1794: Eine Trouvaille aus dem Französisch-Lehrbuch
René Ackermann, veröffentlicht am 29.06.2025
Die Zeiten ändern sich. Was heute normal ist, war früher oftmals unvorstellbar und was früher selbstverständlich war, wird heute in Frage gestellt. Ein Beispiel eines solchen Wertewandels sei hier vorgestellt.
Wer heute eine Fremdsprache erlernt, kennt das. Irgendwann hat man auch gewisse, häufig zur Anwendung kommende Redewendungen auswendig herzusagen. Früher war das nicht anders. Einzig die verwendeten Standardsätze haben sich mit der Zeit etwas gewandelt.

Wie heute noch, gab es auch früher schon Lehrmittel, die das Erlernen der Fremdsprache unterstützen sollten. Ein solches Lehrbuch wurde 1794 in Zürich herausgegeben. Es trägt den etwas umständlichen Titel «Der neue PARIVAL, oder Sammlung der zur französischen Sprachlehre nöthigsten Wörter und Redensarten. Gesammelt und herausgegeben zum Nuzen derjenigen, welche die französische Sprache lernen. Von F. B. H****r. Zürich, bey David Bürkli, 1794».
Ein für uns Heutige höchst befremdlicher damaliger Standardsatz findet sich darin auf Seite 73. Er lautet:
«il lui a passé l‘épée au travers du corps – er hat ihm den Degen durch den Leib gestossen».

Man muss diesen Satz erst einmal verdauen. War es denn wirklich so, dass diese Formulierung damals zum allgemeinen Wortschatz gehörte? War es denn früher normal, dass man mit dem Degen in der Gegend herum spazierte und hin und wieder jemanden damit durchbohrte?
Natürlich nicht! Allerdings war es so, dass zur damaligen Zeit Ehrenhändel, also Duelle, noch Gang und Gäbe waren. Vor allem in den sogenannt besseren Kreisen. Patrizier und Angehörige des Militärs, in geringerem Masse auch Angehörige des Bürgertums, fochten gelegentlich noch so ihre Sträusse aus. Genau diese Kreise waren es aber auch, die unser Französisch-Lehrbuch damals ansprach. Da war es dann durchaus denkbar, dass diese Menschen eben doch einmal gezwungen waren, jenen ungewöhnlichen Satz in den Mund nehmen zu müssen.
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