Mobil schon, aber ohne Mobilephone

1891: Volmars idyllische Telegraphen-Station

«Schweizerische Feldtelegraphenstation 1891» (Ölbild von Theodor Volmar, Eigentum EDI).

Wer hat es nicht schon gesehen, das idyllische Genrebild einer schweizerischen Telegraphenstation, 1891 als Ölbild gemalt von Theodor Volmar (1847–1937). Man sieht darauf, neben einem freistehenden Haus, einen Stationswagen, wie er 1880 eingeführt wurde und bei den Telegraphenkompanien im Einsatz war, damals ausgerüstet mit Morseapparat und Telefonen. Im Hintergrund ist noch eine einfache Antennenanlage mit zwei Holzmasten zu erkennen. Ein Guide übergibt gerade dem Unteroffizier (Adj Uof) eine Meldung zur weiteren Spedierung durch den Äther, während zwei Soldaten, vermutlich der Telegraphenpionier und der Trainsoldat es sich auf dem Bock bequem gemacht haben.

Sie schauen belustigt einem jungen Mädchen in Tracht und Strohhut zu, das mit einem zweirädrigen Karren mit Hundevorspann vorbei fährt. Offenbar legt sich der Hund dermassen ins Zeug, dass das Mädchen alle Mühe hat, den Wagen in der Balance zu halten, was wiederum die beiden Müssiggänger auf dem Bock sehr zu erheitern scheint. Volmar hat nicht nur eine lustige Szene in der Art des damals beliebten Genrebilds gemalt, sondern auch viele Details sehr genau und gekonnt wiedergegeben.

So sieht man beispielsweise dass bei den beiden Pferden die Zugstrangen aufgeschnallt und die Deichselketten abgehängt sind. Die Pferde, die entspannt vor sich hin dösen, sind mit den damals üblichen Kummetbeschirrungen für Bockfahrer ausgerüstet. Das Handpferd (rechts) hat zudem den Mantel des Trainsoldaten aufgeschnallt.

Stationswagen Ordonnanz 1880 des Genie-Bataillons 8 (Abbildung aus: Die schweizerischen Armee-Fuhrwerke 1882).

Der Stationswagen 1880

Solche Stationswagen, Ordonnanz 1880, waren zuerst bei den acht Geniebataillonen (damals mit drei Kompanien, je eine Sappeur-, Pontonier- und Pionierkompanie) eingeteilt, daselbst in der Telegraphenabteilung der Pionierkompanie. Ab 1895 waren sie in den Telegraphenkompanien der Armeekorps zu finden.

1912 waren je fünf dieser Stationswagen, ausgerüstet mit einem Morse- und drei Telefonapparaten, jeder Telegraphenpionier-Kompanie im Auszug zugeteilt. Die Station konnte so als Telegraphen- und Telefonstation verwendet werden. Dazu kamen dann noch neun Kabelwagen mit je 7 km Kabel und 8 km Gefechtsdraht.

Stationswagen Ord. 1880. Ansicht von hinten, mit geöffneter Tür und einem davor stehenden Pionier. Auf dem Dach des Wagens sieht man die Packungen der Telegraphenpioniere und den Chef der Station, einen Adjutant Unteroffizier. Links ist noch ein Drahtwagen Ord. 1880 zu erkennen (Foto: Sammlung A. Streiff).

Die Wagen hatten eine Länge (ohne Deichsel) von 274 cm, eine Breite von 162 cm und eine Höhe von 252 cm. Unbeladen wog das Fahrzeug 835 kg, beladen mit Mannschaft ca. 945 kg. Bespannt waren die Stationen mit zwei Pferden, doch bestand die Möglichkeit, wie bei allen Militärfahrzeugen, in steilem Gelände mit Vorspann zu fahren.

Abfahrbereiter Stationswagen Ord. 1880 (Foto: Archiv Verfasser).

Das Datum der Ausrangierung dieser Stationswagen ist unbekannt. Es ist aber zu vermuten, dass die Stationen, nach Einführung eines neuen Modells, ab 1910 noch den Telegraphenkompanien der Landwehr zugeteilt waren.

Leider ist mir keine solche Station bekannt, welche bis in die heutige Zeit erhalten geblieben ist? Falls jemand aus dem Leserkreis eine kennt, wäre der Verfasser für einen Hinweis dankbar.

Stationswagen 1910 (Foto K+W).

Das Nachfolgemodell von 1910

Dieser neue Stationswagen war wesentlich grösser und schwerer als das Vorgängermodell. Er hatte eine Länge (ohne Deichsel) von 350 cm, eine Breite von 170 cm und eine Höhe von 250 cm. Über dem hinteren Eingang konnte mit einem Metallrahmen und zwei seitlich montierten Eisenstangen und einer Plane ein Vordach installiert werden. Mit Ausrüstung (ohne Mannschaft) war die Station 1160 kg schwer, die Ausrüstung selber wog 420 kg.

Stations-/Telefonwagen 1910/24, Baujahr 1913 (Schweizerisches Nationalmuseum, LM 83294).
Innenleben des Stations-/Telefonwagens 1910/24 (Schweizerisches Nationalmuseum, LM 83294, Fotografie: A. Streiff).

Zahlreiche Fotos aus der Zeit der Grenzbesetzung im Ersten Weltkrieg bezeugen den Einsatz dieser Station. Später wurden diese Stationen als Telefonwagen der Artillerie zugeteilt und wurden fortan «Telephonwagen Mod. 1924» genannt. 1947 waren diese Telefonwagen, wie ein Nachdruck eines Ausrüstungs-Etats beweist, immer noch im Einsatz. Später sah man sie hin und wieder, abgerüstet, als zivile Baustellenwagen und sogar als «Wohnmobil» umgebaut, hinter einem Traktor.

Stationswagen 1910, unterwegs um 1940 (Foto: Archiv Verfasser).

Quellen

  • Bühlmann, R. / Brunner, J.: Die schweizerischen Armee-Fuhrwerke 1882, Auf Veranlassung des Militär-Departements, Winterthur 1882.
  • Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
  • Feyler, Fernand: Die Schweiz in Waffen, Kunstverlag «Seal», Lausanne 1914.
  • «Der Tanzbödeler» Nr. 86/2007, Die Organisation der Genietruppen, Seite 19.

Anmerkung

Dieser Artikel wurde im Jahr 2012, in «Der Tanzbödeler», Magazin für Uniformkunde und Militärgeschichte, Heft 94-96 (vergriffen), bereits einmal publiziert.

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