Von Amtes wegen

1848: Die Siegel der neuen eidgenössischen Militärbehörden

Heute, im Zeitalter von E-Mail, WhatsApp und Social Media, wird eine Nachricht elektronisch in Sekundenschnelle vom Absender an den Empfänger übermittelt. Spezielle Software hilft, deren Inhalt vor unbefugten Blicken zu schützen und Absender und Adressat zu verifizieren. Briefe aus Papier werden in Umschläge gesteckt, zugeklebt, mit Absender- und Empfängeradresse versehen und der Post übergeben. Das Postgeheimnis schützt deren Inhalt.

Früher, als diesem noch nicht so vertraut werden konnte, wurden Schriftstücke versiegelt. Um den Inhalt vor neugierigen Blicken zu schützen, wurden die Umschläge mittels Siegellack und Petschaft verschlossen. Wer das Schriftstück öffnen wollte, musste das Siegel aufbrechen. Das Siegel diente somit dazu, die Unversehrtheit von Briefumschlägen oder auch anderen Behältnissen zu sichern.

Doch ein Siegel wurde nicht nur zum sicheren Verschliessen einer Sache verwendet. Es erfüllte auch noch einen zweiten, womöglich sogar wichtigeren Zweck. Ein Siegel war eine Insigne, also eine Kennzeichnung. Staaten, Behörden, Ämter, aber auch Privatpersonen setzten ihr Siegel um mit diesem Symbol, diesem «Herrschaftszeichen», dem gesiegelten Objekt «Rechtskraft» zu verleihen. So wurden und werden auch heute noch Dokumente, vor allem Urkunden, oftmals gesiegelt, um sie als amtlich zu kennzeichnen.

1848 wurde die Schweiz zum Bundesstaat. Damit verbunden war die Schaffung einer Vielzahl von neuen eidgenössischen Behörden und Ämtern. All diese Stellen mussten mit neuen Siegeln versehen werden. So auch die neu geschaffenen eidgenössischen Militärbehörden.

Präsentationsetui mit den Siegeln der 1848 neu geschaffenen eidgenössischen Militärbehörden (Privatsammlung).

In der hier vorgestellten Kassette sind neben den Siegeln des Bundes, auch militärische Siegel präsentiert. Wozu genau diese Schatulle hergestellt wurde, ist nicht bekannt. Eine Vermutung drängt sich allerdings auf. Um die neuen Siegel bekannt zu machen, wurden womöglich entsprechende Mustersortimente angefertigt. Diese wurden dann den Kantonen und weiteren interessierten Stellen zugestellt. So war gewährleistet, dass vor allem in der Anfangszeit, als die neuen Siegel noch nicht allgemein bekannt waren, kein Missbrauch mit gefälschten Siegeln getrieben werden konnte.

Ein solches mögliches Mustersortiment liegt hier vor. Das mit feinstem rotem Leder bezogene Etui ziert auf dem Deckel ein zentral angebrachtes, kleines, silbernes eidgenössisches Kreuz. Den Rand des Deckels umgeben ein breiteres, ein schmäleres und ein mit Zierelementen an den Ecken versehenes, goldenes Liniendekor. Das Etui misst 28,7 x 23,4 x 2,1 cm und wiegt mit Inhalt 774 g. Das Innere der Schatulle ist mit weisser Seide ausgeschlagen. Der Deckel ist leicht gepolstert. In dreizehn verschieden grossen, goldumrandeten Vertiefungen, befinden sich die aus rotem Lack gefertigten Siegel.

Innenansicht des Präsentationsetuis mit den dreizehn roten Siegeln.

Je nach Wichtigkeit des Amtes, beziehungsweise des Verwendungszwecks der Siegel, weisen diese verschiedene Grössen auf. Das grösste Siegel ist dasjenige der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Es hat einen Durchmesser von 8,5 cm und besetzt das Zentrum des Etuis. Mit einem Durchmesser von 5,5 bis 6 cm folgen an den vier Ecken die Siegel des Oberbefehlshabers der Armee, der XXII Kantone, des Bundesrats und des Kriegsrats. Links aussen, in der Mitte, findet sich das Siegel des Generalstabs, rechts aussen das der Kriegskanzlei und unten mittig dasjenige der eidgenössischen Kanzlei. Diese drei Siegel weisen einen Durchmesser von 4,5 bis 5 cm auf. Die restlichen fünf, im Kreis um das grosse, zentrale Siegel angeordneten Stücke haben einen Durchmesser von etwa 4 cm. Es sind dies die Siegel des Artillerie-Brigadekommandos, des Divisionskommandos, des Generaladjutanten, des Brigadekommandos und ein zweites, kleineres Siegel des Oberbefehlshabers der Armee.

Aussenansicht des Etuis.

Man muss anerkennen, dass dieses, in edlem Behältnis daherkommende, äusserst dekorative Siegelsortiment, das Selbstverständnis und die Würde der neuen eidgenössischen Behörden auf das Beste repräsentierte.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert