Die drei Seiten einer Medaille

1875–1894: Historische Medaillen auf General Hans Herzog

Heutzutage existiert eine beachtliche Anzahl von Medaillen, die das Abbild des Schweizer Generals Hans Herzog aufweisen. Dabei handelt es sich überwiegend um Stücke, die erst viele Jahrzehnte nach dessen Tod hergestellt worden sind. So findet sich sein Porträt etwa auf Schützenmedaillen, auf Kranzabzeichen und auf silbernen Gedenkmedaillen. Solche, nicht in direktem zeitlichem Zusammenhang, oder zu rein kommerziellen Zwecken fabrizierte Medaillen haben nur einen beschränkten historischen Wert.

Allerdings gibt es auch drei Medaillen, die bereits zu Herzogs Lebzeiten, bzw. auf seinen Tod hin hergestellt worden sind. Diese Stücke stellen zeitgeschichtliche Zeugnisse dar und sind es wert, genauer betrachtet zu werden.

Hans Herzog

Hans Herzog wurde am 28. Oktober 1819 in Aarau geboren. 1839 absolvierte er in Thun seinen ersten Militärdienst. Am Sonderbundskrieg von 1847 nahm Herzog als Adjutant der 2. Artilleriebrigade teil. Während des Neuenburger Handels 1856/57 war er Kommandant der Artillerie der V. Division. Von 1860 bis 1874 amtete er als Inspektor und von 1875 bis 1894 als Waffenchef der Artillerie. Anlässlich der Grenzbesetzung von 1870/71 wurde er zum General und Oberbefehlshaber der Schweizer Armee ernannt. General Hans Herzog starb am 2. Februar 1894 in Aarau.

Die Herzog-Medaillen

Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 besetzte die Schweizer Armee die Landesgrenze. Als Erinnerung an die vom Sommer 1870 bis zum Frühjahr 1871 dauernde Grenzbesetzung, schuf der Genfer Medailleur Charles Richard (* 1832 Genf, † 1911) im Jahr 1875 aus eigener Initiative eine Medaille. Es war dabei nur natürlich, dass die eine Seite der Medaille das Porträt des sich während der Grenzbesetzung überaus verdient gemachten Generals Hans Herzog zeigte. Die prächtige Medaille fand, da sie sich qualitativ deutlich von der sonst angebotenen «Massenware» abhob, grossen Anklang. In ihrer künstlerischen Ausgestaltung war sie, vor allem was die Rückseite mit dem Porträt Herzogs betraf, praktisch nicht zu toppen.

Rückseite der Medaille mit dem sehr realistischen Porträt von General Hans Herzog. Sie zeigt das seitliche, nach links blickende Brustbild des Generals in Uniform. Links davon steht «HANS HERZOG», rechts «GÉNÉRAL». Unter dem Porträt ist die kleine Signatur des Medailleurs «C. RICHARD F:» angebracht. Die Rückseiten aller drei hier vorgestellten Medaillen waren identisch (Privatsammlung).

Aufgrund ihrer Qualität, kamen die Prägestempel der Medaille von 1875 einige Jahre später nochmals zur Verwendung. Denn 1889 und 1894 ging es darum, zu zwei Anlässen, die sich auf General Herzog bezogen, Medaillen herzustellen. Beide Male wurde dabei der Rückseitenstempel der Medaille von 1875, also die Seite mit dem Porträt Herzogs, unverändert übernommen. Für die Medaille von 1894 wurde auch das Sujet des Vorderseitenstempels von 1875 nochmals verwendet. Geändert wurde bloss die umlaufende Legende. Die Medaille von 1889 erhielt eine andere, dem Anlass besser entsprechende Vorderseite.

Die Medaille auf die Grenzbesetzung 1870/71 von 1875

Vorderseite der Medaille auf die Grenzbesetzung von 1870/71, hergestellt von Charles Richard im Jahr 1875 (Privatsammlung).

Im Januar 1871 wurde die französische Ostarmee (Bourbaki-Armee) von den deutschen Truppen Richtung Schweizer Grenze gedrängt. Um ihrer Vernichtung zu entgehen, traten rund 88 000 französische Soldaten im Jura in die Schweiz über. Sie wurden entwaffnet und über das ganze Land verteilt interniert. Die Franzosen fanden überall grosse Hilfsbereitschaft und wohlwollende Pflege. Nach dem Ende der Kampfhandlungen kehrten die französischen Soldaten im Frühjahr 1871 in ihr Heimatland zurück. Diese Ereignisse fanden in Presse, Literatur und künstlerischen Darstellungen auch noch Jahre danach breiten Niederschlag. In der «Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitung» war im Mai 1875 zu lesen:

«Herr C. Richard in Genf hat zur Erinnerung an die Dienste der eidg. Armee während der Grenzbesetzung eine ausserordentlich schön gestochene und nicht minder vortrefflich geprägte Medaille geschaffen. Die eine Seite zeigt die ‹Helvetia› in der Rechten das Schwert, in der Linken den Schild, die Grenzen schirmend. Die energische Haltung, das gesenkte Schwert drücken das ‹bis hierher und nicht weiter› aus. Der Grenzstein trägt das eidg. Kreuz und die Inschriften: ‹Freiheit – Liberté, Libertà.› Im Hintergrunde Tannenwald und Berge. Dies Bild ist umschrieben: ‹Neutralité Suisse. Souvenir du service fait par l’armée fédérale du 16 Juillet 1870 au 25 Mars 1871.›

Auf der anderen Seite findet sich das Portrait der General Hans Herzog, ebenso ähnlich als ausdrucksvoll. Die Ausführung der Medaille gereicht dem Künstler, Herrn Richard, zur Ehre, und hoffen wir, dass dieselbe und besonders auch in militärischen Kreisen eine freundliche Aufnahme finden wird, als ein werthvolles Erinnerungszeichen an einen denkwürdigen Moment unserer Geschichte».

Die Medaille weist einen Durchmesser von 51 mm auf. Sie wurde in Silber, vergoldetem und versilbertem Kupfer und Kupfer hergestellt. Der Ausgabepreis der kupfernen Medaille betrug 6 Franken.

«Ankunft und Heimreise der französischen Soldaten». Doppelseitige Darstellung mit applizierter Medaille von 1875 (Öl auf Papier, auf Holzbrettchen geklebt, 13,5 x 11,5 cm, Privatsammlung).

Die Medaille auf das 50-jährige Dienstjubiläum Herzogs von 1889

Vorderseite der Medaille auf Herzogs 50-jähriges Dienstjubiläum 1889 von Charles Richard (Privatsammlung).

Am 6. Juli 1889 feierte General Hans Herzog sein fünfzigjähriges Militärdienstjubiläum. Zu dieser Gelegenheit wurde von Charles Richard eine Erinnerungsmedaille geprägt. Wie eingangs erwähnt, fand dazu der bereits 1875 hergestellte Rückseitenstempel wiederum Verwendung. Für die Vorderseite schuf Richard einen, zum Anlass passenden, neuen Stempel.

Dieser neue Vorderseitenstempel zeigt einen ovalen Schweizer Wappenschild auf einer Rollwerkkartusche, der an eine nach links gerichtete Kanone gelehnt ist. Dahinter befindet sich eine aus einem Rutenbündel, aufgestellten Fahnen und verschiedenen Waffen bestehende Trophäe. Links davon sind Faschinenwerk, rechts im Hintergrund ein Zeltlager und Hügel zu sehen. Darüber steht auf zwei Zeilen: «WAFFENCHEF DER SCHWEIZ. ARTILLERIE * / ZUR FEIER SEINES FÜNFZIGJÄHRIGEN MILITÄRDIENSTES». Links unten findet sich mit «C. R.», die Signatur des Medailleurs, ganz unten steht «1839–1889». Die Medaille weist einen Durchmesser von 51 mm auf. Sie wurde in Silber, versilbertem Kupfer, Kupfer und Zink hergestellt. Der Ausgabepreis der silbernen Medaille betrug 30 Franken, derjenige der kupfernen Medaille 8 Franken.

Die Medaille auf den Artillerietag in Biel von 1894

Vorderseite der Medaille auf den Artillerietag in Biel von 1894 (Privatsammlung).

General Hans Herzog, der verdiente Waffenchef der Artillerie, war am 2. Februar 1894 verstorben. Um ihn zu ehren, wurde durch das Organisationskomitee des Artillerietages von 1894 die Grenzbesetzungsmedaille von 1870/71 neu aufgelegt. Sowohl Vorder- als auch Rückseite entsprachen der ursprünglichen Medaille. Einzig die Legende auf der Vorderseite wurde geändert. Nun stand dort: «* SCHWEIZERISCHER ARTILLERIETAG BIEL * BIENNE FÊTE FÉDÉRALE D’ARTILLERIE * 1894».

Beim Fest wurden die besten Leistungen wahlweise mit der Medaille oder mit 10 Franken in bar honoriert. Daneben konnte die Medaille auch käuflich erworben werden. Geprägt wurden die Medaillen durch Jean-Louis Furet (* 1871, † 1926) in Genf. Vermerkt ist dies durch die kleine Punze «L. FURET» auf dem Rand der Medaille. Die Medaille hat einen Durchmesser von 51 mm. Sie wurde in Silber, versilbertem Kupfer und Kupfer hergestellt.

Am 24. und 25. Juni 1894 fand in Biel der 3. Schweizerische Artillerietag statt. Schon am Abend des 23. Juni wurde für die bereits angereisten Teilnehmer eine Abendunterhaltung geboten. Am Sonntag den 24. Juni kündigten um fünf Uhr früh 22 Kanonenschüsse vom Fest. Am Vormittag reiste dann das Gros der Wettkämpfer an. Nach dem Mittagessen besammelte man sich auf dem Bahnhofplatz. Danach marschierten die Teilnehmer in einem prächtigen Festzug durch die Stadt zum Übungsplatz. Nachmittags fanden die Einzelwettkämpfe statt. Die Teilnehmer massen sich dabei im Richten der Geschütze, im Schirren und Packen sowie im Revolverschiessen. Am Abend wurde ein Unterhaltungsprogramm geboten.

Am Montagvormittag wurden die Wettkämpfe fortgesetzt. Auf dem Programm standen Sektionswettkämpfe für die Feldartillerie und die Positionsartillerie sowie wiederum Einzelwettübungen und Revolverschiessen. Nach dem offiziellen Mittagessen erfolgte dann die Preisverteilung. Danach endete die Veranstaltung. Den knapp 400 Teilnehmern wurde während des Festes einiges geboten. So berechtigte die 6 Franken kostende Festkarte zu Teilnahme an den Wettübungen, Unterkunft, Frühschoppen, Zutritt zu den Abendunterhaltungen, Zutritt in die Taubenlochschlucht, Mittagessen am Montag, Fahrt auf der Drahtseilbahn Biel–Magglingen, Besuch des Museums Schwab und einer Ruderfahrt auf dem Bielersee.

Quellen und Literatur

  • Allgemeine Schweizerische Militärzeitung, ASMZ, 1875, S. 167.
  • Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Nr. VIII, 1889, S. 103.
  • Revue suisse de numismatique, Nr. IV, 1894, S. 218, Nr. 13.
  • Ackermann, René: Seinen tapferen Soehnen das dankbare Vaterland, Militärische Verdienst- und Gedenkmedaillen der Schweiz des 17., 18. und 19. Jahrhunderts, Horw 2024.

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