Feldmützen, 1875-1898

Offiziere

Allgemeines

Auch mit dem Erscheinen des neuen Bekleidungsreglements von 1875 blieb die bisherige Feldmütze der Ordonnanz 1852/61 im Grundsatz erhalten. Die Feldmütze der Offiziere, Stabssekretäre und Adjutant Unteroffiziere war weiterhin konisch geformt, bestand aus farbigem Tuch und war mit einem leicht abwärts gesenkten Augenschirm ausgestattet. Die Farben des Tuches und des Vorstosses entsprachen denjenigen der Uniform. Das Kinnband bestand aus Glanzleder und war mit zwei kleinen Uniformknöpfen befestigt. Der Kopfrand, also die untere Hälfte der Mütze, bestand aus dem gleichen Stoff/Material wie die Aufschläge an der Uniform. Die Gradabzeichen waren dieselben wie am Tschako. Die Mütze der Truppenoffiziere trug vorne, am unteren Rand, die Einteilungsnummer in 1,2 cm hohen Ziffern.

Im Laufe der Jahre erlaubten sich die Offiziere, die ja ihre Uniformierung selber finanzieren mussten, in Bezug auf die Form ihrer Feldmütze mit der Mode zu gehen. Absolut «in» war das Modell der österreichischen Offiziere. Mitte der 1880er Jahre wiesen die Mützen der Schweizer Offiziere «in der Form, namentlich bezüglich der Höhe, grosse, in letzter Zeit bis in’s Absurde gehende Varianten» auf. Deshalb sah sich das Militärdepartement 1886 veranlasst, klare Weisungen bezüglich des Aussehens der Schweizer Offiziers-Feldmütze zu erlassen.

Die Gesamthöhe durfte nun noch maximal 11 cm betragen, davon war der Kopfrand 4 cm hoch. Der obere, ovale Deckel sollte in der Länge 1 cm und in der Breite 2 cm weniger betragen als das untere entsprechende Mass der Mütze. Die Mütze war somit nur noch unmerklich konisch geformt. Nun befand sich die Einteilungsnummer in der Mitte des oberen Teils der Mütze. Die Feldmützen der Ordonnanz 1875 wurden erst kurz vor der Jahrhundertwende durch das neue Modell der Ordonnanz 1898 abgelöst.

Nachfolgend sind die unterschiedlichen Merkmale der Offiziers-Feldmützen der Ordonnanz 1875 aufgeführt:

Generalstabsoffiziere (Hptm-Oberst)

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: karmoisinrot.
Kopfrand: schwarzer Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: golden.

Stabssekretäre (Adj Uof)

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: karmoisinrot.
Kopfrand: dunkelblau.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.

Füsiliere (Lt-Maj)

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: dunkelblau.
Knöpfe: silbern, blank.
Gradabzeichen: silbern.

Schützen (Lt-Maj)

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: dunkelgrün.
Knöpfe: golden, blank.
Gradabzeichen: golden.

Infanterieoffiziere (Oberstlt und Oberst)

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: karmoisinrot, ab 24.6.1880 scharlachrot.
Kopfrand: schwarzer Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: golden.

Kavallerie

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: karmoisinrot.
Kopfrand: Lt-Hptm, dunkelgrün / Maj-Oberst, schwarzer Samt.
Knöpfe: silbern, Lt-Hptm, blank / Maj-Oberst, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: silbern.

Artillerie

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: Lt-Hptm, dunkelblau / Maj-Oberst, schwarzer Samt.
Knöpfe: golden, Lt-Hptm, gekreuzte Kanonenrohre und Granate / Maj-Oberst, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: golden.

Genie

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: rot. Maj-Oberst bis 1878 schwarz.
Kopfrand: Lt-Hptm, dunkelblau / Maj-Oberst, schwarzer Samt.
Knöpfe: golden, Lt-Hptm, Sappeur- und Pionieroffiziere mit gekreuzten Beilen, Pontonieroffiziere mit Anker / Maj-Oberst, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: golden.

Feldmütze, Ord. 1875, Sanitätsoffizier (Arzt) mit Hauptmannsgrad. Die Masse dieser Mütze entsprechen den Bestimmungen von 1886 (Foto S. B.)

Sanität (Oblt-Oberst)

Farbe: kornblumenblau.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: schwarzer Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: golden.
Anmerkung: Ärzte traten mit Oberleutnantsgrad in die Armee ein.

Pferdeärzte

Farbe: kornblumenblau.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: Lt-Oberst, schwarzer Samt.
Knöpfe: silbern, Lt-Hptm, blank / Maj-Oberst, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: silbern.

Verwaltung

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: hellgrün.
Kopfrand: Lt-Hptm, dunkelblau / Maj-Oberst, schwarzer Samt.
Knöpfe: silbern, Lt-Hptm, blank / Maj-Oberst, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: silbern.

Justizoffiziere (Lt-Oberst)

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: orange.
Kopfrand: schwarzer Samt.
Knöpfe: silbern, Schweizerkreuz im Strahlenkranz.
Gradabzeichen: silbern.

Feldprediger (Hptm)

Feldprediger trugen eine schwarze Mütze in der Form der Offiziersmütze. Darauf war vorne eine Rot-Kreuz-Kokarde angebracht. Ab 1886 trugen die Feldprediger die Rangabzeichen eines Hauptmanns. Feldprediger der Infanterie mit silbernen, Feldprediger der Feldlazarette mit goldenen Galons.

Feldpostfunktionäre und- stabssekretäre

Diese trugen ab 1889 eine dunkelblaue Offiziersmütze mit einem eidgenössischen Kreuz und bis 1894 mit einem «P» als Abzeichen.

Quellen und Literatur

  • Bekleidungsreglement für die schweizerische Armee. Beschluss des Bundesrathes vom 24. Mai 1875.
  • Spezialbestimmungen zum Reglement von 1875, Abschnitt Bekleidung und Bewaffnung der Offiziere, vom 1. März 1878.
  • Feldmütze der Offiziere, vom 26. Mai 1886.
  • Änderungen am Bekleidungsreglement (Schwarze Pompons für Genietruppen), vom 10. September 1886.
  • Uniformierung der Feldpostfunktionäre, vom 13. August 1889.
  • Uniformierung und Bewaffnung der Feldpostfunktionäre, vom 31. Juli 1894.
  • Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
  • Burlet, Jürg: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen, 1852-1992, Egg 1992.

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