1855: Peter Berry und Albert Schwab, zwei Ärzte in der British Swiss Legion
Jürg Burlet, veröffentlicht am 05.09.2025
Die letzte Kapitulation zwischen der Schweiz und dem britischen Empire betraf die Aufstellung einer Schweizer-Legion(British Swiss Legion) für den Krimkrieg. Die Kapitulation mit der englischen Krone wurde im Jahre 1855 abgeschlossen und umfasste 5000 Mann.
Geplant war die Errichtung einer Schweizer-Legion, bestehend aus 8 Infanterie-Bataillonen, 2 Scharfschützen-Bataillonen, 2 Kavallerie-Regimentern sowie Artillerie, Train, Sappeuren und Mineuren. Effektiv zur Aufstellung gelangten dann aber nur zwei Regimenter Leichte Infanterie zu 2 Bataillonen mit je 850 Mann in 6 Kompagnien sowie eine Scharfschützen-Kompagnie. Die Scharfschützen und das 2. Bataillon des 2. Regiments haben England nie verlassen. Ein drittes Regiment erreichte mit nur wenigen Kompagnien nicht annähernd den vorgeschriebenen Bestand und blieb ebenfalls in den Depots an der englischen Küste. Der erreichte Totalbestand betrug 137 Offiziere und 3013 Unteroffiziere und Mannschaften.
Die beiden Bataillone des 1. Regiments, 1450 Mann, wurden im November 1855 in Portsmouth eingeschifft und erreichten Smyrna, das heutige Izmir, im Dezember des gleichen Jahres. Die Verschiffung des 1. Bataillons des 2. Regiments erfolgte am 10. Februar 1856 in Southampton und die Ankunft in Smyrna war am 1. März 1856. Die Legion wurde, ohne dass sie ins Gefecht gekommen war, bereits im Mai 1856 wieder entlassen.

Peter Berry
Dr. Peter Berry, geboren am 9. Juli 1828 in Chur, studierte in Bern Medizin, bevor er als Regimentsarzt des 1. Schweizer Regiments in britische Dienste trat. Obwohl ihm die britische Regierung nach der Entlassung des Regiments 1857 eine militärische Stellung in Kanada anbot, zog es ihn wieder heim in die Schweiz, wo er zuerst in Splügen als Bezirksarzt tätig war, bevor er wieder in seine Geburtsstadt Chur zog und dann seinen Lebensabend in St. Moritz verbrachte, wo er am 5. November 1892 verstarb. In der Heimat stellte er sein Wissen auch der Armee zur Verfügung.
Bereits als junger Mann, noch vor seinem Medizinstudium, machte er den Sonderbundskrieg mit, wo er als junger Stabsleutnant im Stabe Dufours dem Kriegskommissär Oberst Abys unterstellt war. In dieser Funktion erhielt er den Befehl die 98 000 Mann der eidgenössischen Truppen zu verproviantieren. Weil damals keine Pferde mehr zu bekommen waren, alle waren bereits für die Kavallerie und die Artillerie im Dienst, musste er auf allen Bauernhöfen Ochsengespanne requirieren, Während in Gislikon die Gefechte stattfanden, rückte er mit einer riesigen Karawane von Ochsengespannen von Bern durchs Entlebuch gegen Luzern vor.

Während seiner Zeit in der British Swiss Legion war er zuerst in Dover stationiert. In Smyrna waren ihm dann zwei grosse Lazarette unterstellt, eines davon für gefangene Russen, welche er als Surgeon des 1st Regiment der «BSL» mit seinen Unterärzten führte. Nebst Albert Schwab aus Biel waren ihm Otto Werdmüller aus Zürich, Jakob Müller aus Zug und Joseph Buchser aus Solothurn als Unterärzte zugeteilt.
In der Schweiz war er später als Major in der 3. Division, unter Oberst Aubert, eingeteilt und machte 1861 auch die legendären Manöver am Gotthard mit, welche uns so trefflich vom Münchner Militär- und Historienmaler Eugen Adam, illustriert wurden. Berry teilte sich damals übrigens mit Adam ein Zelt bei diesen zwölftägigen Manövern und die beiden Männer waren sich freundschaftlich verbunden.
Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde Berry vom Bundesrat nach dem Kriegsschauplatz abkommandiert. Während der Internierung der französischen Ostarmee im Februar 1871 war er als Oberstleutnant Chef des gesamten Sanitätsdienstes der Schweiz mit Sitz in Bern.
Sein Leben wurde später im biografischen Roman «Der Regimentsarzt» von James Schwarzenbach nacherzählt.
Albert Schwab
Albert Schwab wurde 1828 in Biel geboren und am 3. Oktober des gleichen Jahres daselbst getauft. Er war der Sohn des David Schwab und der Josephine, geb. Verdan, und Bürger von Biel, Bern und Nidau. Albert Schwab war nicht nur ein bekannter Arzt, sondern auch ein passionierter Jäger und Waidmann, der sich für alle Belange rund um die Jagd intensiv interessierte und sich dafür engagierte.
Nach durchlaufener Schule studierte er in Bern Medizin und trat 1855 als Assistant Surgeon in den Dienst der British Swiss Legion, welche damals für den Krimkrieg angeworben wurde. Am 8. November 1860 ehelichte er Elise Boell (1840-1931) von La Chaux-de-Fonds. Später war er als praktizierender Arzt in Bern tätig und beschloss sein Leben am 19. April 1915 als Privatier am Oberweg 3 in Bern.
Für seinen Dienst in der British Swiss Legion benötigte er ein Leumundszeugnis, welches am 28. Mai 1855 in Bern vom Präsidenten des Einwohnergemeinderats ausgestellt wurde und heute noch vorhanden ist.
Albert Schwab trat als Unterarzt (Assistant Surgeon) im 1. Regiment (1st Light Infantry-Regiment) ein. Das Regiment wurde von Oberstleutnant Jacob von Blarer (Baselland) kommandiert, Regimentsarzt war Dr. Peter Berry von Chur.

Das Regiment hatte am 9. August 1855, in der Nähe von Folkestone eine Inspektion durch Queen Victoria zu bestehen und verschob am 16. November gleichen Jahres per Bahn nach Portsmouth. Die Einschiffung der 1450 Mann erfolgte einen Tag später auf dem 500 PS starken Dreimast-Schraubendampfer «Great Britain». Die Reise ging über Gibraltar und Malta nach Smyrna, dem heutigen Izmir, wo der Transport am 2. Dezember anlangte.
Die Offiziere hatten in Smyrna nicht viel zu tun und es blieb reichlich Zeit die vielen historischen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zu besuchen und Land und Leute kennenzulernen. Smyrna hatten neben der türkischen Bevölkerung auch andere ethnische Gruppen, vor allem Griechen. Für die Ärzte gab es aber ab März 1856, nach der Ankunft des 1. Bataillons des 2. Regiments, reichlich Arbeit, da sich mit den Neuankömmlingen verschiedene Krankheiten und Seuchen ausbreiteten und zahlreiche Angehörige ernsthaft erkrankten.
Die Expedition in die Krim war bereits im Frühsommer 1856 beendet und die Angehörigen der Schweizer Legion kehrten in verschiedenen Transporten Ende Juni und Anfang Juli nach England zurück. Nach der Entlassung reisten die meisten in die Heimat zurück, andere nahmen neue Dienste in Neapel oder dem Kirchenstaat an. Dr. Albert Schwab aber kehrte heim nach Biel und erhielt am 25. Februar 1857 per Mandat, vom Capitaine-trésorier de la Légion suisse britannique, die letzte Soldauszahlung über Franken 644.35. Aus der detaillierten Rechnung geht hervor, dass sein Sold für 3 Monate netto Fr. 812.25 betragen hat.
Es gibt nur ganz wenige fotografische Erzeugnisse, auf denen Angehörige der British Swiss Legion zu sehen sind. Von Albert Schwab existiert ein solches Bild, welches nach seiner Rückkehr 1857, in Bern, im Atelier von Emil Vollenweider, an der Postgasse 68, aufgenommen wurde. Wir sehen darauf Albert Schwab in Uniform an einem Tischchen sitzend. Er trägt den typischen roten Rock mit den englischen Ärmelpatten. Die Fotografie wurde nachträglich retuschiert und dabei wurde irrtümlicherweise der weisse Riemen der Patronentasche schwarz eingefärbt. Immerhin sieht man die Plakette mit der englischen Krone und dem Schweizer Kreuz im Zentrum sehr gut, Der auf dem Tischchen stehende, zweiseitig aufgeklappte Hut wurde ebenfalls hinterher hinein retuschiert. Während die Truppenoffiziere mit dem englischen «Albert-Tschako» ausgerüstet waren, trugen die Stabsoffiziere und die Ärzte den zweiseitig aufgeklappten Hut, einen hohen Zweispitz.

Quellen
- Historisch-Biografisches Lexikon der Schweiz.
- Schwarzenbach, James: «Der Regimentsarzt», Thomas-Verlag Zürich, 1965.
- Romang, Johann Jakob: «Die Englische Schweizerlegion und ihr Aufenthalt im Orient», Langnau 1857.
- Bernisches Historisches Museum.
- Schweizerisches Nationalmuseum Zürich.
Anmerkung
Dieser Artikel wurde in den Jahren 2005 und 2007, in «Der Tanzbödeler», Magazin für Uniformkunde und Militärgeschichte, Hefte 84 und 85 (vergriffen), bereits einmal publiziert. Für die Veröffentlichung in «1847.ch» wurde der Artikel leicht überarbeitet.
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