Ein kurzer Blick auf 8,92 %

1852–1874: Organisation, Bestand, Uniformierung und Bewaffnung der Artillerie

Zählte man im Jahr 1870 alle Kompanien von allen Waffengattungen der Schweizer Armee, also von Infanterie, Scharfschützen, Kavallerie, Artillerie und Genie, und zwar von Bundesauszug und Bundesreserve zusammen, kam man auf insgesamt 952,5 Einheiten.

85 davon, also 8,92 % aller Kompanien der Armee, gehörten der Waffengattung Artillerie an.

Wie war diese Artillerie von 1852 bis 1874 organisiert, welche Bestände wiesen deren Einheiten auf, wie war sie bekleidet und wie bewaffnet? Fragen, die durch die nachfolgenden Zeilen beantwortet werden.

Zwei Artillerie-Tschakos der Ordonnanz 1852. Links: Tschako eines Offiziers der Berner 12-pfünder Feldbatterie 5. Rechts: Tschako eines Soldaten oder Unteroffiziers der Aargauer 24-pfünder Feldbatterie 3 (Privatsammlung).

Organisation und personeller Bestand

Gemäss der Militärorganisation vom 8. Mai 1850 setzte sich die Waffengattung der Artillerie aus Kanonieren, Trainsoldaten und Parksoldaten zusammen. Im Zeitraum von 1850 bis zur Mitte der 1860er Jahre verfügte die Armee im Auszug über 3 24-pfünder-, 6 12-pfünder- und 16 6-pfünder-Batterien sowie 4 Raketenbatterien. Ab 1861 wurde begonnen, diese 29 Batterien durch 9 8-pfünder- und 20 4-pfünder-Batterien zu ersetzen. Ausserdem gab es noch 2 Gebirgsbatterien, 3 Positions- und 6 Parkkompanien. 1867 wurden noch 14 neue Parktrainkompanien formiert. Diese hatten mit den Parkkompanien den Divisionspark zu bilden. In der Reserve verfügte die Armee über 2 8-pfünder-, 11 6-pfünder-, 2 Gebirgs- und 4 Raketenbatterien, sowie 10 Positions- und 6 Parkkompanien. Die 6-pfünder- und die Raketenbatterien wurden in der Mitte der 1860er Jahre durch 10 4-pfünder-Batterien ersetzt. Mehrere Batterien unter einem Kommando bildeten eine Artilleriebrigade.

Die 24- und 12-pfünder-Batterien bestanden je aus 1 Hauptmann (beritten), 1 Oberleutnant (beritten), 1 I. Unterleutnant (beritten), 1 II. Unterleutnant (beritten), 1 Arzt mit Oberleutnantsrang (beritten), 1 Pferdearzt mit II. Unterleutnantsrang (beritten), 1 Adjutant Unteroffizier (beritten), 1 Feldweibel (beritten), 1 Fourier (beritten), 1 Trainwachtmeister (beritten), 5 Kanonierwachtmeistern, 5 Kanonierkorporalen, 4 Trainkorporalen (beritten), 13 Kanoniergefreiten, 7 Traingefreiten, 1 Frater, 2 Hufschmieden, 1 Schlosser, 1 Wagner, 1 Sattler, 4 Trompetern (beritten), 40 Kanonieren und 44 Trainsoldaten, total 138 Mann.

Die 8- und 6-pfünder-Batterien bestanden je aus 1 Hauptmann (beritten), 2 Oberleutnants (beritten), 1 I. Unterleutnant (beritten), 1 II. Unterleutnant (beritten), 1 Arzt mit Oberleutnantsrang (beritten), 1 Pferdearzt mit II. Unterleutnantsrang (beritten), 1 Adjutant Unteroffizier (beritten), 1 Feldweibel (beritten), 1 Fourier (beritten), 1 Trainwachtmeister (beritten), 7 Kanonierwachtmeistern, 7 Kanonierkorporalen, 4 Trainkorporalen (beritten), 14 Kanoniergefreiten, 8 Traingefreiten, 1 Frater, 2 Hufschmieden, 1 Schlosser, 1 Wagner, 2 Sattlern, 4 Trompetern (beritten), 60 Kanonieren und 53 Trainsoldaten, total 175 Mann.

Die Gebirgsbatterien bestanden aus 1 Hauptmann (beritten), 1 Oberleutnant (beritten), 1 I. Unterleutnant (beritten), 1 II. Unterleutnant (beritten), 1 Arzt mit Oberleutnantsrang (beritten), 1 Pferdearzt mit II. Unterleutnantsrang (beritten), 1 Feldweibel, 1 Fourier, 1 Trainwachtmeister (beritten), 5 Kanonierwachtmeistern, 5 Kanonierkorporalen, 2 Trainkorporalen (beritten), 10 Kanoniergefreiten, 4 Traingefreiten, 1 Frater, 1 Hufschmied, 1 Schlosser, 1 Wagner, 1 Sattler, 3 Trompetern, 28 Kanonieren und 44 Trainsoldaten, total 115 Mann.

Die Raketenbatterien bestanden aus 1 Hauptmann (beritten), 1 I. Unterleutnant (beritten), 1 II. Unterleutnant (beritten), 1 Feldweibel (beritten), 1 Fourier (beritten), 4 Kanonierwachtmeistern, 4 Kanonierkorporalen, 1 Trainkorporal (beritten), 4 Kanoniergefreiten, 4 Traingefreiten, 1 Frater, 1 Hufschmied, 1 Sattler, 2 Trompetern (beritten), 28 Kanonieren und 15 Trainsoldaten, total 70 Mann. Gegebenenfalls konnten in den Raketenbatterien statt der zwei Unterleutnants auch ein Oberleutnant und ein Unterleutnant eingeteilt sein.

Die Positionskompanien bestanden aus 1 Hauptmann (beritten), 1 Oberleutnant (beritten), 1 I. Unterleutnant (beritten), 1 II. Unterleutnant (beritten), 1 Arzt mit Oberleutnantsrang (beritten), 1 Feldweibel, 1 Fourier, 5 Kanonierwachtmeistern, 5 Kanonierkorporalen, 10 Kanoniergefreiten, 1 Frater, 1 Schlosser, 1 Wagner, 3 Trompetern und 47 Kanonieren, total 80 Mann.

Die Parkkompanien bestanden aus 1 Hauptmann, 1 I. Unterleutnant, 1 II. Unterleutnant, 1 Arzt mit Oberleutnantsrang, 1 Feldweibel, 1 Fourier, 2 Kanonierwachtmeistern, 1 Oberfeuerwerker, 5 Kanonierkorporalen, 8 Feuerwerkern, 1 Frater, 2 Tambouren und 35 Parksoldaten, total 60 Mann. Gegebenenfalls konnten in den Parkkompanien statt der zwei Unterleutnants auch ein Oberleutnant und ein Unterleutnant eingeteilt sein.

Zwei Artillerie-Tschakos der Ordonnanz 1861. Links: Tschako eines Offiziers der St. Galler 12-, bzw. 8-pfünder Feldbatterie 8. Rechts: Tschako eines Soldaten oder Unteroffiziers der Berner 6-, bzw. 4-pfünder Feldbatterie 11 (Privatsammlung).

Uniformierung

1852 bestand die Uniform der Artilleristen aus einem dunkelblauen Uniformfrack mit schwalbenschwanzförmigen Schössen und dunkelblauen Hosen. Die Farbe des Kragens, der Schossaufschläge und der Vorstösse war scharlachrot. Dazu wurden rote Fransenepauletten und ein relativ hoher, konischer Tschako getragen. Die Tschakogarnituren und Uniformknöpfe glänzten golden. Das Lederzeug war weiss gefärbt. 1861 wurde der bisherige Tschako von einem etwas weniger hohen Modell abgelöst. Das Lederzeug wurde schwarz gefärbt. Ab 1868 verschwand der Frack. Er wurde durch einen dunkelblauen Waffenrock mit Umlegkragen ersetzt. Dazu wurden eisengraue Hosen getragen. 1869 erhielten die Artilleristen den neuen niedrigen Tschako mit ringsum laufendem Rand.

Abbildungen von Angehörigen der Artillerie aus der Zeit von 1852 bis 1874 lassen sich aufgrund ihrer hauptsächlichen Unterscheidungsmerkmale grob in drei Perioden einordnen:

  • nach 1852: hoher Tschako, Uniformfrack;
  • nach 1861: mittelhoher Tschako, Lederzeug geschwärzt;
  • nach 1868: Waffenrock mit Umlegkragen, ab 1869 niedriger Tschako.
Zwei Artillerie-Tschakos der Ordonnanz 1869. Links: Tschako eines Leutnants der Berner 8-pfünder Feldbatterie 2. Rechts: Tschako eines Soldaten oder Unteroffiziers der Luzerner 4-pfünder Feldbatterie 12 (Privatsammlung).

Bewaffnung

1852 bestand die persönliche Bewaffnung der unberittenen Artilleristen einzig aus einem Briquet-Infanteriesäbel oder einem Faschinenmesser. Ab 1869 wurde dann nur noch das Faschinenmesser getragen. Die berittenen Artilleristen waren 1852 mit einem schweren Artilleriesäbel mit Messinggriff und einer Perkussionspistole bewaffnet. 1867 wurde ein neuer Säbel mit eisernem Griff eingeführt. Gewehre wurden nur von den Parkartilleristen geführt. Zu Beginn war es das Perkussionsgewehr Modell 1842 für Genie und Parkartillerie, Kaliber 17,5 mm. Dieses war 17 cm kürzer als das Gewehr der Infanteristen. Ab 1863 erhielt die Parkartillerie das Infanteriegewehr Modell 1863, Kaliber 10,5 mm und nach 1873 das Peabodygewehr.

Fotografien von Soldaten aus dieser Epoche können unter der Rubrik «Fokus» betrachtet werden.

Quellen und Literatur

  • Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres, vom 27.08.1852.
  • Abänderungen zum Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres vom 27. August 1852. Beschluss des Bundesrathes vom 17. Jänner 1861.
  • Beschluss des schweizerischen Bundesrathes betreffend die Kopfbedeckung für die schweizerische Armee, vom 20. Januar 1869.
  • Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
  • Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 12, Bern 1923.
  • Ackermann, René: Uniformen der Schweizer Armee 1852–1874, Eine Sammlung historischer Fotografien und Vorschriften, Horw 2023.