armee, hatte diese Treue ebenso auf ihre Fahne geschrieben. ‹Treue› war um das Jahr 1800 im Schweizer Militärwesen ein viel bemühter Begriff. Und wenn Treue alleine nicht reichte, kam auch noch ‹Ehre› dazu. Wie hier auf der eisernen ‹Treue und Ehre›-Medaille von 1792 bzw. 1817.
Diese wurde den Schweizer Gardisten die 1792 den französischen König verteidigten – und überlebten – im Jahr 1817 von der Tagsatzung als Zeichen der Erkenntlichkeit überreicht. Zur Erinnerung an die Toten wurde ja dann das Löwendenkmal in Luzern geschaffen. Von dem sagte einmal der amerikanische Schriftsteller Mark Twain, – Sie wissen, der von Tom Sawyer und Huckleberry Finn – dabei handle es sich um das ‹traurigste und bewegendste Stück Stein der Welt›. Wenn Sie einmal in die schönste Stadt der Schweiz, also nach Luzern kommen, gehen Sie dieses Denkmal anschauen. Es lohnt sich. So, nun wäre auch diese, von Luzern Tourismus gewünschte Werbeeinblendung angebracht, – nächstes Kapitel!
LV, D&G, CC & Co.
Meine Damen, ich bin überzeugt, Ihnen allen sagen diese Abkürzungen etwas und wecken gewisse Begehrlichkeiten. Bei den Herren bin ich mir da nicht so sicher. Zumeist merken diese nämlich erst – um wieder einmal überholte Geschlechterklischees zu bedienen – wenn es um das Zücken des Portemonnaies geht, wofür diese Kürzel stehen. Doch wir befassen uns jetzt nicht mit Louis Vuitton, Dolce und Gabbana und Coco Chanel, sondern mit dem Co. Co. steht hier nämlich nicht für Companie, sondern für Copie. So wie es Kopien von Markenartikeln gibt, gab es auch Kopien und Plagiate von Medaillen. Kopiert wird und wurde was begehrt war.

Und die Medaille, die man zu ihrer Zeit unbedingt haben musste, war die berühmteste aller Schweizer Militärmedaillen, die Medaille die selbst Militärmedaillen-Laien kennen, die ‹Treue und Ehre›-Medaille von 1815. Diese wurde den aus französischen Diensten zurückgekehrten Schweizer Regimentern von der Tagsatzung verliehen. Die Inschrift bezieht sich darauf, dass diese Schweizer Truppen nach Napoleons Rückkehr von Elba, nicht zu diesem überliefen. Sie blieben ihrem, König Louis XVIII, gegebenen Eid treu und hielten so ihre Ehre hoch. Diese und die vorhergehende Medaille von 1792 sind die einzigen, gesamteidgenössischen, vom eidgenössischen ‹Parlament›, der Tagsatzung, je verliehenen militärischen Verdienstmedaillen. Wer sie besass, stand in höchstem Ansehen.

Deshalb wurden schon kurz nach ihrer Verleihung Kopien gefertigt. Teilweise unterschieden sich diese Kopien nur geringfügig vom Original. Es gab aber auch Stücke, die deutliche Abweichungen aufwiesen. Alle diese Kopien stammen jedoch aus der Zeit. Sie sind, obwohl Fake, historische Artefakte und deshalb genauso sammelwürdig wie die Originalmedaillen.

Im Bereich der Militärmedaillen kamen auch Plagiate vor, also der Raub von geistigem Eigentum. Schauen Sie einmal diese Medaille von Ulysse Landry an. Er stellte sie auf die Humanität der Schweiz bei der Aufnahme der Bourbaki-Soldaten 1871 her. In der Presse wurde der Medailleur für dieses Sujet gefeiert. Diese Gestik, diese starke Aussage. Toll!

Dumm nur, dass Landry dieses Sujet nicht selbst entworfen, sondern von einer Medaille des französischen Graveurs Andrieu aus dem Jahr 1815 beinahe 1 zu 1 übernommen hat.

Und wenn Sie die Vorlage zu dieser Medaille der Artillerie-Rekrutenschule von 1896 in Bière sehen wollen, so brauchen Sie bloss einen Blick in Ihr Portemonnaie zu werfen. Wir kommen zum nächsten Thema.
Tierwelt
Meine Damen und Herren, ich weiss, die meisten von Ihnen haben ein Haustier zuhause. Sei es eine Katze, ein Hund, ein Pferd, ein Meerschweinchen, einen Vogel, eine Schlange oder wer weiss was alles noch. Deshalb dürfen wir die Tierwelt heute Abend keinesfalls ausser Acht lassen. Auch auf unseren Militärmedaillen wurden Tiere abgebildet. Beginnen wir mit Katzen. Wenn auch mit etwas grösseren als diejenigen, welche uns normalerweise zuhause um die Beine streichen und lautstark nach Futter verlangen.

Wir sind hier in Zürich, also was liegt näher, als mit der Zürcher Grosskatze, dem Zürileu zu beginnen. Auf vielen Zürcher Medaillen findet sich dieses imposante Wappentier. Manchmal sogar gleich paarweise, wie auf dieser Medaille von 1795 zum Stäfner Handel. Damals liess die Zürcher Regierung die aufmüpfige Seegemeinde Stäfa mit Truppen besetzen und die Rädelsführer hinrichten. So ein toller Sieg, da müssen wir auch mit der Medaille zeigen, wie stark, wie durchsetzungsfähig wir sind. Der Zürcher Leu verkörpert Kraft, Wehrhaftigkeit und Mut.

Doch, so wie es auf dieser Medaille zum Bockenkrieg von 1804 wohl ungewollt den Eindruck macht, auch eine gewisse Müdigkeit oder gar Verdrossenheit. Und das, obwohl es damals in der Stadt Zürich noch kaum Probleme mit der vergeblichen Suche nach einem Parkplatz gegeben hat.

Doch nicht nur Zürich bediente sich des Löwen. Nein, auch ein Kanton, vom dem man eher erwartet hätte, dass er sich etwa einen Steinbock oder noch eher ein Murmeltier als Schildhalter ausgesucht hätte. Wir sprechen von Nidwalden. 1845, nach dem Sieg über die Freischaren, hielten es die hohen Herren in Stans für angebracht, Ihren Offizieren Dankesmedaillen zu überreichen. Und für solch hehre Zwecke eignen sich Löwen nun halt mal besser Murmeltiere.

Was den Zürchern der Leu, ist den Bernern der Bär. Hier auf einer Medaille zum 2. Villmergerkrieg 1712. Darauf ist etwas ganz Erstaunliches abgebildet. Denn sehen Sie was dieser Berner Bär macht? Er verteilt aus seinem Füllhorn grosszügig Geld, Schmuck und andere Wertsachen. Wir stellen fest, früher war Bern noch vermögend, das Geld floss in Strömen. Heute allerdings, nimmt der Berner Bär ja noch so gerne die Gelder der Zürcher, Zuger, Schwyzer, Nidwaldner und anderer finanzstarker Kantone entgegen. Dem Nationalen Finanzausgleich sei Dank!

Was kreucht und fleucht sonst noch auf den Medaillen? Da haben wir einmal den Adler. Vor allem in der Westschweiz stand dieser hoch im Kurs. Als Genfer Wappentier durfte er auf einer Medaille zum 1879 in Genf stattfindenden eidgenössischen Unteroffiziersfest natürlich nicht fehlen.

Dann die Schlange. Leider kommt dieses wunderschöne Tier auf den Medaillen praktisch immer nur in negativem Zusammenhang vor. Auf dieser Zürcher Medaille zum Bockenkrieg von 1804 wird sie als die Schlange der Zwietracht dem Feuertod übergeben. Heutzutage würde wegen dieser Darstellung sicherlich der Schweizer Tierschutzverein beim verantwortlichen Medailleur anklopfen. Was haben wir denn noch? – Ach ja, Pferde!

Auch diese edlen Tiere finden wir natürlich auf den Medaillen. Sei es als Reittier eines Divisionskommandanten, wie hier auf einer Medaille zum Truppenzusammenzug von 1888.

Oder von Dragonern, wie hier beim Truppenzusammenzug im Jahr 1900. Dragoner, also Kavalleristen, gab es in unserer Armee ja bis in die 1970er Jahre. Diese Reiter hielten sich für eine Elite und legten auch ein entsprechendes Selbstverständnis an den Tag. Ein Verhalten, das bei den anderen Truppen nicht wirklich gut ankam. Deshalb wurden sie von denen despektierlich als ‹nicht Mensch, nicht Vieh, aufs Pferd gesetzte Infanterie› bezeichnet.
Klammerbemerkung – Damit Sie zuhause heute Abend mit Ihrem Wissen etwas angeben können, noch folgendes: Napoleon beabsichtigte, mit kleinen, agilen Infanteristen Unruhe in die vorrückenden Reihen des Gegners zu bringen. Deshalb sollten diese flinken Soldaten bei Kavalleristen hinten auf die Kruppe des Pferdes aufsitzen, sich von den Reitern nach vorne an die Front bringen lassen, dort vom Pferd runter springen, ein paar Schüsse tun, auf das Pferd des nächsten, mit leerer Kruppe zurückreitenden Kavalleristen aufspringen und wieder zu den eigenen Reihen zurückkehren. Die Idee war zwar gut, an der Umsetzung haperte es jedoch.
Dieses Rauf- und Runterspringen von Pferden kennt man heute noch. Diejenigen von Ihnen, die Töchter haben wissen es vielleicht. In der französischen Armee hiessen diese flinken Infanteristen ‹Voltigeure›. Und vor allem Mädchen betreiben ja auch heute noch den Sport des ‹Voltigierens›. Klammer zu.

Pferde wurden nicht nur als Reittiere, sondern auch als Zugtiere eingesetzt. Die Kanone auf dieser Medaille auf die Überquerung des St. Bernhard Passes im Wallis durch 45 000 französische Soldaten unter Napoleon im Jahr 1800 zeigt eine Auffälligkeit. Sie besitzt nämlich keine Lafette und keine Räder. Der Pass war im Mai des Jahres 1800 noch schneebedeckt. Den heutigen Tunnel gab es damals natürlich noch nicht. Deshalb war die Truppe gezwungen, die Kanonen zu zerlegen, Baumstämme zu halbieren, auszuhöhlen und die Kanonenrohre darin fest zu zurren. Mit Hilfe dieser Schlitten wurden die Kanonen über den Pass geschafft, was schliesslich zum Sieg der Franzosen über die Österreicher in der Schlacht von Marengo führte.

‹So ein Pferd, so aufmerksam und anmutig den Kopf leicht seitwärts haltend, mit seinen grossen Augen aus einem eichenlaubgeschmückten Hufeisen blickend, mit einer Peitsche im Maul, was für ein schönes Bild›. Militärmedaillen waren, wie Beispiel zeigt, nicht gefeit vor Kitsch. Kein Pferd trägt eine Peitsche im Maul. Warum das auf dieser Medaille von 1896 so dargestellt ist, hat einen Grund. Damit die Medaille nicht nur Kavalleristen ansprach, und sich somit besser verkaufen liess, wurde auch noch als Attribut der Traintruppen, also der Fuhrleute, eine Peitsche abgebildet. Wir sehen, Kommerz heiligt Kitsch.

Und dann haben wir ja auch noch die Bienchen. Auch sie kommen vor, wenn auch nur ganz winzig. Das eidgenössische Unteroffiziersfest von 1893 fand in La Chaux-de-Fonds statt. Das Wappen dieser Stadt zeigt einen Bienenkorb mit Bienen. Umgeben ist es hier von allerlei Grünzeug. Apropos Bienchen und Blümchen, kommen wir nun zum nächsten Thema, nämlich der Verhütung.
Verhütung
Das was Sie sich jetzt darunter vorstellen, kommt natürlich nicht auf den Medaillen vor. Wo denken Sie denn hin. Hier geht es zwar schon um Verhütung, aber um die Verhütung von Kriegen. Nun meine Damen und Herren, haben wir wiederum ein Problem. Denn nicht die Verhütung, sondern das Führen von Kriegen wurde in der Regel mit Medaillen gewürdigt. Es existieren keine Militärmedaillen, die sich auf nicht geführte Militäreinsätze beziehen. Wie auch!
Man sollte zwar meinen, dass ein verhinderter Krieg der allergrösste und prächtigste Erfolg sei, aber das sahen unsere Altvorderen damals noch etwas anders. Für Sie galt Krieg, bzw. Sieg gleich Medaille, kein Krieg gleich keine Medaille. Wobei, so generell darf man das doch nicht sehen. Denn es gab tatsächlich auch Medaillen, die zwar nicht auf die Verhütung eines Krieges herausgegeben wurden, sondern darauf, dass verhütet wurde, dass der Krieg zu uns in die Schweiz kam. Ich spreche von den Grenzschutzmedaillen und zeige dazu drei Beispiele.

1692 standen Zürcher und Berner Truppenkontingente der Stadt Genf bei, als diese sich von französischen Truppen bedroht sah. Die Zürcher verreisten allerdings bereits nach einem halben Jahr wieder. Die Berner hingegen, blieben ganze drei Jahre in Genf stationiert. Warum? Die Berner hatten alles Interesse daran, die Genfer vor den Franzosen zu schützen. Denn damals war die Waadt noch bernisches Untertanengebiet, und Genf somit praktisch direkter Nachbar der Berner. Und die Berner, die ja die Franzosen schon im Jura als Nachbarn hatten, wollten an ihrer Westflanke auch zukünftig lieber den Genfern als den Franzosen in die Augen blicken.

Hundert Jahre später, 1792, entsandten fast alle Kantone Truppenkontingente ans Rheinknie, um Basel vor österreichischen und französischen Grenzverletzungen zu schützen. Diese Grenzbesetzung dauerte ganze fünf Jahre. Mehrere Tausend eidgenössische Unterstützungstruppen, sogenannte Zuzüger, leisteten so in Basel, in mehreren Ablösungen, Dienst. Den Soldaten wurden zum Abschied dann jeweils extra angefertigte Basler Taler überreicht. Eine Quelle aus der Zeit belegt, dass die in den Jahren 1795 bis 1797 in kleiner Anzahl geschlagen, ganzen und halben Basler Taler nur hergestellt worden sind, um sie als Denkmünzen für die eidgenössischen Zuzüger verwenden zu können.

Schliesslich 1870/71, während des deutsch-französischen Krieges, schützte die Armee im Jura erfolgreich die Schweizer Grenze. So fast im nebenbei, hat sie dabei auch noch eine über 80 000 Mann starke französische Armee, die Bourbakis, in der Schweiz interniert. Bei all diesen Einsätzen hat die Armee ihren Auftrag stets erfüllt. Das ist übrigens einer der ganz seltenen Fälle, bei denen auf einer Medaille, wenn auch nur ansatzweise und ganz klein, der Schrecken des Krieges gezeigt wird. Sehen Sie links im Hintergrund das verendete Pferd und das zerstörte Fuhrwerk?
Influencerinnen
Kommen wir zu nächsten Thema, Influencerinnen. Mit den Bildern auf Medaillen und Münzen wurden bekanntlich schon seit jeher Botschaften verbreitet. Zumeist wurde damit ein Idealbild vermittelt. Das Idealbild der Frau präsentierte sich dabei für gewöhnlich auf dreierlei Art: Nämlich als Göttin, als Personifikation oder Allegorie und als Wohltäterin. Wie spiegelt sich nun dieses Bild der Frau in den Militärmedaillen wider?

Wir sehen die Frau beispielsweise als christliche heilige Maria, wie auf dieser Luzerner, also katholisch-konservativen, Medaille zum 1. Freischarenzug von 1844.

Wir sehen sie als römische Göttin Minerva, die ja bekanntlich als siegverleihende und staatslenkende Göttin verehrt wurde, wie hier auf der Medaille zum Zweiten Villmergerkrieg von 1712, wo sie eifrig Ausschau hält, wem sie den Siegeslorbeer überreichen darf.

Wir kennen sie als Concordia, die Göttin der Eintracht, wie dieses Beispiel einer Basler Medaille zum Grenzschutz von 1792 zeigt, …

… oder als mit Schwert und Lorbeerkranz daher schwebende Siegesgöttin.

Wir sehen die Frau als bewaffnete und schildbewehrte Personifikation einer Stadt, eines Kantons oder der Eidgenossenschaft, beispielsweise als BERNA, …

… oder als Neuenburgia? – oder heisst es Neuchatelia?, Neuchatela?, Nutella? – die die neuenburgische mit der schweizerischen Fahne vereint, die Flamme der Zwietracht am Boden erstickt, mit dem Fuss auf das Joch der Unterdrückung und das preussische Adlerwappen tritt. Sie merken, warum eine Frau und nicht ein Mann abgebildet worden ist. Es handelt sich bei den gezeigten Tätigkeiten nämlich um Multitasking vom feinsten, und das können Frauen nun halt mal besser als Männer.

Wir sehen sie als Lausannia, die einen irregeleiteten Ast wieder in Richtung des Lichts führt.

Wir sehen sie als Helvetia, die 1871 bewaffnet und entschlossen das Land verteidigt – ich kann mir nicht helfen, aber jedes mal wenn ich diese Medaille anschaue, kommen mir die Walküren aus Wagners Ring der Nibelungen in den Sinn.

Wir sehen die Helvetia, wie sie geschlagenen französischen Soldaten Schutz in der Schweiz anbietet, …

… und einen hohen Soldaten an dessen Grabe betrauert.

Doch jetzt genug der Lobhudelei, nur damit die Frauen nun nicht meinen, sie seien das allein seligmachende Geschlecht, es gibt schliesslich auch als Vorbild geltende Männer – wenn auch nur einen.
Männer
Und wenn wir schon bei Männern sind, ein Thema, dass auch immer interessiert, sind die Männer und ihre Eigenheiten. Während die Frauen, wie wir gerade gesehen haben, durchwegs in hehren Posen abgebildet sind, tun die Männer auf den Medaillen was?

Sie stehen unmotiviert herum. Das kann ein Mann alleine tun, …

… oder auch in Gesellschaft.

Sie treffen sich mit einem alten Kumpel, …

… oder auch mit mehreren.

Sie tun so, als ob sie überaus beschäftigt seien und geben dabei obergescheite Sprüche von sich.

Sie halten sich mal für alte Ritter, …

… dann wieder für mittelalterliche Söldner.

Sie zersprengen Berge, …

… oder treffen sich an abgelegenen Orten mit anderen Männern in Strumpfhosen.
Meine Damen, meine Herren, ich komme zum Schluss. Sie haben in der vergangenen halben Stunde viele Medaillen vorgestellt bekommen. Ihnen ist sicherlich aufgefallen, und das haben Militärmedaillen nun mal so an sich, dass das Ganze doch eine ziemliche, wenn nicht sogar eine reine Männerdomäne ist. Vor allem die Damen im Publikum fragen sich nun bestimmt, ob es denn unter all diesen Militärmedaillen wirklich keine Medaille gab, die sich auch auf Frauen bezogen hat. Es ist mir daher ein grosses Vergnügen, Ihnen nun tatsächlich noch eine Medaille vorstellen zu dürfen, die ausschliesslich an Frauen gegangen ist.

Es ist zwar nur eine kleine Medaille, aber es eine Medaille die zwei der schönsten Tugenden der Menschheit zum Ausdruck bringt. Nämlich Nächstenliebe und Dankbarkeit. Es handelt sich um ein Stück, welches an diejenigen Frauen ging, welche sich 1871 in Freiburg in aufopfernder Weise um die pflegebedürftigen internierten Soldaten der Bourbaki-Armee gekümmert haben. Etwas beschämt muss ich eingestehen, dass eben diese, die Frauen ehrende Medaille, nicht etwa von Schweizer Männern, sondern von Franzosen, die ja für Ihren Charme bekannt sind, überreicht worden ist.
Meine Damen und Herren, ich hoffe, ich konnte ihnen aufzeigen, was für ein interessantes und abwechslungsreiches Thema die Militärmedaillen sind. Sollten Sie Interesse daran haben, sich das soeben Gehörte und Gesehene noch einmal zu Gemüte zu führen, so steht Ihnen unter ‹www.1847.ch› mein Vortrag zum Nachlesen bereit.
Meine Damen und Herren, das war’s, ich danke Ihnen. Gemäss Programm haben Sie nun noch ein paar Minuten Zeit um Fragen zu stellen. Ich stehe Ihnen zur Verfügung».
Quellen und Literatur
Der Artikel basiert auf einem vom Autor dieses Beitrags herausgegebenen Katalog schweizerischer Militärmedaillen. Darin finden sich auch die detaillierten Quellenangaben.
Ackermann, René: Seinen tapferen Soehnen das dankbare Vaterland, Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Horw 2024.
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