Feldmützen, 1861-1875

Offiziere

Allgemeines

Als zweite Kopfbedeckung verfügten 1861 alle Offiziere weiterhin über die sogenannte «Feldmütze». Von der Form her entsprach diese noch dem Modell von 1852. Der Augenschirm war nun aber leicht abwärts gesenkt. Bei einigen Funktionen wurde der untere Besatz (Kopfrand) geändert. Ausserdem wurden an ihr nun Gradabzeichen getragen. Diese «neuen» Mützen können als Ordonnanz 1852/61 bezeichnet werden. Sie sollten zwar 1869 durch einen «Schnitz» – der sich bei den Offizieren aber nie durchsetzte – ersetzt werden, durften aber weiterhin getragen werden. Bei einigen Abteilungen des eidgenössischen Stabes und bei den Ärzten wurde in der Zeit von 1869 bis 1875 die Feldmütze als einzige Kopfbedeckung getragen.

Die aus farbigem Tuch bestehende Mütze war rund, nach oben, bis zum flachen Deckel, konisch geformt und verfügte über einen leicht abwärts gesenkten, ledernen Augenschirm. Die mittlere Höhe der Mütze betrug vorne 9,9 cm, hinten 15 cm. Der Deckel hatte einen Durchmesser von 12 bis 13,5 cm. Der Kopfrand, also der untere, durch einen Vorstoss optisch abgetrennte Teil der Mütze war 3,6 cm breit.

Die Farben des Tuches und des Vorstosses entsprachen denjenigen der Uniform. Das Kinnband bestand aus Glanzleder und war mit zwei kleinen Uniformknöpfen befestigt. Inwändig war die Mütze mit einem umlaufenden Schweissleder besetzt. Beim eidgenössischen Stab und bei den Pferdeärzten wurden die bis anhin am unteren Rand angebrachten, 3,6 cm breiten, farbigen Einfassungen, durch solche aus schwarzem Samt ersetzt. Die Farben der Vorstösse blieben die bisherigen.

Als markanteste Neuerung wurden nun durch alle Offiziere Gradabzeichen an der Feldmütze getragen. Diese präsentierten sich wie folgt:
Leutnant: 1 Streifen à 3 mm.
Oberleutnant: 2 Streifen à 3 mm.
Hauptmann: 3 Streifen à 3 mm.
Major: 1 Streifen à 6 mm.
Kommandant und Oberstleutnant: 2 Streifen à 6 mm.
Oberst: 3 Streifen à 6 mm.

Bei mehreren Streifen waren diese jeweils 3 mm voneinander entfernt platziert. Mit der Ordonnanz von 1869 wurde dieser Abstand auf 2 mm reduziert. Das war notwendig, weil die Streifen der Stabsoffiziere nun nicht mehr 6, sondern 8 mm breit waren. Offiziere die nach 1869 ihre Feldmütze der Ordonnanz 1852/61 weiterhin trugen, waren gehalten, die darauf befindlichen Gradabzeichen den Bestimmungen der Ordonnanz 1869 entsprechend anzupassen.

Je nach der Farbe der Knöpfe an der Uniform, waren diese Streifen versilbert oder vergoldet.
Das System dieser als Gradabzeichen verwendeten Streifen bewährte sich so gut, dass es so noch bis 1995 an den Kopfbedeckungen der Offiziere getragen wurde. Selbst heute (2025), kommt es noch auf den «Schulterpatten» der Offiziere zum Einsatz.

Gemäss Reglement von 1869, sollten die Offiziere nun eine gleiche Mütze, also einen «Schnitz», wie die Mannschaften tragen. Statt von Halbwollentuch sollte die Mütze aber von Tuch sein, und statt des farbigen, einen vergoldeten oder versilberten Vorstoss aufweisen. Allerdings war es den Offizieren freigestellt, die bisherige Offiziersmütze der Ordonnanz 1852/61 beizubehalten. Anscheinend freundeten sich die Offiziere nicht allzu stark mit dem «Schnitz» an. Lieber trugen sie die gefälligere bisherige Offiziersmütze. Auf alle Fälle haben sich wesentlich mehr Feldmützen als «Schnitze» erhalten. Auch auf Fotografien aus der Zeit findet sich kaum einmal ein Offizier, der einen «Schnitz» trägt.

Mit der Abschaffung des Zweispitzes 1868 benötigten dessen Träger eine neue Kopfbedeckung. Die «kombattanten» Offiziere des Generalstabs, Geniestabs und Artilleriestabs erhielten 1869 als erste Kopfbedeckung den Tschako. Die übrigen ehemaligen Zweispitzträger von Justiz-, Kommissariats- und Gesundheitsstab, die Truppenärzte und -pferdeärzte, sowie die Stabssekretäre trugen nun bis 1875 die Feldmütze als einzige Kopfbedeckung. Diese wurde mit einer eidgenössischen oder kantonalen Seidenkokarde von 22 mm Durchmesser geschmückt. Zusätzlich trugen die Ärzte und Pferdeärzte die Nummer ihrer Einheit, die übrigen oben genannten, «nicht kombattanten» Stabsoffiziere und die Stabssekretäre ein eidgenössisches Kreuz an der Mütze.

A. Truppenoffiziere und Ärzte

Infanterie

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: dunkelblau.
Knöpfe: silbern, blank.
Gradabzeichen: silbern.

Scharfschützen

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: dunkelgrün.
Knöpfe: golden, blank.
Gradabzeichen: golden.

Kavallerie

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: karmoisinrot.
Kopfrand: dunkelgrün.
Knöpfe: silbern, blank.
Gradabzeichen: silbern.

Artillerie

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: dunkelblau.
Knöpfe: golden, gekreuzte Kanonenrohre und Granate.
Gradabzeichen: golden.

Genie

Farbe: dunkelblau.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: dunkelblau.
Knöpfe: golden, Sappeure: Helm und Kürass / Pontoniere: Anker.
Gradabzeichen: golden.

Truppenärzte

Farbe: kornblumenblau.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: golden, blank.
Gradabzeichen: golden.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit kantonaler Seidenkokarde und goldener Einheitsnummer.

Pferdeärzte

Farbe: kornblumenblau.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: silbern, blank.
Gradabzeichen: silbern.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit kantonaler Seidenkokarde und silberner Einheitsnummer.

B. Angehörige des eidgenössischen Stabes

Generalstab

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: karmoisinrot.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: golden.

Geniestab

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: golden.

Artilleriestab

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: golden.

Justizstab

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: orangegelb.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: silbern, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: silbern.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit eidg. Seidenkokarde und silbernem eidg. Kreuz.

Kommissariatsstab

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: hellblau.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: golden.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit eidg. Seidenkokarde und silbernem eidg. Kreuz.

Gesundheitsstab, Medizinalpersonal

Farbe: kornblumenblau.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: golden.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit eidg. Seidenkokarde und silbernem eidg. Kreuz.

Gesundheitsstab, Veterinärpersonal

Farbe: kornblumenblau.
Vorstoss: schwarz.
Kopfrand: schwarz, Samt.
Knöpfe: silbern, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: silbern.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit eidg. Seidenkokarde und silbernem eidg. Kreuz.

Stabssekretäre

Farbe: dunkelgrün.
Vorstoss: rot.
Kopfrand: dunkelgrün.
Knöpfe: golden, Schweizerkreuz.
Gradabzeichen: keine.
Anmerkung: ab 1869 zusätzlich mit eidg. Seidenkokarde und silbernem eidg. Kreuz.

C. Instruktoren

Instruktoren welche nicht beim eidgenössischen Stab eingeteilt waren, trugen nach 1861 weiterhin die bisherige Mütze der Ordonnanz 1852. Diese war aus dunkelblauem Tuch gefertigt und hatte scharlachrote Vorstösse. Die breite, untere Einfassung bestand aus scharlachrotem Tuch. Die Knöpfe waren vergoldet und mit einem eidg. Kreuz versehen. Es ist davon auszugehen, dass, obwohl nirgends reglementarisch festgehalten, auch ihre Mützen mit dem leicht abwärts gesenkten Schirm und den Gradabzeichen versehen waren.

Quellen und Literatur

  • Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres, vom 27.08.1852.
  • Abänderungen zum Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres vom 27. August 1852. Beschluss des Bundesrathes vom 17. Jänner 1861.
  • Bundesrathsbeschluss, betreffend die Bekleidung und Bewaffnung der eidg. Instruktoren und der Aspiranten der Spezialwaffen, vom 13. März 1861.
  • Abänderung des Bekleidungsreglements von 1861. Kreisschreiben des schweizerischen Bundesrathes, vom 15. Januar 1862.
  • Beschluss des schweizerischen Bundesrathes betreffend die Kopfbedeckung für die schweizerische Armee, vom 20. Januar 1869.
  • Isler, Johann: Das Wehrwesen der Schweiz, I. Band, Die Wehrverfassungen vor 1907, Zürich 1914.
  • Burlet, Jürg: Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen, 1852-1992, Egg 1992.
  • Ackermann, René: Uniformen der Schweizer Armee 1852–1874, Eine Sammlung historischer Fotografien und Vorschriften, Horw 2023.

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