1909: Was ein Galadegen so alles preisgeben kann
René Ackermann, veröffentlicht am 12.09.2025
Ab dem Jahr 1899 wurde den Offizieren der Schweizer Armee anstelle des bisher geführten, leicht gekrümmten Säbels ein gerader Degen abgegeben. Dieser Degen der Ordonnanz 1899 wurde damals, trotz seiner geraden Klinge, offiziell als Säbel bezeichnet. Heutzutage hat sich für diese Waffe die Benennung Offiziersdegen durchgesetzt. Die Degen wurden den Offizieren von der eidgenössischen Kriegsmaterialverwaltung unentgeltlich überreicht. Den Offizieren war es erlaubt, sich auf eigene Kosten eine leichtere Waffe für Ausgang und dienstfreie Zeit zuzulegen. Diese Privatwaffen, oftmals Galadegen genannt, glichen in ihrer äusseren Aufmachung in der Regel stark den offiziellen Ordonnanzdegen. Einzig was die Dekoration der Klingen betraf, zeigte sich ein gewisser Individualismus.

Galadegen
Gerne wurden solche Galadegen auch zu Geschenkzwecken verwendet. Als Anlass boten sich etwa absolvierte militärische Schulen, Beförderungen und Verabschiedungen an. Eltern schenkten eine solche Waffe ihrem Sohn, Kameraden beschenkten sich gegenseitig, Unterstellte überreichten einen Degen ihrem Vorgesetzten usw.
Spezialisierte Hersteller bzw. Lieferanten boten solche Galadegen in verschiedensten Ausführungen an. In ihrer einfachsten Art hatten diese eine blanke Klinge mit eingraviertem Schweizerkreuz im Strahlenkranz. Aufwändiger waren geätzte Klingen, verziert mit Schweizerkreuz und Dekorelementen, in luxuriöserer Ausführung auch noch mit gebläuten und gar vergoldeten Elementen versehen. Auch Wünsche nach eingravierten Widmungen wurden gerne berücksichtigt. Die wohl teuersten Exemplare dieser Galadegen waren solche mit geätzten persönlichen Widmungen und aufwändigem Dekor auf der Klinge. Denn, während die erstgenannten, «nicht personalisierten» Galadegen praktisch ab Stange erworben werden konnten, waren letztgenannte Stücke oftmals kostenintensive Einzelanfertigungen.
Bezeichnet wurden solche Waffen mal als Galadegen, mal als Galasäbel, oder auch als Salonsäbel. Aber auch Warenhaussäbel oder Blagier-Eisen, also Prahler-, Blöffer-Eisen, wurden sie gelegentlich genannt.
Eine Geschenkwaffe
Ein Galadegen mit Widmungsinschrift wird im Folgenden vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine gängige Ausführung dieser Waffe, schlicht im Äussern, sich diesbezüglich von der offiziellen Ordonnanzwaffe nur geringfügig unterscheidend. Die ansonsten blanke Klinge des Degens weist als Dekor einzig eine einseitig angebrachte, geätzte Widmungsinschrift auf. «Emil Nietlispach s./l. Carl Hertig / Aspirantenschule 1909» steht da auf zwei Zeilen geschrieben.
Nun, eine Widmungsinschrift ist ja bei Galadegen doch hin und wieder mal anzutreffen. «Also, was soll‘s? Nichts Spezielles!» könnte man daher denken. Doch jetzt den Degen einfach zur Seite zu legen wäre grundfalsch. Denn diese Waffe, bzw. deren Inschrift kann viele Informationen preisgeben. Sehen wir uns also diesen Degen etwas genauer an und schauen wir, welche Geschichten er uns erzählen kann.

Die Recherche
Emil Nietlispach und Carl Hertig. Die beiden Namen sagen auf den ersten Blick nicht viel. Keine bekannten Männer wie Guisan, Wille oder Sprecher sind da genannt. Nietlispach, Hertig, das sind Namen die in der Schweiz vorkommen, nicht gerade so häufig wie Müller, Keller oder Huber zwar, aber doch schon irgendwann mal gehört. Auch mit der Bezeichnung «Aspirantenschule 1909» lässt sich auf Anhieb nicht wirklich etwas anfangen. Also muss vertiefter geforscht werden.
«Emil Nietlispach s./l. Carl Hertig» lautet die Widmung. «s./l.» steht da offensichtlich für «seinem lieben». Aufgrund der verschiedenen Namen konnten die beiden Männer weder Vater und Sohn noch Brüder sein. Also musste es sich, aller Wahrscheinlichkeit nach, um gute Bekannte, wohl Freunde, bzw., um die militärische Begrifflichkeit zu verwenden, um gute Kameraden handeln. Und zwar so gute Kameraden, dass sie sich, vermutlich gegenseitig, mit einer Gabe von gewissem Wert beschenkt haben. Der Anlass der zur Schenkung dieses Galadegens führte ist genannt: «Aspirantenschule 1909». Man liegt wohl kaum falsch mit der Annahme, dass diese beiden Männer im Jahr 1909 zusammen eine Aspirantenschule absolviert haben und sich zu deren Abschluss eine Geschenkwaffe gönnten.
Doch um welche Aspirantenschule handelte es sich dabei? Genauere Angaben dazu fehlen auf der Inschrift. Also muss gefolgert werden. Eine Aspirantenschule absolvierte man, um Offizier zu werden. Um überhaupt in eine solche Schule aufgeboten zu werden, musste man zu der Zeit einen Unteroffiziersgrad haben. Um Unteroffizier zu werden hatte man eine Rekrutenschule und eine Unteroffiziersschule zu absolvieren. Das alles dauerte seine Zeit. Wenn man im Alter von 20 Jahren die Rekrutenschule besucht hatte, konnte man folglich frühestens mit etwa 21 oder 22 Jahren die Aspirantenschule in Angriff nehmen. Daraus schliesst sich, dass unsere beiden Herren etwa Jahrgang 1887/88 hatten.
Die wichtigsten Quellen, um an Informationen über ehemalige Schweizer Offiziere zu gelangen, sind die alten Offiziersverzeichnisse der Armee. Diese sind im Internet abrufbar. Das Rechercheportal «Alexandria» des Bibliothekenverbandes des Bundes bietet sie an. Am einfachsten greift man unter:
https://www.big.admin.ch/de/bibliothekssammlung
darauf zu. Dort scrollt man ganz nach unten zu den «Nützlichen Links» und klickt dann auf «Militärische Amtsdruckschriften». Auf der sich nun öffnenden Seite finden sich verschiedene Untersammlungen aufgelistet. Für die Suche nach Offizieren aus der Zeit von 1847 bis 1969 öffnet man die Untersammlung «Verzeichnisse eidgenössischer Offiziere». Aktuell erscheinen dort sieben sogenannte «Exemplare». Diese klickt man nacheinander an, bis dasjenige erscheint, das den in Frage kommenden Zeitraum abbildet.
Da unsere beiden Herren die Aspirantenschule 1909 absolviert hatten, waren sie höchstwahrscheinlich ab dem Jahr 1910 als Leutnants in diesen Verzeichnissen aufgelistet. Damals war es noch so, dass man nicht bereits am Ende der Aspirantenschule, oder wie sie auch noch genannt wurde, der Offiziersbildungsschule, zum Leutnant ernannt worden ist. Vielmehr erhielt man nach dem erfolgreichen Absolvieren dieser Schule ein Fähigkeitszeugnis. Aufgrund dieses Zeugnisses erfolgte dann gegen Ende Jahr die Ernennung zum Leutnant. Bei kantonalen Truppen erfolgte diese durch die kantonalen, bei eidgenössischen Truppen durch die eidgenössischen Militärbehörden. Als kantonale Truppen galten im Jahr 1909 die Infanterie, die Schützen und die Dragoner. Alle anderen Truppen waren eidgenössische Einheiten.

Somit beginnt die Suche nach den beiden Leutnants im Verzeichnis der eidgenössischen Offiziere des Jahres 1910. Nach dem Öffnen des entsprechenden Dokuments, gibt man links oben, bei der Lupe, in das Suchfeld einen Namen, in unserem Fall mal denjenigen von Nietlispach ein. Rasch zeigt sich ein Resultat. Drei Treffer werden aufgelistet. Schon der erste davon ist ein Volltreffer. Denn da steht, Nietlispach Emil, wohnhaft in Muri, Kanton Aargau, geboren 1887, am 29.12.1909 zum Leutnant der Kavallerie ernannt, eingeteilt in der Dragoner-Schwadron 22. Nun werden rasch noch die beiden anderen Treffer geprüft. Treffer zwei zeigt noch einmal unseren Emil Nietlispach an. Diesmal nun aber zusammen mit den anderen Offizieren seiner Schwadron. Treffer drei schliesslich, ist bloss das alphabetische Verzeichnis aller im Dokument aufgeführten Namen. Über weitere Nietlispachs ist nichts verzeichnet. Kein Zweifel, unser Emil Nietlispach ist gefunden.
Doch um ganz sicher zu gehen, schauen wir, ob sich auch ein Carl Hertig in diesem Verzeichnis findet. Da die beiden dieselbe Aspirantenschule absolviert hatten, müsste Hertig somit auch als Kavallerieleutnant aufgeführt sein. Rasch ist der Name eingegeben und die Suche beginnt. Hier werden vier Treffer angezeigt. Bei Treffer eins handelt es sich um einen Hertig Gottfried. Fehlanzeige also. Doch die weiteren Treffer liefern das erhoffte Resultat. Hertig Karl, wohnhaft in Rüderswil, Kanton Bern, geboren 1888, zum Leutnant der Kavallerie am 31.12.1909 ernannt, eingeteilt in der Dragoner-Schwadron 11. Dass Hertigs Vorname in diesem Verzeichnis mit K, auf dem Degen aber mit C geschrieben wurde, ist nicht von Belang. Früher kamen solche, leicht unterschiedliche Schreibweisen bei Namen, Vornamen oder auch Ortschaften durchaus vor.
Manchmal allerdings, kann das Suchsystem einen Namen nicht auffinden, der eigentlich vorhanden sein müsste. Das passiert vor allem dann, wenn das Verzeichnis leichte Mängel in der Druckqualität aufweist. So ist öfters mal der erste Buchstabe eines Namens etwas verdorben dargestellt. Da kann es helfen, wenn man nicht den ganzen Namen eingibt, sondern beispielsweise den ersten Buchstaben weglässt und nur nach «ertig» sucht. Natürlich wird dann so neben dem Namen «Hertig» auch ein Herr namens «Fertig» angezeigt. Aber die Chance ist gross, dass so alle im Verzeichnis aufgeführten «Hertig», trotz fehlerhafter Buchstaben, erscheinen.
Die zwei Aspiranten sind somit eindeutig identifiziert. Sie absolvierten im Jahr 1909 die 80-tägige Aspirantenschule der Kavallerie und freundeten sich wohl dort an. Ende 1909 wurden sie zu Leutnants der Kavallerie ernannt und je einer Dragonerschwadron zugeteilt. Verfolgen wir nun die militärischen Laufbahnen der beiden.
Nietlispachs und Hertigs militärische Laufbahnen
Die Angaben zu den Laufbahnen können wir ebenfalls den bereits verwendeten Offiziersverzeichnissen entnehmen. Denn daraus sind auch alle Beförderungen, Einteilungen und Wohnorte ersichtlich. Allerdings handelt es sich beim Zusammenstellen dieser Angaben um eine Fleissaufgabe. Denn die Verzeichnisse aller Jahre zwischen 1910 und etwa 1950 müssen dafür einzeln nach den beiden Namen durchforstet werden.

Beginnen wir mit dem Schenker der Waffe, Emil Nietlispach. Wir wissen, dass er 1887 geboren wurde und 1910 in Muri AG wohnhaft war. Eingeteilt war er in der Luzerner Dragonerschwadron 22. Schauen wir uns nun die folgenden Jahre an. Bis ins Jahr 1914 blieb sich alles gleich. Allerdings ist im Jahr 1913 bei Nietlispach vermerkt, dass er in diesem Jahr vom Militärdienst beurlaubt war. Am 31.12.1914 wurde er zum Oberleutnant befördert, seine Einteilung in die Dragonerschwadron 22 änderte sich nicht. Ab 1916 wird als sein Wohnort Lenzburg angegeben. Ab 1920 war Oberleutnant Nietlispach in der Landwehr-Dragonerschwadron 52 eingeteilt. Im Jahr 1924 ist er dort der einzige Offizier. Im selben Jahr wird Wohlen AG als sein neuer Wohnort genannt.
1928 ist er dann in der zu den Spezialtruppen zählenden Kavalleriekompanie 10 eingeteilt. Was die Aufgabe dieser Einheit war, ist nicht bekannt. Allerdings scheint sie ein Sammelbecken von überzähligen, älteren Offizieren gewesen zu sein. Denn sie zählte fünf Hauptleute und sieben bis neun Oberleutnants, jedoch keine Leutnants in ihren Reihen. 1930 finden wir Oberleutnant Nietlispach in der Spezialtruppen-Dragonerkompanie 15 wieder. Ab 1939 wird er als in der Landsturm-Dragonerkompanie 73 eingeteilt aufgeführt. Ende desselben Jahres, am 31.12.1939, wird Nietlispach, im Alter von 52 Jahren, zum Hauptmann befördert. 1943 wird als sein neuer Wohnort Luzern genannt. 1945 ist er im Territorialdienst, ab 1947 im Platzkommando-Stab Luzern eingeteilt. Erst 1952, also in seinem 65. Altersjahr, wird Hauptmann Emil Nietlispach nicht mehr im Verzeichnis der Offiziere der Armee geführt.
Wie sieht es nun mit dem Beschenkten, also dem Empfänger der Waffe, Carl Hertig aus. Von ihm wissen wir, dass er 1888 geboren wurde, im Jahr 1910 in Rüderswil BE wohnhaft war und in der Berner Dragonerschwadron 11 eingeteilt war. Ab 1911 bis zum Ende seiner Dienstzeit 1948, wird dann durchgehend Bern als sein Wohnort angegeben. Per 31.12.1914 wurde Hertig zum Oberleutnant befördert. Er blieb weiterhin in der Dragonerschwadron 11 eingeteilt. 1922 wird er als II. Adjutant im Stab der Kavalleriebrigade 2 geführt. Ab 1923 ist er Kommandant ad interim der Landwehr-Dragonerschwadron 43, weiterhin mit dem Grad eines Oberleutnants. Ab 1926 bis 1928 wird er zusätzlich zu dieser Funktion auch noch als Stellvertreter des Pferdestellungsoffiziers, Wangen a. A. aufgeführt.
Ab 1929 war Hertig, wie bereits Nietlispach, ebenfalls in einer Spezialtruppen-Kavalleriekompanie, nämlich der Nummer 8 eingeteilt. 1930 findet man ihn in der Spezialtruppen-Dragonerkompanie 13. Ab 1931, immer noch in der Kompanie 13 beheimatet, ist er als «zur Pferdestellung Wangen abkommandiert» vermerkt. 1933 ist Hertig dann als Stellvertretender Pferdestellungsoffizier des Einschatzungsplatzes Wangen a. A. gelistet. 1934 hat er weiterhin diese Funktion inne, besitzt aber nun, mit 46 Jahren, den ihm am 31.12.1933 verliehenen Grad eines Hauptmanns der Kavallerie. Ab 1939 findet sich Hauptmann Hertig dann im Verzeichnis als im Territorialdienst eingeteilt wieder. Ab 1943, das nur so nebenbei, durfte Hertig seinen Galadegen nicht mehr zum Militärdienst mitnehmen. Zu diesem Zeitpunkt wurden alle langen Blankwaffen in der Armee abgeschafft. Die Offiziere und höheren Unteroffiziere hatten ab jetzt den Offiziersdolch, Ord. 1943, zu tragen. 1947 ist Hertig im Pferdestellungsstab Meiringen, 1948 im Pferdestellungsstab Interlaken eingeteilt. Ab 1949 ist Hauptmann Carl Hertig nicht mehr in den Verzeichnissen gelistet.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass beide Männer keine grossen militärischen Karrieren gemacht haben. Ihre Beförderung zu Oberleutnants war eine normale «Alterserscheinung». Und auch ihre späte Beförderung zu Hauptleuten erfolgte wohl einzig als Folge ihrer Funktion, oder vielleicht auch nur aus Gefälligkeit.
Bislang erzählte unser Degen also nur eine ziemlich belanglose Geschichte. Ist es möglich, dass die beiden Herren im zivilen Bereich mehr zu bieten hatten? Wir werden sehen …
Hertig, der Notar
Beginnen wir diesmal mit dem Empfänger der Waffe, Carl Hertig. Wir wissen bereits, dass er Jahrgang 1888 hatte und 1910 in Rüderswil BE wohnhaft war. Ab 1911 wohnte er dann bis mindestens 1948 in Bern. Sucht man im Internet mit den Begriffen «Karl Carl Hertig Bern», erscheinen nur wenige verwertbare Treffer. Alle beziehen sich auf einen in Bern tätigen Notar namens Carl, bzw. Karl Hertig. So findet sich beispielsweise ein Eintrag des Staatsarchivs des Kantons Bern, in welchem eine Archiveinheit zum Notariat Carl Hertig Bern genannt wird. Diese umfasst die Jahre 1920 bis 1960. Das könnte also durchaus zu unserem Hertig passen. Weiters findet sich in einem undatierten, wohl aus den 1950er-Jahren stammenden Adressbuch der Stadt Bern ein Notar namens Karl/Carl Hertig, der als Verwaltungsratspräsident, bzw. Verwaltungsrat bei verschiedenen Berner Firmen tätig war.
All diese Angaben sind recht dürftig. Ist dieser Notar wirklich unser Hertig? Finden sich vielleicht in Zeitungen und Zeitschriften weitere Informationen zu Karl/Carl Hertig Bern? Um Zeitschriften online zu durchforsten, eignet sich in hervorragender Weise «e-periodica.ch» der ETH Zürich. Dort findet sich eine grosse Menge an Schweizer Zeitschriften, die unkompliziert eingesehen werden können. Einmal die Seite geöffnet, zeigt sich oben die Suchmaske. Dort kann man die gesuchten Begriffe eingeben. Allerdings sollte man sich dabei auf möglichst wenige, dafür aussagekräftige Begriffe beschränken. Denn wenn man zum Beispiel «Karl» eingibt, erscheinen alle «Karls», die jemals in allen diesen Schweizer Zeitschriften genannt worden sind. Und das sind tausende! Besser also man sucht mit «Hertig» und «Bern» oder «Hertig» und «Notar». Doch auch wenn man nur «Hertig» und «Bern» eingibt, erscheinen noch über 6000 Treffer. Also heisst es, die Suche genauer zu definieren.

Im Suchfeld geben wir in Anführungs- und Schlusszeichen «Karl Hertig» sowie «Bern» ein. Jetzt erscheinen nur noch 57 Treffer. Bei «Filter» grenzen wir nun mit dem Zeitschieber die Suche auf die Jahre 1921 bis 1971 ein. Nun sind es nur noch 24 Resultate. Diese 24 Resultate sortieren wir nun noch nach «Jahr (ältestes zuerst)». Das erste Resultat aus dem Jahr 1924 «Karl Hertig, z. Weinburg Rorschach» können wir ausschliessen. Das zweite, ebenfalls von 1924, kann, obwohl ein «Karl Hertig-Rubinik, aus Rüderswil» genannt wird, ebenfalls ausgeschlossen werden. Denn dieser wohnte in Biel, wogegen unser Karl Hertig bekanntermassen in Bern wohnhaft war. Das dritte Resultat, eines von 1925, bringt dann Klarheit. Denn dort wird der Vorstand der Sektion Bern des Schweizer Pferde-Rennvereins aufgelistet. Und da findet sich als Sekretär ein «Kavallerie-Oberleutnant Karl Hertig, von Rüderswil, Notar, in Bern». Volltreffer!
Für unsere weitere Suche können wir uns also auf den Notar Karl Hertig in Bern konzentrieren. Wir beschränken uns dabei auf die Suchbegriffe «Karl Hertig» und «Notar». Wenn wir auch «Bern» eingeben würden, erschiene jedes Mal auch dieses Wort noch als Treffer. Doch leider erfahren wir in der Folge aus den Zeitschriften nichts wesentlich Neues mehr über unseren Notar Karl Hertig. Versuchen wir es darum einmal mit «Carl» als Schreibweise des Vornamens. Und siehe da, «Carl Hertig» und «Notar» liefert neue Erkenntnisse. Ab 1917 wird Hertig als in Bern, an der Spitalgasse 40 tätiger Notar genannt. Ab 1930 wechselt die Adresse an die Spitalgasse 34. In den folgenden Jahrzehnten wird Notar Hertig regelmässig genannt, wenn es beispielsweise um Erbschaftsangelegenheiten oder Verwaltungsratsmandate geht. Alles in allem allerdings, nichts wirklich «aufregendes». 1961 jedoch, findet sich ein wesentlicher Eintrag. Carl Hertig ist verstorben. Ein weiterer Vermerk liefert uns auch noch das genaue Datum. Wir erfahren, dass Notar Carl Hertig, geboren 1888, am 31. Dezember 1960 gestorben ist. Das war es dann aber auch schon. In Zeitschriften findet sich nichts weiteres mehr zu Carl Hertig.
Nun gibt es aber noch eine andere Möglichkeit um an Informationen über Carl Hertig zu gelangen. Nämlich aus alten Zeitungen. Dazu bietet sich in ausgezeichneter Art und Weise die Plattform «e-newspaperarchives.ch» an. Denn dort finden sich viele schweizerische Zeitungsarchive online abrufbar. Geben wir also in die dortige Suchmaske «Carl Hertig» und «Bern» ein. Es erscheinen 12 Resultate. Die meisten davon sind leider belanglos. Von Interesse sind einzig die ihn betreffenden Todesanzeigen. Daraus erfahren wir, dass Carl Hertig, Notar in Bern, am 31. Dezember 1960 in Siders VS, also wohl in seinen Ferien, unerwartet an einem Schlaganfall verstorben ist. Soviel also zu Carl Hertig.
Nietlispach, der «höchste Schweizer»
Befassen wir uns nun auf dieselbe Art und Weise mit dem zweiten Protagonisten, mit Emil Nietlispach. Wir starten unsere Suche wiederum mit einer einfachen Suchanfrage im Internet. Überrascht stellen wir fest, dass es zu diesem Namen viele Treffer gibt. Und was für welche! Wikipedia nennt ihn, das Historische Lexikon der Schweiz weiss über ihn zu berichten, auf der Webseite des Schweizer Parlaments ist er aufgeführt usw. Wahrlich, da haben wir es wohl mit einer wichtigen Persönlichkeit zu tun. Rasch wird noch überprüft, ob die genannten Daten mit unserem Emil Nietlispach übereinstimmen. Kein Zweifel, unser Degen verschenkender Emil Nietlispach, ist identisch mit dem so prominent im Internet aufgeführten Politiker Emil Nietlispach.
Lassen wir nun Fakten folgen: Emil Nietlispach wurde am 20.2.1888 in Beinwil bei Muri, im aargauischen Freiamt geboren. Er besuchte das Gymnasium in Schwyz, und studierte danach Rechtswissenschaften in Bern, Berlin und Paris. Die Studien schloss er mit dem Doktortitel der Universität Bern ab. Anschliessend arbeitete Nietlispach als Gerichtsschreiber in Lenzburg. Von 1915 bis 1942 führte er ein eigenes Anwaltsbüro in Wohlen AG. 1942 wurde er vom Bundesrat zum Richter am Eidgenössischen Versicherungsgericht in Luzern gewählt. Damit zusammenhängend erfolgte 1942 auch sein Wohnsitzwechsel von Wohlen nach Luzern. In dieser Funktion war er bis 1959 tätig. 1950/51 und 1958/59 war er Präsident dieses Gerichtes. Emil Nietlispach verstarb am 22.7.1962 in Luzern. Seine Heimatgemeinde Beinwil bei Muri wollte ihn im Jahr 1962 zum Ehrenbürger ernennen. Sein Tod, ein paar Tage vor diesem feierlichen Anlass, durchkreuzte aber diese Pläne.
Nietlispach war katholischer Konfession. Obwohl der Aargau als reformierter Kanton gilt, ist das Freiamt, in dem sowohl Muri als auch Wohlen liegen, eine katholische Region. Die Gründung des katholischen Bauernbundes wurde von Nietlispach initiiert. 1924 war er Mitbegründer des Freiämter Bauernbundes und 1925 Mitbegründer des Aargauer katholischen Bauernbundes.
Politisch war Nietlispach von 1916 bis 1942 als Aargauer Grossrat tätig. 1921/22 war er Grossratspräsident. Von 1922 bis 1942 sass er ausserdem als Nationalrat des Kantons Aargau im eidgenössischen Parlament in Bern. 1940/41 war er Nationalratspräsident und somit «höchster Schweizer». Von 1940 bis 1942 präsidierte er im Parlament auch die katholisch-konservative Fraktion des Nationalrates. Von 1935 bis 1940 war Nietlispach ausserdem Präsident der Konservativen Volkspartei, welche später CVP hiess und heute Die Mitte heisst. Im Parlament setzte er sich für die Volksrechte, eine Reform und Rationalisierung des Parlamentsbetriebes und gesunde Bundesfinanzen ein.

Bereits Emils Vater, Jakob Nietlispach, ein Landwirt, war Aargauer Politiker und von 1893 bis 1918 auch schon Nationalrat gewesen. Sicherlich hatte Emil von ihm seine politische Gesinnung und die Verbundenheit mit dem Bauernstand übernommen. Als Sohn eines vermögenden Bauern war es zur damaligen Zeit üblich, dass man seinen Militärdienst bei der Kavallerie ableistete. Und als Sohn eines Nationalrates war eine Offizierskarriere auch schon fast vorbestimmt. So erstaunt es nicht, dass Emil Nietlispach 1909 die Kavallerie-Aspirantenschule absolvierte. Und dass er seinem dortigen Kameraden Carl Hertig ein doch nicht gerade preiswertes Geschenk machen konnte, ist aufgrund seines Herkommens auch nicht weiter verwunderlich.
Schlusswort
So konnte nun unser Galadegen doch noch eine recht interessante Geschichte erzählen. Erst wenn man die Hintergründe kennt, realisiert man, dass mit dieser Waffe ein Objekt vorliegt, das einen direkten Bezug zu einer der bekanntesten Schweizer Persönlichkeiten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts aufweist.
Anzumerken gilt, dass die in diesem Artikel beschriebene Vorgehensweise bei der Recherche natürlich auch zur Identifizierung weiterer Offiziere dienen kann. Wie oft schon hatte man ein Namensetikett einer Uniform, ein militärisches Schriftstück oder sonst ein Objekt mit dem Namenszug eines unbekannten Offiziers vor sich und wünschte sich weitere Informationen zu dieser Person. Wie aufgezeigt, lässt sich mit ein bisschen Fleiss und Ausdauer oft Erstaunliches in Erfahrung bringen.
Quellen
- Verzeichnisse eidgenössischer Offiziere, 1910–1952.
- e-periodica.ch
- e-newspaperarchives.ch
- Wikipedia.
- Historisches Lexikon der Schweiz HLS, hls-dhs-dss.ch
- Parlament.ch
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